Auf in die Arktis mit Anno 1800 – Die Passage

Vor einigen Wochen erschien eine neue große Erweiterung für Anno 1800: Die Passage. Nachdem die DLCs davor eher mau ankamen und mich auch nicht besonders ansprachen, hat mich dieser hier sofort interessiert, denn: Er spielt in der Arktis :D

Ich habe ein Faible für Polarexpeditionen (siehe Amundsens letzte Reise) und finde Schnee-Settings allgemein toll. Und außerdem wollte ich nach Frostpunk mal schauen, wie andere Spiele Kälte und Schnee umsetzen.

Also begab ich mich nach einem halben Jahr Abstinenz wieder in die Welt von Anno 1800 und besorgte mir den DLC. In diesem Review zu „Die Passage“ erfährst du, was du davon zu erwarten hast, und es gibt natürlich gleich noch ein paar Tipps, die dir das Leben in der Arktis leichter machen :D

Anno 1800 - Die Passage

Darum geht es in „Die Passage“

Sobald wir im Hauptspiel die ersten Ingenieure angesiedelt haben, kommt eine ältere Dame auf uns zu. Lady Jane Faithful klagt, dass ihr Mann, ein Polarforscher, vor zwei Jahren zu einer Expedition in die Arktis aufgebrochen sei. Mit den beiden Schiffen Hades und Styx habe er nach einer Passage, einer Abkürzung, durch das arktische Meer nach Nordamerika gesucht.

Übrigens brauchst du kein neues Spiel für „Die Passage“ anfangen. Du kannst auch einen älteren Speicherstand nutzen und ihn dann per „Spiel laden“-Dialog für den DLC freischalten.

Leider sei er dann verschollen. Sie habe seither kein Lebenszeichen mehr von ihm bekommen, und die Suchexpeditionen seien zu halbherzig gewesen. Lady Faithful hofft, dass wir ihr helfen und uns auf die Suche nach ihrem Mann (und dessen Männern ^^) begeben.

Klar, wir helfen doch stets gern! Auch, wenn ich der Dame erstmal sagen würde, dass nach zwei Jahren wohl nicht mehr viel von ihrem Mann übrig ist, aber gut.

Ein Expeditionsschiff ist ja schnell ausgerüstet und losgeschickt. Ein bisschen Sekt an Bord als zusätzliche Ration hob die Moral schließlich auf 100% :D

Wie in den Hauptspiel-Missionen gibt es auf unserer Expedition ein paar Schwierigkeiten, die zu bewältigen sind, am Ende aber bekommst du eine weitere „Weltkarte“ mit weiteren Inseln: Die Arktis.

Hier finden wir schnell Spuren von Sir Faithful und seiner Crew. Inuit zeigen uns, wohin die Forscher zuletzt gefahren waren. Schnell steht fest: So einfach kommen wir nicht weiter. Es ist erforderlich, eine kleine Kolonie aufzubauen, um ein Luftschiff zu konstruieren, mit dem wir die Suche im Eis-zerklüfteten Meer fortsetzen können.

Zwei meiner Segelschiffe zwischen Eisbergen
Zwei meiner Segelschiffe zwischen Eisbergen

Historischer Bezug: Die Franklin-Expedition

Die ganze Story basiert auf der realen Franklin-Expedition der Jahre 1845-1884, während der die beiden Schiffe Terror und Erebus auf der Suche nach einer Nord-West-Passage verschwinden. Die Reise geht nicht gut aus. AMC verarbeitete die Expedition zusammen mit fiktiven Elementen zu einer Serie, The Terror, die du z.B. auf Amazon Prime kostenlos anschauen kannst.

Anno nimmt sehr deutlich auf diese Vorlage Bezug: Statt Franklin eben Faithful, und Gattin Lady Jane beteiligte sich auch in der Realität mit ihrem Vermögen an Suchexpeditionen.

Gefunden wurden in der Realität auch drei Gräber mit Namen von Franklins Seemännern. Auf unserer eigenen Expedition in Anno stieß ich ebenfalls auf diese Gräber.

Das Masterindiz aber ist der Name der Insel, King William Island. Hier findet sich ein letzter schriftlicher Hinweis von Sir Franklin/Faithful, genau wie in Anno, und hier gründen wir auch unsere kleine Kolonie.

Gut gespielt, Ubisoft!

So spielt sich „Die Passage“

In Anno nichts Neues! Das muss man schon so sagen. Ja, wir bekommen eine neue spielbare Map, neue Bevölkerungsstufen, neue Gebäude, neue Ressourcen und dadurch neue Produktionsbäume. Doch am Prinzip hat sich selbstredend nichts geändert. Wir bauen Wohnhäuser und befriedigen mittels mehr oder weniger komplizierter Produktionsketten die Bedürfnisse der Bewohner, um voranzukommen.

Am Ende winkt aber nicht nur ein Luftschiff, das wir auf unseren Transportrouten einsetzen können, sondern auch die Ressource „Gas“, mit der wir zu Hause Kraftwerke ohne die ganze Öl-Infrastruktur mitsamt Schienen betreiben können. Das macht es definitiv einfacher mit der Elektrizität.

