Superhot VR – Matrix-Momente für Jedermann :D

Mit der linken Hand wirfst du ein Cocktailglas auf einen drei Meter entfernt stehenden Angreifer, mit der Rechten einen Aschenbecher auf einen anderen. Beide Gegner zersplittern in Zeitlupe, während du in der Luft nach der Pistole von Kristallgegner 1 greifst, die auf dich zugeflogen kommt. Du weichst elegant zwei auf dich zufliegenden Kugeln aus und wehrst eine dritte mit dem Lauf deiner gerade ergatterten Waffe ab. In einer fließenden Bewegung feuerst du auf einen dritten Gegner, der dich von weiter hinten mit Geschossen eindeckt. Seine letzte Kugel fliegt knapp an deinem Kopf vorbei. Die Splitter der ersten beiden Angreifer sind noch nicht mal am Boden angekommen.

… Das ist Superhot VR. In diesem Review stelle ich dieses außergewöhnliche Spiel vor – mit Gameplay-Video :D

Superhot VR
Das könnte knapp werden…

Release: Dezember 2016 (als Virtual Reality-Version auf Oculus Rift, außerdem PS VR und HTC Vive)
Genre: Taktischer Single Player Shooter
Preis: auf Steam 22,99 €, bei anderen Anbietern weit unter 20 €
Spieldauer: Max. ein paar Stunden

Superhot VR ist eine Choreographie der Zerstörung, die deutliche Bezüge zu Bullet Time-Moves aus Matrix zeigt – nur ohne so coole Mäntel (steht dir natürlich frei, so ein Teil beim Zocken anzuziehen :D). Superhot VR ist damit absolut prädestiniert für Virtual Reality, weil du so wirklich ganzen Körpereinsatz zeigen kannst. Ungefähr so wie Neo in Matrix:

Matrix Bullet Time
Wir erinnern uns: Matrix, 1999 – in Superhot kannst du in Neos Fußstapfen treten :D

Und wie geht das? Anders als Neo haben wir schließlich keine Bullet Time-Kameras um uns herum. Aber Superhot VR ist auch kein normaler Shooter. Der Spieler steuert selbst die Geschwindigkeit der Zeit. Stehst du still, steht auch die Zeit still. Bewegst du deine Hände (also die Tracking-Controller), bewegt sich auch alles andere. Dann fliegen Kugeln aus verschiedenen Richtungen auf dich zu, neue Gegner nähern sich und oft kannst du gar nicht alles gleichzeitig im Blick haben.

Und so beißt du durchaus das eine oder andere mal heftig ins Gras. Immer wieder. Obwohl du der Meister der Zeit bist und dadurch eigentlich alle Vorteile in deiner Hand vereinst. Außer den der gegnerischen Überzahl. Aber spulen wir doch erstmal zurück zum Anfang.

Superhot VR
Superhot VR – Ein außergewöhnlicher Shooter

Das Gameplay von Superhot VR

Nach dem Start des Spiels findest du dich direkt im Geschehen wieder und darfst dich durch die Level schnetzeln. Warum? Man weiß es nicht. Nach dem ersten Level landest du in einer Art Computeradministrator-Kabuff der 90er Jahre. Vor dir flimmern Röhrenmonitore und über dir baumelt ein VR-Headset .. wie passend! Schiebst du eine der herumliegenden Disketten in den Diskettenschlitz, startest du das nächste Level der Zerstörung.

Die Level sind als kleine Spots aufgebaut: Du landest an einem solchen Spot, stehst dort wie festgewachsen und musst alle Gegner um dich herum töten. Dabei kannst du dich maximal im Radius deiner Sensorerfassung bewegen. Das kann zwei Sekunden lang dauern, wenn es nur ein Nahkampfgegner ist, oder durchaus auch viel länger, wenn ganze Gegnerwellen auf dich zustürmen. Sind alle Gegner besiegt, wirst du zum nächsten Spot teleportiert. Manchmal nur in paar Meter weiter, z.B. aus einer Aufzugkabine in den Vorraum. Dort warten dann neue Gegner auf dich. Fortbewegen kannst du dich nicht selbst. Aber dafür nutzt du nahe Fässer, Wände oder Möbel als Deckung. Und schaust dann vorsichtig hinter einer Ecke hervor, um zu sehen, ob schon der nächste Gegner auf dich zustürmt.

Als Waffen dient dir alles, was du greifen kannst – dazu gehören neben den erwähnten Wurfgeschossen und Pistolen auch lange Messer, Maschinenpistolen, abgesägte Schrotflinten – aber auch typische Mordwaffen wie Locher, Tacker und Pfannen.

Superhot VR
Pfannen und Flaschen – immer druff!

