Virtual Reality mit der Oculus Rift

Wie wäre es, einmal selbst über Stock und Stein durch die wilden Wälder in Skyrims Himmelsrand zu laufen und am Himmel nach Drachen Ausschau zu halten? Oder weit entfernte Orte zu entdecken, die du sonst niemals besuchen würdest? Oder wie wäre es mit einem Tischtennis-Match direkt vor deinem Schreibtisch, das sich genauso anfühlt, wie an einer echten Tischtennisplatte? … Virtual Reality macht all das möglich. Und zwar mit einem Immersionsgrad, den man sich nicht vorstellen kann, wenn man es nicht mit einer VR-Brille selbst probiert. Erfahre hier mehr über die Oculus Rift und die virtuelle Realität, die sie ermöglicht!

Virtual Reality - Alles ist möglich!Black Friday, Cyber Monday, Christmas Sale – Schlagworte, die alle Jahre wieder wenige Wochen vor Weihnachten auftauchen und eines gemeinsam haben: Die Geldbörse ist in arger Gefahr! Ich konnte Ende 2017 nicht widerstehen und habe mir die Oculus Rift gekauft, eine Virtual Reality-Brille, die – Achtung, Spoiler – virtuelle Realitäten simuliert.

An solchen Spielereien habe ich spätestens seit Tad Williams Otherland-Saga großes Interesse. Bislang hatte ich allerdings nie die Gelegenheit, selbst so eine Brille auszuprobieren. Daher traf mich die Wucht in 3D nun vollkommen unvorbereitet :D Selbstverständlich folgt nun auch ein erster Erfahrungsbericht. Nur so viel sei im Voraus gesagt: Seit Lieferung der Brille letzten Montag hatte ich leider keine „Zeit“ mehr, um Assassins Creed Origins weiterzuspielen.. >_>

Das erste Mal Virtual Reality: Superlative!

Meine ersten Minuten mit der Oculus Rift waren überwältigend. Anders kann man es nicht beschreiben! Obwohl ich doch wusste, dass man in eine virtuelle 3D-Umgebung versetzt wird, und obwohl ich die ausgezeichneten Bewertungen der Rift kannte. Aber auf die persönliche Erfahrung kann einen das alles nicht vorbereiten.. Ich hätte nie gedacht, dass es so realistisch sein würde. So völlig anders als die Spiele in dreidimensionalen Spielwelten, die ich ja zuhauf kenne, und so völlig anders als 3D-Kino. Beides erscheint mir jetzt nur noch als schlechter Abklatsch, kaum besser als die alten zweidimensionalen Super-Mario-Spiele :D

Nach dem ganzen ermüdenden Setup-Gefummel (siehe unten: es gibt einiges einzurichten) kommt endlich der Moment, in dem man seine VR-Brille das erste Mal aufsetzt. Ich sah… verschwommenen Text und ein grünes Kreuz, das ich – so sagte der Text – mithilfe der Linsenkorrektur und Herumdrücken der Brille auf meiner Nase scharfstellen sollte. Noch mehr kalibrieren, und die Auflösung ist auch nicht besonders hoch, toll…

Ich stellte scharf und drückte den Knopf, das Kreuz verschwand und um mich herum dehnte sich ein neuer, weiter Raum auf. Unter meinen (nicht mehr vorhandenen) Füßen: Irgendein Lichtstrudel, um mich herum ein Gittermodell, das mein Spielfeld darstellt (Guardian-Bereich, siehe unten). Pierre sprach mit mir, ich konnte ihn hören, aber ich sah ihn nicht – die Richtung, aus der seine Stimme kam, war endlos und leer, bzw. gefüllt mit Sternen und Nebeln, wenn ich mich recht entsinne.

Ein Mini-Tutorial erklärte mir nun, wie die Touch-Controller zu benutzen sind, die uns in der VR als virtuelle Hände dienen. Dann wurde ich in eine vollgemüllte Werkstatt versetzt. Ich hätte nie gedacht, dass die Umgebung so realistisch erscheint. Man schaut sich um… wie man sich eben irgendwo umschaut! Ein Roboter reichte mir irgendwelche Disketten, die ich in einen 3D-Drucker schob und damit Spielzeuge herstellte. Diese „First Contact“-Simulation zeigt schön, was Virtual Reality überhaupt ist. Man kann mit Gegenständen vor sich interagieren, sie in die Hand nehmen, benutzen, oder auch irgendwo ablegen. Andere Gegenstände können einem um die Ohren fliegen, oder ein Schmetterling setzt sich auf deinem ausgestreckten Zeigefinger ab. Ich kam komplett aus dem Staunen nicht mehr heraus!