Eine Sache ist aber doch anders.

Ohne Heizung geht gar nichts in der Arktis

In der Arktis ist es eiskalt, und die meisten Gebäude müssen beheizt werden, damit sie funktionieren. Das gilt für Unterkünfte genauso wie für Produktionsgebäude, mit nur wenigen Ausnahmen. Dafür gibt es das Heizgebäude, das unter den dahingewürfelten Gebäuden einfach an seinen glühenden großen Kesseln erkannt wird. Ähnlich wie Elektrizität (aber mit bedeutend weniger Reichweite) verteilt es über Rohre auf den Straßen die Wärme hin zu den einzelnen Gebäuden.

Die Wärmeverteilung über die Straße macht den Bau von Gebäuden sehr kniffelig, denn wir wollen möglichst viele Häuser in die Wärmezone quetschen. Der Betrieb der Heizung kostet Kohle – und Kohle muss mühsam über platzintensive Köhlereien gewonnen werden.

Die Heizung glüht!
Die Heizung glüht!

Die Versorgung der Heizungen ist möglich, keine Frage – schließlich können wir Kohle auch importieren. Dennoch ist es ratsam, sich ein paar Gedanken über den Verlauf von Straßen zu machen, um den geringen Platz auf der Insel mit möglichst wenigen Heizungen optimal zu nutzen.

Ich gebe es zu, ich habe noch nie so oft Gebäude nachträglich umgebaut und Straßen neu gelegt, um auch den letzten Zentimeter Rohrleitung noch auszunutzen :D

Tipp: Du wirst viel Walöl benötigen, um deine Einwohner mit Essen und Lampenöl zu versorgen. Walfänger sind Strandgebäude und benötigen Wärme sowie entsprechende Fruchtbarkeit auf der Insel. Dein Kontor dagegen benötigt keine Wärme – ggf. kannst du Platz für noch einen Walfänger schaffen, indem du dein Kontor zur Seite schiebst und dadurch freien Platz in der beheizten Zone bekommst.

Unbesiedelte Insel in unberührter Natur
Unbesiedelte Insel in unberührter Natur

Hüpferei zwischen verschiedenen Baustellen

Obwohl unsere kühle Kolonie viele nötige Ressourcen und Utensilien auch selbst abbaut und herstellt, ist es doch auch nötig, einige Waren aus der Alten Welt zu importieren. Andernfalls können wir die Entdecker und Techniker, so heißen unsere Kolonisten in der Arktis, nicht dazu überreden, das schöne Luftschiff zu bauen.

Tipp: Holzfäller benötigen ebenfalls Heizung. Sie zu beheizen und trotzdem genügend Abstand zu anderen Gebäuden zu haben, damit sie dort in Ruhe ihre Bäume fällen können, ist schon herausfordernd. Deswegen würde ich dir raten, Holzfäller von deiner Arktis-Hauptinsel zu verbannen und sie auf einer anderen Arktis-Insel zu errichten. Du benötigst früh eine weitere Insel für die Robbenfängerei. Hier kannst du auch Holzfäller bauen und mit Robbenfell auch Bretter rübertransportieren.

Und natürlich läuft während unseres Arktisabenteuers auch die Zeit in der Alten und Neuen Welt weiter! Tendenziell bedeutet „Die Passage“ also, dass wir noch mehr zwischen verschiedenen Inseln und Welten herumspringen, um alles im Auge behalten. Das konnte zuvor schon fordernd sein, besonders, wenn du auch noch Krieg führst … und mit der Arktiskarte wird es eben noch fordernder.

Ich habe mich immer wieder ertappt, dass ich von der Hüpferei zwischen verschiedenen Baustellen genervt war. Anno ist leider kein Spiel, in dem man im Pausenmodus mal ein paar Dinge einfach regeln kann … es gibt ja keinen Pausenmodus.

Tipp: Wenn du auf einmal trotz vieler neuer Wohngebäude keine Entdecker mehr generieren kannst, schaue, ob sie auch alle von einer Kantine erreicht werden. Du bekommst aktuell (2.02.2020) keine Benachrichtigung, dass ein Problem vorliegt. Wenn deine Wohnhäuser nicht im Einzugsgebiet einer Kantine liegen, zieht dort niemand ein, und du weißt nicht, warum!

Je mehr weitere Inseln dazu kommen, desto gestresster fühle ich mich und würde mir wünschen, einfach in Ruhe mal was durchziehen zu können, ohne von Zeitung, Brand, Aufstand, Krankheit, angegriffenen Schiffen, Questansage oder Explosion unterbrochen zu werden und beim Nachgehen der Sache wieder irgendeinen wichtigen Mangel irgendwo festzustellen, der ebenfalls geregelt werden muss.

