Ad Astra – Nur optisch ein Leckerbissen

Auf Ad Astra habe ich mich schon eine Weile gefreut. Meine Erwartungen waren hoch, ich freute mich auf einen hochkarätigen Film, der in der Interstellar-Liga spielt. Mit Kameramann Hoyte van Hoytema, der auch Interstellar verfilmte, und Brad Pitt in der Hauptrolle sind ja schon mal gute Voraussetzungen gegeben!

Allerdings ließ mich der Film ratlos zurück. Wenn ein Streifen mich nicht schon beim Anschauen umhaut, denke ich danach eine Weile darüber nach und bilde mir dann ein Urteil, warum ich ihn aber doch gut finde – oder eben nicht. Bei Ad Astra gelang mir ein solches abschließendes Urteil aber nicht, und das liegt vor allem an der letzten Dreiviertelstunde. Bis dahin war alles soweit in Ordnung, auch, wenn ich mich über ein paar Logikfehler wunderte.

Aber schauen wir noch ganz kurz spoilerfrei auf die Handlung von Ad Astra.

Darum geht es in Ad Astra

Ad Astra Poster

Protagonist ist der pflichtbewusste Astronaut Roy McBride, schön gefühlskalt gespielt von Brad Pitt. Roy macht keinen Hehl daraus, wie er zu Menschen steht: Er zieht eine Show für sie ab und ist lieber allein. Vor allem im Weltraum, da kennt er sich gut aus. An Menschen und menschlicher Nähe hat er kein Interesse.

Roy arbeitet an einer riesigen Antenne, mit der nach außerirdischem intelligenten Leben gesucht werden soll. Durch ihre Größe – die Antenne reicht vom Erdboden bis in die äußersten Schichten der Atmosphäre (oder vielleicht noch weiter?) – erinnert sie mehr an einen Weltraumlift denn an eine Antenne. Gleich am Anfang des Films sehen wir einige wichtige Sequenzen für den restlichen Film:

Roy klettert im Weltraumanzug an der Antenne herum, als ein merkwürdiger Impuls aus dem All einen Teil der Antenne zerstört und Roy daraufhin nach unten fällt, Richtung Erde. Dieser Fall ist spektakulär gut gemacht – Roy trudelt, das Gerüst der Antenne und das Rund der Erdoberfläche flitzen an ihm vorbei, aber er behält die Nerven. Denn ihn kann nichts aus der Ruhe bringen, sein Puls geht niemals höher als 80 Schläge. Roy analysiert kühl seine Situation und macht das, was zu tun ist, um sie zu lösen. Kein Grund, sich aufzuregen!

Und so gelingt es ihm auch, seinen Fall zu stabilisieren und am Ende mit einem Fallschirm sicher auf der Erde zu landen. Bravo! Kurz darauf bekommt er eine Vorladung zu einem geheimen Treffen. Der Impuls, der die Antenne zerstört hat, tritt mittlerweile häufiger auf. Es ist eine „unkontrollierte Antimateriereaktion“ mit Quelle beim Neptun, die zukünftig alles Leben auf der Erde zerstören könnte.

Das Militär hat auch eine Vorstellung, was da vor sich gehen könnte: Beim Neptun verschwand vor vielen Jahren ein Forschungsschiff, das nach außerirdischen hochentwickelten Zivilisationen gesucht hat. Commander der Mission war Roys Vater Clifford McBride, der als Held gefeiert wird. Roy erfährt, dass sein Vater noch leben könnte und möglicherweise für diesen Impuls verantwortlich ist.

Er bekommt nun eine neue Mission: Über den Mond soll er zum Mars reisen, um dort eine Funknachricht Richtung Neptun abzusenden. Man erhofft sich, dass Clifford McBride seinem Sohn antworten würde und daraufhin aufhört mit dem, was die Erde gefährden könnte.

Also setzt sich Roy in einen Linienflug zum Mond und beginnt seine Mission.

Ad Astra macht auch viel richtig!

Der Film ist zunächst mal ein optisches Wunder. Gerade die wuchtigen Szenen an der Antenne am Anfang sehen genial realistisch aus, das kannst du auch im Trailer sehen. Aber auch sonst ist Ad Astra ein richtiger Leckerbissen. Wie in den beiden Genre-Blockbustern der letzten Jahre, Gravity und Interstellar, glaubt man als Zuschauer, direkt neben dem Protagonisten durch das All zu schweben.