Trotz aller gedanklichen Beschäftigung mit simulierten Umgebungen, Spielwelten und Science-Fiction-Literatur ist Virtual Reality völlig anders – deutlich realer – und viel besser, als ich es mir vorgestellt habe!

Das Video zeigt meine allerersten Gehminuten in der Virtual Reality:

Hier nun meine kurze Vorstellung der Oculus Rift und einer (ich muss es schon wieder sagen..) überwältigenden Erfahrung damit. Allerdings können naturgemäß weder Worte noch 2D-Screenshots oder ein Film eine echte 3D-Erfahrung adäquat vermitteln.. Deswegen kann ich nur empfehlen: Probiere es mal aus, in Elektronikfachmärkten gibt es oft Teststationen.

So funktioniert die Oculus Rift

Der VR-Markt war zum Kaufzeitpunkt Ende 2017 relativ überschaubar. Es gab eine große Zahl an VR-Brillen für’s Smartphone – das hat mir nicht gereicht. Dann die PSVR für Playstation – hab ich nicht, PC Master Race! Für den PC konkurrierten die HTC Vive und Oculus Rift. Windows Mixed Reality gibt es auch noch, aber in den Berichten, die ich gelesen habe, waren nur die Vive und die Rift als ernsthafte Alternativen angegeben.

Die Vive ist deutlich teurer als die Rift, hat aber die bessere Auflösung und das bessere Tracking. Die Rift führt dagegen bei den Controllern, also bei der intuitiven Bedienung. Letztlich entschied ich mich aufgrund des Preises für die Rift. Und das war auch richtig so. Mit der Oculus Rift bin ich sehr glücklich – das Tracking mit den bis zu drei Sensoren erfasst jede Bewegung (kann es noch besser sein? Liegt das dann im marginalen Bereich?) und wenn ich mich in der VR befinde, bin ich in der Regel von diesem Erlebnis geflasht, die Optik ist also „ok“ ^^

Heute, Stand November 2018, gibt es auch die Oculus Go, die wohl die Waffe der Wahl für Menschen ohne leistungsfähigen Rechner darstellt. Weitere eigenständige VR-Brillen sind bereits unterwegs, Brillen ohne externe Rechenunterstützung sind recht beliebt. Wieso hat eigentlich niemand mehr einen PC, wie es sich gehört?! :D Am Ende muss jeder selbst entscheiden, welche VR-Brille die Bedürfnisse am besten abdecken.

Aber betrachten wir nun die Oculus Rift Original mal ohne Tränen der Freude in den Augen. Damit diese dreidimensionale „Ich bin ja da drin!“-Erfahrung überhaupt möglich ist, braucht es einiges an Technik.

Oculus Rift Headset
Das Herzstück von Oculus Rift: Das Headset

Das Headset

Die Brille ist natürlich die Hauptkomponente des ganzen Spaßes. Sie wird per HDMI und USB mit dem PC verbunden. Je ein kleines Display pro Auge stellt leicht versetzt das gleiche Bild dar, so dass der Brillenträger damit einen Raumeindruck vermittelt bekommt. Das Bild nimmt das gesamte Gesichtsfeld ein, es gibt also keinen Rand außen, so dass man das Gefühl hat, sich unmittelbar selbst im Geschehen zu befinden.

Dreht man nun den Kopf, kann man sich in der Umgebung umschauen – genau wie in der Realität. Das Headset ist auch mit Kopfhörern und einem Mikrofon ausgestattet, so dass der 3D-Klang gleich mitgeliefert wird und einer gemeinsamen Party mit Voice Chat nichts im Wege steht.

Selbstverständlich kann die 3D-Brille auch 3D-Filme darstellen. Man braucht also keinen 3D-fähigen Fernseher für solche Filme, sondern kann sie über die Rift anschauen. Und zwar auch mit anderen zusammen (siehe weiter unten).

Das ist schon mal ziemlich beeindruckend, aber es wird noch besser.

Oculus Rift Linsen
Die großen Linsen der Brille projizieren das Bild direkt ins Auge – Das ist nötig, weil das Auge eigentlich auf einen so kleinen Abstand gar nicht scharfstellen kann

Die beiden Touch-Controller

Im Oculus Rift-Touch-Bundle sind auch für jede Hand ein Controller enthalten. Sie dienen als virtuelle Hände und funktionieren auch ähnlich: Ballt man die Hand langsam zur Faust, drückt man dabei gleichzeitig einen großen Knopf. So ballt auch die virtuelle Hand zeitgleich die Faust. Das gleiche mit einem Knopf am Zeigefinger: Wie bei einem Abzugknopf krümmt man so auch den virtuellen Zeigefinger.