Kanal von Lucyda

Interessiert an einem Let’s Plays zu Anno 1800 – Die Passage? Dann schau doch mal auf meinem YouTube-Kanal vorbei, hier kannst du dir das Gameplay anschauen und mein eigenes Arktis-Abenteuer verfolgen :D

YouTube

Dieses Video ist aufgrund deiner Datenschutzeinstellungen gesperrt. Mit dem Laden des Videos akzeptierst du die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Ab der Mitte der zweiten Folge geht es richtig los mit der Arktis ^^

Die Arktis führt zu Tiefenentspannung

… Und trotz der weiteren Baustellen, die in der Arktis auf uns zukommen, schafft sie es, dass ich dort komplett zur Ruhe komme. Von der ersten Sekunde an fühlte ich mich dort wohl.

Uns umfängt langsame, ruhige Musik und eine wundervoll detaillierte und liebevolle Atmosphäre. In der aufgehenden Sonne schimmert Licht durch die mächtigen Eisberge und bringt sie von innen heraus zu einem blau-grünen Schein. Wunderschön. Auf den Eisbergen am Wasser räkeln sich Robben.

Wir nehmen eine kleine Insel in Besitz und bekommen mal wieder einen Eindruck davon, wie Schnee aussieht. Alles ist verschneit, Eisbären und Rentiere streifen durch den lichten Baumbestand (leider müssen wir diese Tiere natürlich für die Weiterverarbeitung erlegen). Kleine und große Eisschollen schaukeln gemütlich im türkisen Wasser auf und ab, an den Berghängen sieht man Spuren von abgerutschtem Schnee. Wir hören Eis knacken.

Anno 1800

In unseren Gänsefarmen schnattern Gänse, wir können beobachten, wie sie in ihren Tümpeln die großen Flügel ausschlagen. Pferde ziehen große Schlitten über die Straßen aus gestampftem Schnee. Überall brennen kleine Lagerfeuer und an den großen Heizungen sehen wir die Luft wabern und hören das prasselnde Feuer. Und ja – leise rieselt der Schnee :D

Pferdeschlitten im Vordergrund, im Hintergrund die Luftschiffbaustelle
Pferdeschlitten im Vordergrund, im Hintergrund die Luftschiffbaustelle

Auch der Nachtmodus, den du seit einiger Zeit optional einschalten kannst, passt sehr schön dazu. Die Geräuschkulisse ändert sich ein wenig (Uhu! In der Arktis?! ^^) und aus den Zelten und den großen Fenster der Lager dringt goldenes Licht.

Einen Eindruck von der Arktis bekommst du in meinen Let’s Plays, die ich oben verlinkt habe. In Minute 20. der zweiten Folge betrete ich erstmals arktisches Neuland :D

Die Arktis in Anno strahlt eine unglaubliche Heimeligkeit aus. Wechsle ich von der Alten Welt in die Arktis, habe ich das Gefühl, aus der Großstadt zu kommen und einen stillen Wald zu betreten <3 Manchmal wäre es mir sogar lieber, mich einfach komplett aus den beiden anderen Welten zurückzuziehen und nur noch an meiner arktischen Kolonie herumzubasteln :D

Mein Fazit zu Anno 1800 – Die Passage

Die Arktis ist meiner Meinung nach eine größere Bereicherung für Anno 1800 als die Neue Welt, die es schon mit dem Hauptspiel gibt. Während die Neue Welt nur weitere Ressourcen hinzufügt und im Großen und Ganzen nur als Rohstoff- und Produktlieferant für die Alte Welt dient, fügt „Die Passage“ nicht nur ein völlig anderes Setting hinzu, sondern bringt auch die Heizungsmechanik mit.

Am Ende bekommst du auch mehr als Rum oder Kaffee, sondern mit Luftschiff und Gas wirklich interessante Features, die du in der Alten Welt einsetzen kannst.

Meine kleine arktische Siedlung vor pittoreskem Wasserfall :D
Meine kleine arktische Siedlung vor pittoreskem Wasserfall :D

Meiner Ansicht nach ist es allerdings etwas weniger schön, dass wir unsere Aufmerksamkeit noch weiter auf verschiedene Inseln verteilen müssen, wodurch manche Inseln gezwungermaßen leider völlig verkümmern müssen. Ich verstehe nicht, warum Ubisoft den Spielern diese Dynamik aufzwingt, dass wir, während wir Aufgabe A bearbeiten, Nachricht über Problem B bekommen, nur kurz dahin springen und dabei sehen, dass dort Mangel an C herrscht … und am Ende hat man nichts davon fertig und manches auch vergessen.

Durch meine Let’s Plays erlebe ich alles „doppelt“ und sehe beim Schneiden einer Folge hinterher so vieles, was ich im Spiel selbst schnell wieder vergessen hatte, weil wieder 1000 Sachen dazwischen kamen.

Bevor das in Meckerei ausartet: Mit einem Pausenmodus würde Anno 1800 noch viel mehr Spaß machen. Gerade mit „Die Passage“ und der Arktis, die ebenfalls viel Aufmerksamkeit verlangt, wenn wir dort weiterkommen wollen.

Ansonsten ist „Die Passage“ aber wirklich ein absolut gelungener und empfehlenswerter DLC, der das Spiel sehr schön ergänzt. Während ich mit der Neuen Welt nie so richtig warm wurde, hat die Arktis voll und ganz meinen persönlichen Geschmack getroffen :D

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.