Die harten Kontraste zwischen Licht und Schatten, die gold-verspiegelten Helmvisiere gegen das grelle Licht und die Strahlung, eine Verfolgungsjagd auf dem Mond in Mond-Buggys, die denen der Apollo-Missionen sehr ähneln – das ist richtig toll anzusehen. Ich hab mich wie ein Kind über die Szenen auf dem Mond gefreut.

Der Film zeigt nicht nur die geringe Schwerkraft sehr schön, sondern auch den Übergang von der hellen zur dunklen Seite des Mondes. Gerade ist noch alles hell, ein paar Meter weiter liegt die Umgebung in finsterster Dunkelheit.

Erinnerungen an Lems Pilot Pirx

Auch Roys Flug zum Mond mit einer Linienrakete hat mich sehr gefreut. Er erinnerte mich schwer an einen ganz ähnlichen Flug, den Pilot Pirx in einer Kurzgeschichte der Pilot Pirx-Reihe von Stanisław Lem absolvierte. Pirx fliegt mit einer Linienrakete zum Mond und soll dort, nach seiner Weiterreise zur dunklen Seite des Mondes (also wie Roy), einem Geheimnis auf die Spur kommen.

Der Flug zum Mond ist dabei aber so banal und Pirx beschreibt die Annehmlichkeiten des Linienfluges – etwas, auf das er als erfahrener Kosmonaut, natürlich überhaupt keinen Wert legt. Er wird sogar vom Personal gefragt, ob er schon mal auf dem Mond gewesen wäre. „Natürlich“, sagt er entrüstet. Schließlich gehört er nicht zu den peinlichen Touristen, die die lustigen Auswirkungen der geringeren Schwerkraft ausprobieren. So ist es auch in Ad Astra :D

Der Mond ist hier ein Spiegel der irdischen Gesellschaft: Konsum hat Einzug gehalten, es gibt sogar einen DHL-Schalter im Raumhafen. Auch Roy wird gefragt, ob er schon mal auf dem Mond gewesen wäre. Diese Szene ist also genau das, was mir bei Pirx immer vor Augen schwebte <3

Davon abgesehen gibt es auf dem Mond in Ad Astra nicht nur Konsum und Touristen, sondern auch einen knallharten Krieg um Ressourcen. Da fragt man sich, wozu die Menschheit den Planeten verlassen sollte, wenn sie doch all ihre Probleme sowieso mitnimmt.

Vom Mond aus reist Roy mit der Rakete Sapius weiter zum Mars. Deren Landung auf unserem Nachbarplaneten erinnert mich ebenfalls an eine Situation aus den Pirx-Geschichten, so dass ich glaube, dass der Drehbuchautor ein kleiner Lem-Fan ist :D

Weitere Ähnlichkeiten und Vorbilder

Das ist auch gar nicht so weit hergeholt, denn Ad Astra wird auch mit Lems dreifach verfilmtem Roman Solaris verglichen. Auch hier ging es darum, herauszufinden, was mit offenbar durchgedrehten Forschern auf einem fremden Planeten passiert ist. Ich habe das Buch als Teenager mal gelesen, habe es aber nur noch bruchstückhaft im Kopf, daher hier von mir kein weiteres Urteil :D

Pierre fiel aber direkt auf, dass die entbehrungsreiche Reise zu einem angenommenen Irren an Apocalypse Now erinnert. James Gray, Director von Ad Astra, hat auch zugegeben, dass der Kultfilm aus dem Vietnamkrieg ein Vorbild für Ad Astra ist.

Das trifft auch auf Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum zu – auch hier geht es darum, herauszufinden, was weit weg beim Jupiter mit der Crew eines verschollenen Raumschiffs passiert ist.

Ad Astra ist eine Analyse von Roys Innenleben

Gerade die Langsamkeit von Ad Astra kam mir sehr von Odyssee bekannt vor. Sie gefiel mir hier aber sehr gut – Ad Astra ist kein Film, in dem sich die Ereignisse überstürzen und der Zuschauer sich gehetzt fühlt. Stattdessen versucht er, uns mit auf die Reise zu nehmen und uns mit Roys Innenleben zu beschäften. Und das dreht sich vor allem um die emotionale Distanz, die er allen Menschen gegenüber empfindet, auch seiner Frau.