Schwierig zu erklären, aber jedenfalls kann man mit den virtuellen Händen

  • eine Faust ballen oder etwas greifen,
  • mit dem Zeigefinger auf etwas zeigen,
  • den Daumen hochstrecken,
  • Daumen und Zeigefinger aufeinander zubewegen.

Das funktioniert überraschend gut.

Die Touch-Controller sind zudem auch mit Sensoren ausgerüstet, die die Lage der Controller erkennen. Dreht man seine Hand, dreht sich die virtuelle Hand mit. So kann man Gegenstände von allen Seiten betrachten. Um die Finger schwingt sich ein stabiler Ring aus Plastik. Dafür bin ich recht dankbar, oft genug hätte ich mir sonst schon im Eifer des Gefechts die Finger irgendwo angeschlagen :D

Auch das ist sehr beeindruckend! Die Touch-Controller ermöglichen ziemlich präzise Handbewegungen. Aber auch das ist noch nicht alles…

Room Scale / Die Sensoren

Im Bundle werden auch gleich zwei Bewegungs/Positionssensoren mitgeliefert. Die muss man im Abstand von 1-2 Metern voneinander aufstellen und sie überwachen dann den Spielbereich. Sie erfassen die Position der Touch-Controller und des Headsets und können offenbar auch erkennen, wie sich der Spieler bewegt. Geht man in die Hocke, bückt sich auch das virtuelle Ich.

Mit diesen drei Komponenten kann sich der Spieler also ziemlich präzise im virtuellen Raum bewegen. eSports-Spiele werden sich freuen :D

Der Spielbereich / Guardian

Damit der Spieler im Eifer des Gefechts seinen Spielbereich nicht verlässt, muss man beim Einrichten der Oculus Rift den Guardian-Bereich festlegen. Das ist der Spielbereich, den die Sensoren tracken können und in dem man sich dann bewegt. Er sollte natürlich frei sein von Stolperfallen, Lampen, Regalen oder sonst was ^^ In der Virtual Reality kann man natürlich nicht sehen, wo man gerade in der Realität genau steht. Deswegen werden die Grenzen des Guardian-Bereichs als Gittermodell eingeblendet, wenn man ihnen zu nahe kommt. Auf diese Weise ist man gewarnt und kann sich jederzeit wieder in die Mitte seines Spielfelds stellen. Empfohlen wird eine Mindestspielfeldgröße von 2 x 1,5 Metern.

Innerhalb des Guardian-Bereichs kann man sich dann frei bewegen und auch umherlaufen. Nur die Größe des Spielbereichs, die Länge des Headset-Kabels und die Sensoren setzen der Sache ihre Grenzen. Mit nur zwei Sensoren ist der Bereich hinter dem Spieler sozusagen ein blinder Punkt, die Sensoren können dort nur schwer die Bewegungen des Spielers tracken. Ein dritter Sensor, den man hinter sich aufstellt, könnte hier Abhilfe schaffen, so dass es kein „hinten und vorne“ mehr gibt. Kauft man dann noch für richtig teuer Geld einen Wireless-Adapter für die Brille, wickelt sich auch kein Kabel mehr um die Füße. Das wäre was…

Selfie mit Oculus Rift
Beim Aufsetzen der Brille findet man sich in „Oculus Rift Home“ wieder. Hier kann man seinen Avatar (natürlich in 3D) individuell gestalten und auch Selfies machen :D

Was kann man im virtuellen Raum nun machen?

Das hängt natürlich von der Programmierung der jeweiligen Anwendung ab, aber grundsätzlich hatte ich schon Spaß mit diesen Tätigkeiten:

  • mit den virtuellen Händen virtuelle Gegenstände antippen und umherschieben. Oder auch Knöpfe drücken (sehr beeindruckend: Man sieht einen Knopf vor sich, streckt den Finger aus und drückt den Knopf langsam nach unten. Es fühlt sich sehr echt an)
  • Gegenstände in die Hand nehmen und von allen Seiten betrachten
  • sich mithilfe von Steuerungsdüsen durch einen schwerelosen Raum bewegen
  • das Gefühl haben, gegen virtuelle Wände zu prallen, weil man die Steuerungsdüsen nicht richtig beherrscht
  • sein dreidimensionales Selbst im Spiegel betrachten und sehen, wie genau jede Kopf-, Arm- und Handbewegung übertragen wird
  • Robotern Arme ausreißen und sie damit verprügeln
  • den Oculus Home-Bereich mit hunderten Gegenständen als nerdiges VR-Zuhause einrichten
  • instinktiv in Deckung gehen, wenn irgendwas angeflogen kommt
  • aus Versehen Sachen in der Realität umwerfen, weil man die Guardian-Grenzen nicht beachtet hat
  • ein sehr mulmiges Gefühl haben, wenn der T-Rex dich bemerkt und dann anbrüllt, dass der Sabber fliegt
  • sich einen Muskelkater im Arm holen, weil man auf völlig real erscheinende Ziele Bälle wirft
  • verschwitzt und außer Atem das Gefühl haben, ein wenig die Welt gerettet zu haben
  • auf einer riesigen Leinwand malen
  • extrem futuristische Bedienelemente bedienen
  • sich sehr klein fühlen (T-Rex..) oder Gott-Allüren bekommen (wenn man unseren Planeten zerbrechlich direkt vor sich schweben sieht)
  • sich mit anderen Rift-Besitzern in virtuellen Räumen treffen, zusammen abhängen oder gemeinsam Filme schauen
  • seinen Ängsten entgegentreten: auch Höhen wirken sehr echt. Wenn man auf einmal am Rande eines Hochhauses spawnt und nach unten schaut, dann tritt man unwillkürlich lieber einen Schritt zurück
  • völlig die Orientierung im (realen) Raum verlieren, weil man sich im Eifer des Gefechts zu oft umgedreht hat und sich dabei mit dem Kabel der Rift verwickelt hat
  • ganz einfach zwischen völlig unterschiedlichen Aktivitäten umschalten: Von der Sporthalle ins Schlachtgebiet und zurück ins Kino
  • und vor allem: ein völlig anderes Raumgefühl bekommen, da man die reale Umgebung komplett ausblendet

Interessante VR-Anwendungen

Spiele und sonstige Programme für die Oculus Rift bekommt man im Rift-Store oder auf Steam. Hier gibt es alle möglichen Anwendungen von kostenlos bis teuer, von komplex bis anspruchslos, die man sofort bezahlen (wenn nicht kostenlos) und runterladen kann.

Mit der Rift machen auch relativ einfache Spiele, die normalerweise wirklich niemanden mehr hinter dem Ofen hervorholen würden, wieder richtig Spaß. Auch in Anwendungen, die den Betrachter nur einfach in fremde Umgebungen setzen, kann man sich völlig verlieren. Daher lohnt es sich, auch einfache, kostenlose Demo-Tools runterzuladen, wie z.B. die oben erwähnte First Contact-Demonstration oder „Dream Deck“.

VR-Erlebnissen mit der Rift, die mich aus verschiedenen Gründen besonders beeindruckt haben, habe ich eigene Beiträge gewidmet. Du findest sie in dieser shiny Vorschaugalerie :D

Und nachfolgend noch ein paar weitere Anwendungen, die kostenlos mitgeliefert werden oder zum Download bereit stehen. Mit diesen hier kann man die Möglichkeiten der VR und der Oculus Rift ganz gut mal austesten :D

Google Earth VR bietet eigentlich nicht viel Neues im Vergleich zum normalen Google Earth. 3D kann man, genau wie Street View, auch auf dem normalen Display schon anschauen. In vielen Regionen und Städten hat Google mit seiner whatever-Algrorhytmus-Konzern-Monopol-fuck-ass-Technology Bauwerke, Bäume und eigentlich alles andere, das vllt. mindestens 2 Meter groß ist, als 3D-Modell umgesetzt. Berge und Hügel gibt es natürlich auch. Die Auflösung ist nicht so besonders und ich habe das Feature bisher nicht wirklich beachtet. Daher habe ich mir die Anwendung auch erst etwas später runtergeladen. Und wieder einmal wurde ich völlig überrascht! Weiter unten könnt ihr euch das in einem Video anschauen, das ich eigentlich für eine DGM-Demonstration erstellt habe.