Einfach alles töten – das klingt sehr … schlicht und dumm? Ist es auch, macht aber einen Riesenspaß. Und es steckt durchaus Taktik dahinter. Das lernst du spätestens dann, wenn du vor lauter Wut über dein bedauerliches Ableben bei der immer gleichen Gegnergruppe ein Level von vorne machen musst. Man beginnt dann zornig draufloszuhacken, nur um zu merken, dass man sich vor lauter wütendem Rumgestampfe schon wieder eine Kugel angefangen hat. Splitter, knall, Teleport zum Anfang, gnadenlos nochmal machen. In meinem Gameplay-Video siehst du das :D

So beim 10. Mal lernst du dann, dass du Gegner priorisieren solltest – die größte Bedrohung zuerst, und das muss nicht immer der sein, der dir am nächsten steht! Glücklicherweise gibt es immer wieder Speicherpunkte, so dass du in der Regel nicht viel Zeit verlierst, wenn du stirbst.

Keine Story – braucht aber auch keiner!

Die Story von Superhot VR ist schnell erklärt: Es gibt nämlich keine. Wer sich tiefer einliest, erfährt, dass das Spiel schon mal für normale Monitore released wurde, und in dieser Version wird wohl auch besser erklärt, um was es geht. In der VR-Version allerdings nicht. Ist auch egal, wir brauchen schließlich nicht immer interessante Hintergrundgeschichten, Charakterentwicklungen und überraschende Twists.

Alles, was wir wissen, ist: Wir schlüpfen in die Rolle einer Art Cyborg, also halb Mensch, halb Maschine. Maschine ist einfach, das sehen wir an unseren Roboterhänden. Den restlichen Körper des Charakters können wir nicht sehn. Und halb Mensch – das erfahren wir ganz am Schluss. Nein, es gibt keine Erklärung für das ganze, wie schließen es aus dem Kontext.

Wenn du alle VR-Level erfolgreich bewältigt hast und wieder in deinem Computer-Kabuff landest, klingelt es an der Tür und du bekommst ein Päckchen. Im Päckchen befindet sich eine Pistole. Du kannst mit ihr nichts anderes machen, als dich selbst zu erschießen. Alles wird schwarz und das Spiel ist zu Ende. Makaber, aber wirkungsvoll. Offenbar ist unser Charakter ein Gefangener, dessen Belohnung die …. ewige Freiheit… ist.
Superhot VR
Incoming!

Superhot VR – Hier ist nichts normal!

Virtual Reality muss ohne bombastische Grafik auskommen, weil das zu viele Ressourcen frisst. Daher ist Superhot VR wie geschaffen für Virtual Reality! Die Spiellevel, die unser Charakter selbst in einer virtuellen Umgebung absolviert, sind in nur drei Farben gehalten.

  • Die Umgebung ist weiß/grau
  • Alles, was dich töten will, ist rot
  • Alles, was du als Waffe einsetzen kannst, ist schwarzblau

Nur die Zwischensequenzen im Computerkabuff sind realistisch gerendert.

Superhot VR
Röhrenmonitore! :D

Die Farbegebung ist aber auch nicht das einzige besondere an Superhot VR und seiner Optik. Während die Umgebung größtenteils (bis auf die Farbe) realistisch wirkt, scheinen die Gegner aus Kristall zu bestehen. Daran wirkt nichts echt und wir können nun wirklich keine Details erkennen. Entsprechend „sterben“ die Gegner auch nicht, sondern sie zersplittern. Das nimmt dem Spiel ein wenig die pure Gewalt. Außerdem – ich geb es zu! – macht es unheimlich viel Spaß, wie ein Elefant im Porzellanladen herumzuwüten und alles in Reichweite zu zerdeppern :D

Superhot VR
Der Ärmste ist tödlich getroffen…

Und das geht wirklich einfach. Dafür brauchen wir nicht mal eine traditionelle Mordwaffe. Das Werfen eines Lochers, eines Pump-Heels oder einer Kaffeetasse reicht schon aus, um einen Gegner in tausend Einzelteile zerspringen zu lassen.

Beim Spielen verlierst du auch das Gefühl für die Zeit. Kein Wunder, schließlich kontrollierst du sie selbst und kannst sie, wenn du das willst, auch einfach stehen lassen. Wie schnell die Zeit aber tatsächlich vergehen _sollte_, siehst du daran, wenn du von Spot zu Spot teleportiert wirst. Wie du im Video siehst, schau ich mich dann erstmal panisch um, um die Umgebung zu scannen – und öfter sieht man noch die Splitter vom vorigen Spot herumfliegen :D Tatsächlich darf man sich das Ganze also wohl doch als Neo in Matrix vorstellen. Du bist einfach verdammt schnell :D

Zusammenfassung
Review-Datum
Beschriebenes Produkt
[Taktik-Shooter für Virtual Reality] Superhot VR
Bewertung
41star1star1star1stargray
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