Brad Pitt spielt den gebrochen wirkenden Astronauten auch entsprechend distanziert: Sehr korrekt und sehr kühl. Ungefähr so habe ich mir übrigens auch Pilot Pirx immer vorgestellt :D Sehr korrekt, sehr klug, überdurchschnittlich belastbar, eher weniger gesellschaftsfähig.

Verfolgungsjagd auf dem Mond (© 20th Century Fox)

In anderen Rezensionen habe ich gelesen, dass vielen Roys „Gedankenstimme“ auf die Nerven geht. Das fand ich aber nicht. Im Gegenteil, mir half die Stimme dabei zu ergründen, was Roy durch den Kopf geht und worauf es ihm ankommt.

Die zentrale Frage, die sich Ad Astra auf mentaler Ebene stellt, ist dann schließlich auch die, ob Roy sich durch die Suche nach seinem Vater noch mehr von den Menschen entfernt, oder ob er diese Distanz letztlich überwinden kann.

Die erzähltechnische Spannung in Ad Astra nährt sich dagegen aus der Frage, was Roy am Ende beim Neptun vorfinden wird. Ist sein Vater wirklich ein Irrer, der die Menschheit vernichten will? Und wenn ja, warum? Was hat er „da draußen“ entdeckt, dass er so wurde? Oder ist alles ein Missverständnis?

Am Ende ist die Erklärung recht banal. Aber das wäre okay, wären da nicht die vielen Fehler, die den Weg zu „den Sternen“ (eigentlich geht es hier nur um Planten :P) bis dahin so holperig machen.

Fehler und mangelnde Logik trüben den Film

Auf die massiven Fehler vor allem am Ende des Films gehe ich nachfolgend ein.

Die Suche nach Außerirdischen

Zunächst mal habe ich mich gefragt, wozu man denn überhaupt eine so riesige Antenne braucht, um nach Außerirdischen zu suchen. Dazu nutzt man entweder Radioteleskope, die problemlos auf der Erde stehen können. Sehr bekannt sind z.B. die riesige Schüssel des Arecibo-Observatoriums auf Puerto Rico und die langen Reihen von Radioteleskopen des Very Large Array in New Mexico, USA. Radiowellen können die Erdatmosphäre problemlos durchdringen.

Wie man aber sieht, geht es um visuelle Informationen von Planetenoberflächen. Für gute Bilder ist die Atmosphäre tatsächlich störend – deswegen gibt es seit Jahrzehnten bereits optische Teleskope in der Erdumlaufbahn, zB. das Hubble Weltraumteleskop. Dafür braucht man keinen kilometerhohen Turm.

Und man muss sich nicht, wie in Ad Astra, an den Rand des Sonnensystems begeben, es reicht, aus der Atmosphäre rauszukommen. Zumal die Angaben im Film falsch sind. Es heißt hier, die Lima Project sei zum Neptun geflogen, an den Rand der Heliosphäre, um außerhalb des Einflusses der Sonne nach Leben zu suchen.

Die Heliosphäre endet aber nicht beim Neptun, sondern erstreckt sich noch viel, viel weiter. Auch die Umlaufbahn des Pluto verläuft noch weit innerhalb der Heliosphäre (hier eine Skizze). Es ist einfach falsch zu sagen, dass man den Rand des Sonnensystems erreicht hat, wenn man beim Neptun einparkt.

Außerdem kann auch das leistungsstärkste Teleskop, das man sich vorstellen kann, keine scharfen Oberflächenbilder von Planeten in mehreren Lichtjahren Entfernung machen, egal, wo es sich im Sonnensystem befindet. Soweit mir bekannt ist, kann man diese Planeten ja nicht einmal sehen, weil sie von der Helligkeit ihres Sterns in der Regel um ein Vielfaches überstrahlt werden.

So scharfe Bilder, wie Clifford McBride sie in Ad Astra gemacht hat, bekommen wir mit unseren Teleskopen in Erdnähe nicht mal von den weit entfernten Planeten in unserem eigenen Sonnensystem, siehe unten. Aber gut, lassen wir das mal so stehen.