Google Earth VR Startbildschirm
Google Earth VR Startbildschirm

Die Erde  im Wohnzimmer…

In der virtuellen Realität ist Google Earth nochmal ungefähr 100x mehr beeindruckend als so schon. Muss man unbedingt gesehen haben! Die niedrige Auflösung und matschigen Texturen fallen hier nicht so extrem auf wie an einem hochauflösenden Display, aber das Gefühl, wie Godzilla durch die Häuserschluchten Manhattens stapfen zu können, ist einfach der Wahnsinn. Die Entfernung zum Boden und der Betrachtungswinkel lässt sich stufenlos und absolut intuitiv mit den Touch-Controllern steuern, und so kann man direkt aus dem Weltall zur Erdoberfläche fliegen und quasi den Arm auf dem Tour Montparnasse in Paris abstützen. Ein Klick weiter wartet dann Street View, so dass man sich noch vom Boden aus umschauen kann.

Google Earth
Einfache Navigation über den Globus

Man bekommt wirklich das Gefühl, dass man aufpassen muss, wo man hintritt, damit man nicht irgendwas kaputt macht. Brücken wirken so echt, dass man unter den Brückenbögen durchkriechen möchte. Man kann den Leuten auch quasi in den Swimmingpool spucken. Oder man fliegt über die Berge und das Meer und genießt tolle Aussichten. Oder man folgt in Ägypten Street View und läuft langsam den Weg zu den Pyramiden von Gizeh hoch.

Noch nie hatte ich zuvor das Gefühl, so viel krasses Zeug entdecken zu können. Ob man nun wie ein Gott über Rom steht und die Stadt wie ein kleines, aber plastisches Modell unter sich liegen sieht, oder sich von den Hochhäusern überragen lässt, oder den Mount Everest anfliegt – jede Aussicht in Google Earth VR ist ein absoluter Hammer. Wie gesagt – Screenshots können das kaum wiedergeben, aber hier ist einer: Diese Aussicht über den Petersplatz wirkte so lebensecht, dass ich glaubte, dass die Menschen da unten sich wirklich bewegen. Dazu kommt noch die Hintergrundmusik mit Vogelgezwitscher, die das ganze nochmal boostet :D

Der Petersplatz in Rom in Google Earth VR
Der Petersplatz in Rom in Google Earth VR

Vorsicht: Übelkeit!

Das schnelle Bewegen über die Erdoberfläche kann aber auch dazu führen, dass einem recht mulmig wird. Lässt man die Erde vor sich abkippen, damit man nicht immer nach unten starren muss, wenn man etwas sucht, dann spielen alle Sinne verrückt: unter den Füßen sieht man den „Rand“/Horizont der Erdkugel und das Weltall, während vor mir im 90°-Winkel gekippt Städte und Landschaften in der Luft hängen. Da muss es einen einfach schwindeln.

Obwohl ich von Google Earth in VR so fasziniert bin, ist auch bei mir nach spätestens einer Stunde Schluss, weil es wirklich anstrengt und Kopf und Bauch irgendwann rebellieren. Trotzdem: Wer die Möglichkeit hat, sollte sich Google Earth VR anschauen!

Google Earth VR ist kostenlos. Im Video sehr ihr in den ersten Minuten ein paar Flüge durch Google Earth VR.

Robo Recall ist eigentlich ein total simpler Single Player-Shooter, der ein wenig an alte SNES-Videospiele aus den 90ern erinnert. Es geht darum, außer Kontrolle geratene Roboter zu zerstören („recallen“, zurückrufen – so kann man es auch sagen :D). An diesem Konzept ist wirklich nichts Komplexes dran:

  • Man erschießt Roboter,
  • wirft sie umher,
  • verwendet sie als Schutzschild gegen andere Roboter,
  • reißt ihnen die Gliedmaßen aus oder
  • sammelt im Matrix-Style ihre eigenen Projektile aus der Luft und wirft sie auf sie zurück.

Robo Recall - Revolver
Ich fühl mich wie ein Revolvermann :D

Dabei sammelt man Punkte und knackt Highscores. Je nach Art und Weise, wie man die armen Robos „in den Roboterhimmel“ (Zitat Roboter) schickt, bekommt man mehr oder weniger Punkte. Dabei kann man auch bessere Waffen freispielen und sie modifizieren. Das war es im Großen und Ganzen auch schon.

Die Gegner unterscheiden sich gelegentlich, so gibt es manchmal kleine, schnelle Roboter, die sich fix umherbeamen, fliegende Drohnenroboter, Roboter mit dicken Schilden, und ab und zu auch Endgegner, die einer gewissen Taktik bedürfen. Das Spiel ist niemals unfair und man stirbt auch recht selten – es geht nur wirklich darum, möglichst viel Spaß zu haben.

