Spielevorstellung: This War of mine

„This War of mine“ ist ein ziemlich besonderes Antikriegsspiel. Während die halbe Menschheit so gern Ballerspiele spielt (ich zur Zeit wieder The Division <3), wo es darum geht, möglichst viele Gegner möglichst effektiv zu töten, und zwar ohne Skrupel und ohne vorher nachzufragen, lenkt „This war of mine“ den Blick auf die armen Unschuldigen (oder unschuldigen Armen?), die am meisten unter einem Krieg leiden: Die Zivilbevölkerung.

Ausnahmsweise darf ich nicht von Deckung zu Deckung hechten und wie in Division die vorbeihumpelnden Zivilisten mit dem Gewehrlauf verscheuchen, sondern hier spiele ich selbst Zivilist und versuche, einfach nur am Leben zu bleiben.

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Einführung

Folgendes Zitat erscheint beim Laden von „This War of mine“ am Anfang:

Im modernen Krieg … krepiert man wie ein Hund, und ohne guten Grund
Ernest Hemingway

Ich habe erst drei Spielstunden auf dem Spielerfahrungskonto, das entspricht aber schon etwa einem Viertel der Gesamtspielzeit, und ich denke, ich bin jetzt tief genug drin, um schon was über dieses beachtliche Survival-Spiel sagen zu können.

„This War of mine“ erinnert ein wenig an „Die Sims“, aber ohne bunte Grafik, schöne Möbel und feine Hobbys. Und auch nicht in 3D ^^

Hier betrachtet man die Geschehnisse in einer 2D-Seitenansicht, ähnlich wie die frühen Super-Mario-Titel (siehe unten).

Wir können im Sims-Prinzip drei unterschiedliche Charaktere steuern und ihnen Aufgaben übertragen. Es sind – in jedem Spieldurchgang zufällig zusammengewürfelte – Überlebende, die sich zuvor nicht kannten, und nun zusammen in einem halb zerstörten Haus ohne Möbel, Heizung und Herd hausen.

Sie können unterschiedliche Stimmungen und Zustände haben: Fast immer hungrig, müde und traurig, aber auch verletzt (körperlich, nicht seelisch). Mit verschiedenen Ressourcen, die man erhandeln oder plündern kann, verbessert man die Startbedingungen und baut beispielsweise einen Herd, einen Regenwassersammler, aber auch Betten.

This War of mine: Unsere Zuflucht
Unsere Zuflucht in „This War of mine“ – immerhin schon zwei Betten, ein Herd, zwei unterschiedliche Werkbänke und eine Destille (Schnaps ist gut zum Handeln!)

Meine drei Charaktere überleben nun schon seit 11 Tagen, und im Moment sieht es auch für die nahe Zukunft ganz gut aus (heißt: wir haben für den nächsten Tag genug Essen und zur Not kann man auch mal 1-2 Tage hungern, wir haben ein wenig Zeug zu handeln und wir haben ein Sturmgewehr).

Wenn man aber Pech hat, oder sich die Ressourcen nicht gut einteilt, dann können die Charaktere auch sterben. An Hunger, an ihren Verletzungen oder einer Krankheit, an Kälte oder durch Plünderer überrascht (oder beim Plündern überrascht..).

Tage und Nächte

Grundsätzlich spielt man das Spiel im täglichen Rhytmus: Den Tag über können die Charaktere Gegenstände herstellen, kochen, essen, und – wenn wir erstmal wenigstens ein Bett gezimmert haben – auch schlafen.

Nachts sieht es anders aus: Hier kann nur ein Charakter aktiv gesteuert werden. Bei Einbruch der Nacht wird für jeden Charakter festgelegt, was er in der Nacht tun soll: Schlafen (wenn Bett vorhanden im Bett, sonst auf dem Boden), Wache stehen oder plündern gehen.