Bild von Pluto, das das Hubble Weltraumteleskop 1994 aufgenommen hat
Bild von Pluto, das das Hubble Weltraumteleskop 1994 aufgenommen hat (@ Alan Stern (Southwest Research Institute), Marc Buie (Lowell Observatory), NASA and ESA)

ACHTUNG: SPOILER! Die Mission der Sapius

Ab jetzt gibt es viele Spoiler zum Film! Lies also nicht weiter, wenn du Ad Astra noch nicht gesehen hast!

Die Sapius bringt Roy vom Mond zum Mars. Auf dem Weg stirbt der Kapitän und es wird deutlich, dass der neue Kapitän ein zaudernder Angsthase ist. Wäre Roy nicht gewesen, hätte er schon die Landung auf dem Mars vermasselt.

Jetzt wird es wirklich unlogisch. Die Sapius erhält den Auftrag, weiter zum Neptun zu fliegen und die Lima Project wenn nötig mit einer Nuklearbombe zu sprengen. Der Neptun ist extrem viel weiter weg als der Mars vom Mond. Das ist, wie wenn eine Ärmelkanalfähre von jetzt auf sofort in die Karibik tuckern soll. Geht vielleicht schon, ist aber nicht so empfehlenswert.

Zumal die Sapis auf eine Mission zur Rettung der Menschheit geschickt wird. Da sollte man die Sache schon einigermaßen idiotensicher durchführen. Und wenn wir schon bei sicher sind: Vielleicht hätte man noch die Crew austauschen sollen. Klar, Roy hat für sich behalten, dass der Kapitän bei der Landung versagt hat. Aber so ist diese ganze Episode sinnlos – offenbar erfüllt sie nur den Zweck zu zeigen, dass Roy mal wieder die Nerven behält.

„Zum Glück“ ist Roy später dann als blinder Passagier doch wieder mit an Bord. Keine Sekunde zu früh übrigens, noch Sekunden vor dem Start der Triebwerke klettert er unter selbigen herum. Warum müssen Filme immer so unnötige Spannung erzeugen, wenn sowieso jeder weiß, dass der Protagonist natürlich nicht beim Start der Rakete zu Klump verbrennt?

Das Ziel fest vor Augen: Roy will mit an Bord der Rakete
Das Ziel fest vor Augen: Roy will mit an Bord der Rakete (© 20th Century Fox)

ACHTUNG SPOILER! Warum steigt Roy in die Sapius?

Auf dem Mars erfährt Roy von der Stationsleiterin Helen, dass sein Vater sowohl Meuterer als auch Unschuldige auf der Lima Project getötet hat, damit er die Suche nach außerirdischen Zivilisationen fortsetzen kann. Roys Vater ist also kein Held, sondern ein Mörder. Dadurch kehrten auch Helens Eltern, die ebenfalls dabei waren, nicht zu ihrer Tochter zurück.

„Das ist jetzt Ihre Last“, sagt sie ihm und wirkt ein wenig rachsüchtig. Sie scheint nach all den Jahren endlich jemanden gefunden zu haben, der nah genug mit dem Eltern-Wegnehmer verwandt ist, um als Sündenbock zu dienen. Mit dem Wissen darüber, was sein Vater getan hat, bestraft sie ihn nun.

Daraufhin fragt Roy, ob sie ihm helfen kann, an Bord der Rakete Sapius zu kommen, die in Kürze starten soll. Er werde sich um seinen Vater „kümmern“. Sie kann – und riskiert damit viel: „Die werden Sie fertig machen“, sagt Roy ihr auf der Fahrt Richtung Raumschiff. „Das ist mir egal“, antwortet sie. Und auch Roy riskiert viel, schließlich war er von dieser Mission abgezogen worden und hatte nicht mal die Berechtigung zu erfahren, was sein Vater ihm per Funk geantwortet hat.

Nachdem der Rest der Crew dann leider tot ist, schickt Roy Mission Control noch eine „Sorry“-Nachricht, und teilt mit, dass er fest entschlossen wäre, die Mission vorschriftsmäßig abzuschließen und zur Not auch die Project Lima zu zerstören.

Aber warum ging er an Bord? Diese Mission hatte die Crew der Sapius doch sowieso! Warum also riskieren, unter der Rakete zu verbrennen, oder dass alle den Hungertod sterben, weil er unbedingt blinder Passagier spielen muss?