Robo Recall - Roboter im Flug erwischt
Im Flug erwischt! – Gibt Extrapunkte :D

Und den hat man. Robo Recall gehörte die letzten Abende zu meinem Standard-Durchschwitz-Programm – denn man bewegt sich natürlich sehr viel. Die Roboter kommen von allen Seiten und auch von oben und von unten und man duckt sich unter Kugeln weg. Und es macht einfach unglaublich Laune, die leergeschossene Pistole dem nächsten Roboter noch an den Schädel zu werfen, der dann zu Boden geht, oder mit Schüssen einen springenden Roboter in der Luft zu rotieren :D Oder irgendeine schwebende Drohne aus der Luft zu fischen und damit einen anderen Roboter zu verprügeln.

Robo Recall - Shotgun
Bei zwei Schrotflinten hat kein Robo was zu lachen!

Die große Motivation bei diesem Spiel ist, möglichst viele Erfolge freizuschalten und natürlich möglichst elegant auszusehen, wenn man mit verschiedenen Waffen und unter höchster Gewaltanwendung mehrere Roboter auf einmal erledigt und gleichzeitig Kugeln ausweicht :D Und das i-Tüpfelchen: Die Kommentare der Roboterfeinde („oh nein, Blue Screen!“, „Der Kunde verhält sich unvernünftig“ – der Kunde bin ich) und der „KI aus dem Off“, die mir erklärt, was ich in welchem Level zu tun habe.

Robo Recall wird kostenlos mit dem Oculus Rift-Touch-Bundle freigeschaltet.

Hier sehen wir Pierre bei seinem Robo Recall-Tänzchen:

Big Screen ist kein Spiel, sondern mehr eine weitere virtuelle Umgebung, die zudem auf Socializing ausgelegt ist. Hier können sich mehrere Rift-Nutzer in einem Raum treffen und z.B. zusammen Filme schauen oder miteinander Spiele spielen. Big Screen macht eigentlich nichts anderes, als den eigenen Computer-Bildschirm im virtuellen Raum einzublenden. Mit den Rift-Controllern kann man dann alles machen, was man auch am PC machen kann (außer schreiben und lesen, das strengt zu sehr an).

Big Screen Avatar
Hier designe ich gerade meinen Avatar – ziemlich futuristisch schweben vor mir verschiedene Bedienelemente, die ich alle greifen und woanders hinstellen kann

Als virtueller Raum stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, z.B. ein Wohnzimmer mit großem Screen, eine Terrasse mit Ausblick über eine Stadt, ein Heimkino-Raum oder auch ein großer Kinosaal. Im Kinosaal hat der eigene Computer-Bildschirm dann die Größe einer Kinoleinwand. Das Kinogefühl ist sehr real, ich habe dann auch eine Weile lang irgendeinen Disney-Film geschaut und hatte ständig das Gefühl, die Touch-Controller mal neben mich auf die Couch zu legen, man muss sie ja nicht die ganze Zeit in der Hand haben – aber ich saß natürlich nicht auf einer Couch, sondern auf einem Stuhl, und ich war gar nicht wirklich im Kino. Das vergisst man dann schnell.

Ich kenne leider noch niemanden, der ebenfalls eine Rift hat, aber ich habe mich mal in einen öffentlichen Raum getraut. Im Kinosaal verteilt saßen dann die Avatare anderer Leute, mit denen man dann auch sprechen kann. Die Avatare bewegen dabei sogar den Mund (das Mikro hört ja, dass man spricht :D). Jeder „Spieler“ hat seinen eigenen Sitzplatz, und je nachdem, wo jemand sitzt, hört man dessen Stimme auch aus der relativen Richtung, also von links, rechts hinter einem, vorne, weiter oben, … Das ist sehr beeindruckend. Selbstverständlich kann man sich auch zuwinken oder sogar anstupsen. Ach ja – und es lief Jurassic World in 3D.

So echt, wie sich das alles anfühlt, frage ich mich wirklich, ob man sich überhaupt noch mit anderen Leuten zum Filme schauen treffen muss. Kann man genauso gut zu Hause machen, sich dann in der VR treffen und dort gemeinsam den Film schauen. Näher kann man der oben erwähnten Otherland-Saga wohl derzeit noch nicht kommen.. :D

3D-Film im virtuellen Kino
Jurassic World 3D im virtuellen Kino: Dea bin ich, die beiden neben mir irgendwelche Fremde.

Big Screen ist kostenlos. Unbedingt empfehlenswert!

