Die Sopranos: Serienempfehlung

Heute behandle ich die Serie „Die Sopranos“ über eine italoamerikanische Mafiafamilie. Sie besteht auf 6 Staffeln, insgesamt 86 Folgen á ca. eine Stunde, also jede Menge Material. Gesendet wurde sie ab 1999, was man am Anfang auch merkt, weil jeder scharf war auf DVD-Player und Handys :D

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Um was geht es?

Wie der Titel der Serie vermuten lässt, geht es um eine italienischstämmige Familie – aber es handelt sich sicher nicht um eine Familienserie im Sinne von FÜR Familien, dafür gibt es zuviel Sex und Gewalt :D

„Die Sopranos“ gilt als Urvater der derzeitig beliebten Dramaserien wie Sons of Anarchy, Breaking Bad und Game of Thrones darstellt. Sie hat alles, was man braucht: Schockierende Momente, Intrigen, und eine lange, ausgedehnte Handlung mit vielen Charakteren.

Also nochmal, um was geht es?

Familie und Familia

Die Handlung spielt auf zwei Ebenen – einmal auf der persönlichen und familiären Ebene und dann auf der Ebene der Familia im weiteren Sinne: Tony Soprano wird zu Beginn der Serie zum Boss einer Mafiafamilie in Jersey, nördlich von New York.

Bei den Sopranos gibt es den ganz normalen Familienwahnsinn mit aufmüpfigen Kindern, einem seiner eigenen Mutter gegenüber machtlosen Vater, der die Hilfe eines Psychaters in Anspruch nimmt (man stelle sich das vor, ein Mafiaboss beim Psychater..!) und einer gelangweilten Hausfrau und Mutter. Auch die aufsässige Schwester hat mehrere höchst dramatische Auftritte.

Familie Soprano
Familie Soprano

Auf der anderen Seite geht es knallhart um das Mafiageschäft. Erpressung, Ärger mit dem Gesetz, Mord und Totschlag, Blutrache, die Hassliebe zur konkurrierenden Familia in New York.

Zwar ist Tony Soprano als Boss und Patriarch der Dreh- und Angelpunkt, aber die vielen weiteren Charaktere der Serie, sowohl innerhalb der Sopranos als auch im weiteren Umfeld der Familia entwickeln ebenfalls ein spannendes Eigenleben. Wir haben einen jungen Mafioso, der lieber Filmregisseur werden würde, dessen Freundin, die ihm stets zur Seite steht, obwohl sie geschlagen und betrogen wird, einen hochgestellten Captain der Familia, der schwul ist und versucht, das vor allen anderen zu verbergen (als Italiener ist man natürlich erzkatholisch), Tonys Schwester, die mit ihren esoterischen Anflügen und ihrem egoistischen Wesen immer für Ärger sorgt, einen Mafioso, der zwar geschäftlich alle Tricks drauf hat, dabei aber auch höchstgradig soziopathisch agiert und nur zum Spaß mal eine Nacktänzerin zu Tode prügelt..

Also in der Serienlaufzeit gibt es einiges zu entdecken :D

Man down!
Man down!

Kritik an der Serie

„Die Sopranos“ zeigt nicht viel Action und Explosionen – das könnte sie auch nicht gebrauchen. Es geht mehr um die alltägliche Entwicklung der familiären und geschäftlichen Situation. Daher ist die Serie relativ „langsam“ – nicht jedes Ende einer Folge hat einen Cliffhanger, so dass man nicht unbedingt immer 2-3 Folgen auf einmal schauen muss, wie etwa bei Breaking Bad oder Sons of Anarchy.

Vielschichtige Charaktere

Dafür hat sie andere Qualitäten, denn sie spielt stark mit Sympathie und Antipathie. Kein einziger Charakter ist nur böse oder nur gut.
Bis zum Ende fiel es mir schwer zu sagen, ob ich Tony eher mag oder hasse. Durch die menschlichen Augenblicke seiner Schwächen, seiner Probleme und seiner liebenswerten Sprüche („Mäusekacke!“) hegt man für den übergewichtigen Mann im Bademantel durchaus Sympathien, aber es gibt auch den anderen Tony, der Frau und Kinder anbrüllt, cholerisch wirkt, die Finger nicht von anderen Frauen lässt.

Die "andere" Familie
Die „andere“ Familie

Italien-Klischees

Grundsätzlich wirken die Mafiosi, die allesamt von italienischstämmigen Schauspielern gespielt werden, durch ihre irgendwie geerbte italienische Art unheimlich sympathisch. Zwar ist kaum jemand noch in Italien geboren worden, aber sie verhalten sich dennoch wie (klischeehafte?) Italiener. Diese Typen, die egal welchen Alters ständig in billigen Trainingsanzügen oder fleckigen Unterhemden zu sehen sind, die irgendwie typisch italienische Handbewegungen drauf haben und teilweise sehr italienische Denkweisen vertreten (Loyalität der Familie und natürlich der Mamma gegenüber). Wie sie sich in Jersey in ihrem Stammstraßencafé an der Straße an einem runden Tisch mit rotweißkarierter Tischdecke niederlassen, um ihren Espresso zu schlürfen und dabei ein Alutäfelchen ausklappen, um sich das Gesicht zu bräunen.

Im Straßencafé
Im Straßencafé

Die Identität der Hauptcharaktere, dh. ihre italienische Abstammung, führt zu einem starken Wir-Gefühl innerhalb der Familie, während auf der anderen Seite aber kaum jemand der (Mafia-)Familienmitglieder auch nur ein Wort italienisch spricht, so dass man bei einer Reise nach Neapel von der dortigen italienischen Mafia kaum ernst genommen wird.

Empfehlung: Die Sopranos

Joah, wie man vielleicht schon bemerkt hat, drücke ich mich äußerst positiv über die Serie aus. Klar, sonst hätte ich sie auch nicht geschaut :D Würde also „Die Sopranos“ allen empfehlen, die gern Dramaserien und Italiener mögen und dabei nicht unbedingt Fantasy oder eine Apokalypse brauchen :D

Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Handlungsebenen – Familie und Geschäft, persönliche Entwicklung und Pflichten innerhalb der Familie – sorgt für einen ständigen Spannungsbogen in der Story. Es gibt durchaus Schockmomente, wenn Lieblingscharaktere unerwartet sterben, aber es ist keine so Aneinanderreihung von Schockmomenten wie bei – bestes Beispiel – Game of Thrones.

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