Dieser Punkt, an dem Roy entscheidet, mitfliegen zu wollen, macht mir eigentlich den restlichen Film kaputt. Darauf basiert ja schließlich seine lange Reise. Dass er sich „kümmern werde“, drückt aus, dass er mit seinem Vater eine Rechnung begleichen will. Stellt er, der pflichtbewusste, ruhige Typ, auf einmal die Aussprache mit Papa über das Schicksal der Menschheit? Ich habe das hier einfach nicht verstanden.

Aus dem Kontext heraus könnte sich noch ergeben, dass Roy nur „zur Sicherheit“ mitfliegt, weil er befürchtet, der ängstliche Kapitän könnte die Mission verhauen. Da muss eben einer dabei sein, der die Mission im Blick hat und nicht im entscheidenden Moment zaudert. Falls Roy dieses Ziel vor Augen hatte, hat er dazu aber nichts verlauten lassen.

Oder Helen wollte erreichen, dass Roy auch nach ihren Eltern schaut. Die ja vielleicht noch leben könnten. Immerhin steht der Lima Project die völlige Zerstörung durch die Sapius bevor. Aber darüber haben die beiden nicht gesprochen und es wurde in keinster Weise angedeutet, dass Roy eigentlich auf Elternrettungsmission geht.

Letztlich bleibt es für mich völlig unerklärlich, warum Roy unbedingt mitfliegen wollte und dadurch die gesamte Mission und seine Zukunft als Major und respektierter Astronaut aufs Spiel setzt.

ACHTUNG SPOILER! Weltraumpiraterie und seine Folgen

Als Roy an Bord der Sapius klettert, ist im klar, dass ihm Ärger bevorsteht, das haben wir schon geklärt. Aus dramaturgischer Sicht wundert es also weniger, dass die Raumschiffcrew dann von Mission Control den Befehl erhält, Roy zu liquidieren.

Logisch wundert das schon ein wenig. Es handelt sich um eine Raumschiffcrew, die zwar vielleicht Angehörige des Militärs sein mögen, aber vermutlich seltener in die Verlegenheit kommen, kaltblütig jemanden umzubringen. In einer Rakete. Während des Starts. Auf der Mission zur Rettung der Menschheit.

Was entsprechend auch nicht gut für die Crew ausgeht. Roy beichtet zwar der Bodenkontrolle, dass als Folge seines unerlaubten Betretens der Rakete die Crew „leider verstorben“ sei, aber trotz seines sofortigen Geständnisses sollte ihn nach der Rückkehr eine ziemlich saftige Untersuchung wegen vorsätzlicher Gefährdung der Mission, Totschlags und vielleicht Piraterie erwarten.

Das alles passiert aber nicht. Ohne uns mit dem Rückflug und Roys Gedanken dabei aufzuhalten, kehrt er zurück und bringt sein Leben wieder in die Spur. Es scheint, der ganze Trip zum Neptun sei nie passiert – offenbar hat er weder Ärger bekommen, noch wird er als Held gefeiert. Immerhin hat er mit der Zerstörung der Lima Project die Menschheit gerettet – das hätte allerdings auch die Raumschiffcrew getan, die durch Roys Handeln ums Leben kam.

ACHTUNG SPOILER! Logikfehler bei der Lima Project

Kurz vor seiner Ankunft bei der Lima Project bekommt die Sapius nochmal eine volle Breitseite des Impulses ab, so dass ihr Antrieb ausfällt. Roy kann das Schiff daher nicht direkt bis zum Ziel fliegen, sondern muss vorher aussteigen und mit einer Kapsel die restlichen 100 Meter um den Neptunring herum zurücklegen. Warum er nicht gleich die richtige Seite anfliegt, verstehe ich nicht, immerhin hatte er ja lange, lange, lange… lange Zeit, seinen Kurs zu planen.

Das Gespräch zwischen Vater und Sohn in der Project Lima verläuft dann erwartungsgemäß: Strange. Es erklärt daher irgendwie, warum Roy so verkorkst ist – bei so einem Vater. Der übrigens von Tommy Lee Jones gespielt wird, der mittlerweile schwer gealtert ist und nun sehr gut auch einen brummigen Saruman spielen könnte.