Mit dieser Anwendung kann man 3D-Objekte malen – es ist ein Sculptprogramm. So kann man wunderbar Wolkenschlösser oder Schneemänner bauen, Luftballons formen, irgendwas in den Himmel schreiben oder was immer man möchte. Man fühlt sich ein wenig wie ein Bildhauer, wenn man so um sein Objekt herumläuft und hier noch was einsetzt und dort noch was rausfräst :D Nur dass man weniger ein Bildhauer ist, sondern eher ein Schaumschläger.. Die Werkzeuge klingen mehr wie Rasierschaum im die Luft sprayen :D

Erste Objekte in Oculus Medium
Links ein tolles Tor, rechts meine professionelle Burg

Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, allerdings bedarf es sicher einiger Übung, wenn man gerade Linien ziehen will. Sculpten konnte ich noch nie gut, auch in Blender war das ein großes Problem. Aber so viel Spaß wie in Oculus Medium hat man sonst nicht, weil man das Objekt hier wirklich plastisch vor sich sieht… Ich muss mir unbedingt mal ein Iglu sprayen :D

Auch anmalen kann man seine Objekte, und es geht natürlich auch, die Modelle zu exportieren, um sie in anderen Programmen weiter zu bearbeiten oder zu verwenden.

Oculus Medium wird im Oculus Rift-Bundle gleich kostenlos mitgeliefert.

Selfie in Oculus Medium
Es gibt auch eine Fotofunktion :D *Rauch von der Schaumpistole blas*

Voraussetzungen für die Oculus Rift

Obwohl sich die Rift manchmal wegen der drahtlosen Controller wie eine Konsole anfühlt, ist sie eigentlich nur ein zusätzlicher Monitor für euren Rechner. Logischerweise braucht ihr also einen potenten Computer. Die Grafikkarte muss einiges leisten und das Bild nicht nur einmal anzeigen, wie auf einem normalen Monitor, sondern zweimal – für jedes Auge ein leicht anderes Bild. Außerdem ist der Prozessor und der Arbeitsspeicher gefragt. Nach offiziellen Angaben ist für den Betrieb folgendes Gear nötig:

  • Grafikkarte: NVIDIA GTX 970 / AMD 290 oder besser
  • CPU: Intel i5-4590 / äquivalent oder besser
  • Arbeitsspeicher: 8GB RAM oder mehr

Auf der NVIDIA-Seite steht allerdings, dass mindestens eine GTX 1060 nötig ist – was Bullshit ist, denn mit meiner GTX 970 läuft es erwiesenermaßen :D Wenn du dich mit der Hardware nicht auskennst, dann kannst du auch ein kleines Tool runterladen, das deinen Rechner auf Herz und Nieren testet. Das Programm gibt es auf der Oculus-Seite zum Download, unter „Wie finde ich heraus, ob mein Computer die empfohlenen minimalen….“.

Was jedoch wirklich eine feste Voraussetzung ist, ist Windows als Betriebssystem. Mac wird nicht unterstützt, weil die Grafikpower fehlt.

Kauft ihr die Rift wie ich als Bundle inkl. zwei Sensoren, dann brauchst du außerdem mindestens noch diese Anschlüsse:

  • 1x HDMI für Bild- und Ton-Übertragung des Rift-Headsets
  • 1x USB 3.0 ebenfalls für das Headset (das Headset überträgt ja auch die Kopfneigungen, und ich nehme an auch die Signale der Touch-Controller)
  • 2x USB 2.0 oder 3.0 für die beiden Sensoren. Bei einem dritten Sensor braucht der natürlich auch nochmal eine USB-Buchse

Und – das darf man nicht vergessen: Ihr braucht Platz vor dem Rechner! Befindet ihr euch in der Virtual Reality, dann werdet ihr euch unweigerlich auch dort bewegen und zumindest mit den Armen herumfuchteln. Legt ihr ein Spielfeld fest, das nicht mindestens 1×2 Meter groß ist, sagt euch die Rift selbst: So wird das nix.

Big Screen Wohnzimmer
In meinem Big Screen-Wohnzimmer

Grenzen und zu lösende Probleme einer VR-Brille

So beeindruckend die Virtual Reality auch ist – es gibt dennoch ein paar Probleme.