Von was Papa McBride sich so lange ernährt hat, ist auch nicht klar, und offenbar haben ja auch ein paar Crew-Mitglieder bis vor kurzem überlebt. Außerdem sollte bei einer so langen Missionsdauer – das Schiff verschwand 16 Jahre nach Beginn der Mission, insgesamt habe ich 27 Jahre im Kopf – doch ab und zu mal was kaputt gehen, was sich nicht mit ein bisschen altem Draht für 50 Pfennig fixen lässt. Wie haben sie das auf die Reihe bekommen, ohne Unterstützung?

Jedenfalls erklärt Clifford McBride, dass der Rest seiner Crew vor einigen Monaten auch gemeutert und (aus Trotz) eine Kernschmelze produziert hätte. Für das Schiff ist das wohl nicht so schlimm, aber dadurch entstanden jedenfalls die Impulse, die sich über die Entfernung bis zur Erde noch verstärkten und dort eben das Leben auf dem ganzen Planeten gefährden. Das ist so ein Humbug – sich verstärkende Wellen?! Eine Gefahr für das ganze Sonnensystem, durch eine winzige Kernschmelze im All?!

Aber gut. Bei der Rückkehr zur Sapius stößt Roy sich „auf Sicht“ ungefähr in Richtung der Sapius von der Project Lima ab und landet nach seinem völlig unmöglichen Flug durch den Ring direkt an der Einstiegsklappe seines Raumschiffes. Beide Raumschiffe befinden sich wohlgemerkt in Bewegung.

Die kleinen Steine des Rings übrigens auch. Steine solcher Größe können locker Stahlplatten zerschießen, wenn sie mit großer Geschwindigkeit darauf aufprallen, und das sollte hier der Fall sein. So ein Flug durch einen Gesteinsring sollte daher tödlich enden (und die Ringe sind auch viel „dicker“, als man es im Film annehmen könnte).

Roys Flug mit seinem Metallklappenschutzschild durch die Ringe des Neptuns ist also nett anzusehen, aber völlig undenkbar.

ACHTUNG SPOILER! Roys heißer Ritt zurück

Wir erinnern uns, Roys Antrieb funktioniert ja nicht mehr. Wie soll er also zurück zur Erde kommen? Ganz einfach – er nutzt die Druckwelle der nuklearen Explosion zur Zerstörung der Lima Project, um die Sapius „anschieben“ zu lassen.

Och komm schon… In der Regel führen Explosionen dazu, dass Dinge kaputt gehen, nicht, dass sie schneller werden und heil bleiben. Zwar erinnere ich mich, dass es Ideen gibt, so einen Explosionsantrieb mal irgendwie zu bauen. Aber dazu nutzt man nicht irgendeine Explosion und irgendein Raumschiff, sondern ein genau dafür konstruiertes Schiff und Explosionen, die exakt berechnet werden.

Naja, in diesem Fall funktioniert es. Eine Explosion, die mit ihren ausgreifenden blauen Flammen im Weltraum ganz und gar nicht zum restlichen adäquaten Look des Films passt – es fehlte nur noch der Atompilz! – schiebt die Rakete und Roy in die richtige Richtung an und Roy landet kurz darauf unversehrt auf der Erde.

Mein Fazit zu Ad Astra

Schade, insgesamt bin ich eher enttäuscht. Visuell hat Ad Astra zwar einiges zu bieten und kann dabei auch mit den beiden Genre-Platzhirschen Interstellar und Gravity mithalten. Während aber Interstellar mit physikalischen Phänomenen wie Schwarzen Löchern und anderen Dimensionen herumzaubert und Gravity die Einsamkeit und die Lebensfeindlichkeit des Weltalls zelebriert, bleiben echte Regungen bei Ad Astra aus.

Dabei hätte aus dem Film vieles werden können. Bis zur Mitte etwa ist ja alles noch offen. Dann setzen aber die Fehler so richtig ein und für mich sind die so unverzeihlich, dass deswegen der ganze Film nicht mehr richtig aufgeht.

Aber ich würde auch nicht sagen, dass Ad Astra grundlegend schlecht ist. Ich denke, als Sci-Fi-Fan sollte man ihn schon mal gesehen haben – so viele Filme gibt es im Genre ja nicht :D Und wenn es um die Darstellung von Reisen durch den Weltraum geht, wird Ad Astra in Zukunft mit Sicherheit als Vergleich herangezogen werden!

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