Die Brille wiegt knapp ein halbes Kilo, lässt sich aber gut tragen. Die Trageriemen kann man individuell einstellen und so Druckstellen minimieren. Trotzdem hab ich nach dem Einsatz immer laut Pierre ein Waschbärengesicht mit Druckstellen um die Augen ^^

Je nach Anwendung kann einem durchaus auch mal schlecht werden – das ist als Motion Sickness bekannt. Meist tritt dieses mulmige Gefühl auf, wenn die VR vorgaukelt, dass du in Bewegung bist – aber dein Körper signalisiert dir Stillstand. Ich bin sehr robust, brauche aber in der Regel nach spätestens 2 Stunden auch eine Pause, weil ich mich irgendwie mulmig fühle. Gerade, wenn man es in Google Earth übertreibt und die Landschaft an sich vorbeifliegen lässt, kann einen das leicht ausknocken. Hätte selbst nicht gedacht, dass das so heftig ist. Hier muss die Technik noch nachziehen, denn die Art und Weise, wie wir uns in der VR bewegen, ist definitiv noch ein großes Problem!

In der Regel fällt es nicht auf, aber wenn man nicht durch Schießereien oder so abgelenkt ist, dann bemerkt man die weitaus schlechtere Optik der Grafik. Wie wenn man zu nah an einem Röhrenfernseher sitzt, kann man einzelne Punkte erkennen. Das Lesen normaler Texte ist durchaus ziemlich erschwert bis unmöglich und Surfen im Internet kann man mit der Brille eigentlich vergessen. Das ist aber nun auch wirklich nichts, wofür man Virtual Reality brauchen könnte :D In Sachen Schärfe hinkt die Rift einem normalen Display meilenweit hinterher. Aber das macht meiner Meinung nach nicht so viel: Das beeindruckende Gefühl, wirklich woanders zu sein, macht alles wett.

Und last but not least ein kleiner Fangirl-Nachteil: Du kannst anderen nicht so einfach zeigen, wie toll etwas ist! Screenshots und Filme geben das Erlebnis einfach nicht wieder. Schade für dich als Leser dieses Artikels :D Und ach ja, Oculus sollte ganz dringend eine intuitive Screenshot/Aufzeichnungs-Funktion einbauen. Ich nutze im Moment die Screenshotfunktion meiner NVIDIA-Grafikkarte, brauche dazu aber eine Extrahand und muss mich verrenken. Am besten klappt es mit einem Screenshot-Gehilfen an der Tastatur. Da muss sich dringend was tun!

Mein Fazit zu Virtual Reality

Die Möglichkeiten, die die VR bietet, sind einfach unbegrenzt. Auch nach einem Jahr bin ich jedes mal aufs Neue fasziniert, wenn ich die Rift aufsetze. Es heißt immer, dass es für VR-Brillen außer Skyrim und Fallout 4 noch keine echten Knaller-Spiele gibt. Das stimmt. Aber das braucht es auch nicht, finde ich. Mit VR-Brille auf dem Kopf kannst du sowieso unmöglich sechs Stunden am Stück durchsüchteln. Dafür gibt es eine riesige Vielfalt an kleineren, aber dafür umso interessanteren Anwendungen, die dich beschäftigen werden.

Ich merke, dass ich Lust auf VR bekomme, auch ohne unbedingt dort etwas zu machen. Allein schon, in meinem virtuellen Wohnzimmer zu sitzen, plätscherndes Wasser und das Feuer im Kamin zu hören, ist unglaublich beruhigend. Ob man sich dann entscheidet,

  • mit Kinogefühl irgendeinen Film zu schauen,
  • sich in eine andere Umgebung zu versetzen und sich berieseln zu lassen,
  • etwas für die Bildung tut (siehe oben bei Anwendungen),
  • irgendein lustiges Spielchen spielt oder
  • doch Bock hat auf Bewegung und Action

.. das ergibt sich dann von selbst.

Insgesamt aber ist Virtual Reality wahnsinnig beeindruckend und bietet jede Menge Möglichkeiten. Das Gefühl, sich in einer futuristischen Umgebung zu befinden und all das zu machen, was man sonst nur CGI-animiert im Kino sieht, ist einfach unschlagbar toll. Und das ganze läuft gerade erst richtig an! Ich freue mich auf die Zukunft, mit besserer Auflösung bzw. schärferen Bildern und noch mehr 3D-Umgebungen.

Letztendlich freut sich auch der Körper darüber, dass er nicht mehr den ganzen Abend nur noch sitzen muss. In vielen Anwendungen ist es einfach besser zu stehen, bzw. man betätigt sich sogar richtig sportlich ^^

Und am Ende kann ich nur nochmal betonen: Screenshots und meine Beschreibungen hier können das Erlebnis der Virtual Reality wirklich nicht ausreichend beschreiben. Probiere es selbst aus!

Zusammenfassung
Review-Datum
Beschriebenes Produkt
Oculus Rift & ein paar Spiele
Bewertung
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