Tag: Haushalt und Quests

Während man tagsüber die Gegenstände verarbeiten kann, die man nachts geplündert hat, gibt es dazu manchmal noch Quests. Dabei klopft dann jemand an der Tür – das können Händler sein, mit denen man Waren tauschen kann – die sehe ich am Liebsten! Oder aber auch Milizen, die einen Dieb suchen, hier hat man dann die wunderbare Möglichkeit, jemanden für drei Konservendosen zu denunzieren (ich hab es gemacht… Hatte seit Tagen kein Essen mehr gefunden!). Oder irgendein Nachbar, der Hilfe bei irgendwas braucht.

Diese Besuche werden zufällig generiert, laufen also nicht nach dem Schema „An Tag X kommt Quest Y“.

This War of mine: All unsere Besitztümer
All unsere Besitztümer

Nacht: Schlafen – Wache schieben – plündern

Spannender ist eigentlich die Nacht.

Schlafen wäre die bequemste Möglichkeit, die Nachtstunden zu verbringen, aber das sollte maximal nur einer nachts tun – denn wenn niemand Wache schiebt, wird man ziemlich sicher schnell ausgeraubt und dabei vielleicht auch verletzt. Ich wurde auch schon trotz Wache ausgeraubt – aber seit ich das Sturmgewehr habe, hält sich das in Grenzen. Dennoch machen sich meine drei Leute ständig Sorgen darüber, ob vielleicht irgendwann ein größerer Angriff kommt.

Also: Einer kann schlafen, einer steht Wache und einer geht plündern. Beim Plündern wählt man aus, wo man den Einbruch versucht. Zur Auswahl stehen mit zunehmender Zeit immer mehr Gebäude im Stadtviertel. Bevor man das nächtliche Ziel auswählt, kann man in einer kurzen Info sehen, was für Beute dort zu erwarten ist, ob das Zielgebäude bewohnt oder besetzt ist und ob vielleicht sogar Gefahren drohen.

Allerdings geht es nicht ohne Plündern. Die Zeit läuft auf jeden Fall weiter, und wenn nichts zu Essen da ist, dann verhungern meine Leute. Zwar tauchen von Zeit zu Zeit auch Händler an der Haustür auf, bei denen man dringend notwendige Waren eintauschen kann, aber – dazu braucht man eben was zum Tauschen. Geeignete Tauschware kann alles sein, besonders wertvoll sind aber – wie könnte es anders sein – Alkohol, Zigaretten, Medikamente und trotz allem auch Schmuck (Menschen sind halt gierig..). Also muss man nachts losziehen und alles zusammensuchen, was man irgendwie brauchen könnte. Also alles..

Am Besten nimmt man eine Waffe zum Plündern mit, ein Brecheisen (das man zuerst herstellen muss) ist hier sehr empfehlenswert, weil man damit zur Not nicht nur zuschlagen kann, sondern eben auch Türen und Schränke aufbricht, um an Plünderware zu kommen.

This War of mine: Unterwegs in einer Autowerkstatt
Unterwegs in einer Autowerkstatt

Ein paar meiner Plündererfahrungen bisher:

  • Meine erste Tour führte mich in ein leeres Haus. Da ist es einfach, man durchsucht einfach alles und packt alles ein, bis der Rucksack voll ist. Erfahrungswert: Brecheisen wäre von Vorteil.
  • In einem von zwei älteren Herrschaften bewohnten Haus wurde ich gleich vom Opa entdeckt. Er konnte mich nicht daran hindern, sein Haus zu durchsuchen und flehte immer wieder darum, doch ein wenig Nahrung übrig zu lassen und die Medizin seiner Frau nicht mitzunehmen. Habe ihnen was übrig gelassen, auch wenn ich nicht glaube, dass andere Leute so nett wären, und vermutlich sind sie eh bald tot. Den ganzen Tag über hatte mein Charakter dann Gewissensbisse wegen des Einbruchs.
  • Ein Supermarkt wurde von einem Soldaten besetzt. Während ich versteckt die Räume durchsuchte, hörte ich, wie er eine Frau bedrohte, die ebenfalls nach Nahrung suchte. Eine Weile war mir das egal, aber irgendwann schnappte ich meine Schaufel, stürmte den Raum und zog sie ihm über die Rübe. Durch den Überraschungsangriff war der Soldat schon recht schwer verletzt, die Frau konnte fliehen, aber der Soldat schoss mich dann an. Ich floh zunächst, schwer verletzt, wollte aber schauen, ob ich den Soldaten nicht ganz umhauen kann, um die restlichen Räume des Supermarkts zu plündern. Dann entdeckte ich, dass ich mein Brecheisen als Waffe nutzen konnte und brachte damit den Soldaten um. Danach schnappte mir sein Sturmgewehr (ja, daher habe ich das Sturmgewehr, durch diesen unüberlegten Überfall, bei dem ich leicht hätte getötet werden können – nur um jemand anderem zu helfen!), durchsuchte humpelnd die Räume und kehrte nach Hause zurück. Dort war nachts eingebrochen worden, einer meiner beiden anderen Charaktere wurde dabei ebenfalls verletzt, und einige Sachen waren gestohlen worden. Glücklicherweise hatte ich Bandagen geplündert und auch zwei Betten gebaut, so dass die beiden sich nun ausruhen können. Die Eskapade mit dem Soldaten lässt meinen Charakter nun seit 5 Tagen im Bett liegen, weil er sich erholen muss, so dass die beiden anderen nun die Arbeit allein machen müssen.
  • In einem von aggressiven Leuten besetzten Haus bin ich kein so großes Risiko mehr eingegangen und habe versucht, mich nicht erwischen zu lassen. Sie haben mich aber gehört und gerufen, dass sie mich erschießen, wenn sie mich finden. Bin also nur ganz vorsichtig durch die Räume gelaufen, konnte mich einmal hinter einem Schrank verstecken, während ein Irrer mit Gewehr direkt vor meiner Nase nach mir gesucht hat. Das hat mir gereicht und ich bin lieber schnell wieder nach Hause gegangen. Ach ja, ich könnte auch mit meinem tollen Sturmgewehr bewaffnet plündern gehen, aber ich denke, dass es mir bei der Bewachung meines eigenen Hauses besser dient, zumal das Gewehr + Munition gleich zwei Plätze im Rucksack einnehmen, und der Platz ist sehr begrenzt.

Fazit nach 11 Ingame-Spieltagen

= drei Echtzeit-Spielstunden

Der Einstieg ins Spiel ist recht selbsterklärend, man braucht nur auf klickbare Icons klicken, dann stehen Informationen zur Nutzung dabei, aber die Regeln selbst muss man selbst rausfinden: zB.

  • wie schlimm sind Verletzungen und wie heilen sie?
  • Wie kann man die Traurigkeit der Charaktere lindern?
  • Wie funktionieren Angriffe während der Plünderzüge?

Kurz habe ich mich darüber geärgert, aber – das ist eben realistischer. Im echten Leben steht eben auch nicht fest, wie alles funktioniert, wenn man sich in einer neuen Situation befindet.

„This War of mine“ ist ziemlich bedrückend. Ja, man kann die Situation verbessern, so dass die Charaktere nicht mehr auf dem Boden schlafen müssen. Dennoch: Ständig fehlt Essen, ständig sind sie übermüdet oder verletzt, und ich weiss grad auch nicht mehr so genau, woher ich noch Lebensmittel bekommen kann – es bleiben fast nur noch gefährliche Standorte zum Plündern, und ich will nicht, dass einer meiner Charaktere beim Plündern getötet wird.

Man kann auch nicht manuell speichern, zB. vor gefährlichen Situationen. Gespeichert wird automatisch immer nur der aktuelle Tagesanbruch. Wenn man also mitten in der Nacht beim Plündern das Spiel beendet, startet man wieder am Morgen des zurückliegenden Tages. Ein früherer Reload ist nicht möglich.

Dazu kommen dann moralische Situationen wie die mit den alten Leuten: Raube ich die aus? Oder töte ich Fremde lieber gleich, damit ich nicht teuer handeln muss, sondern alles so mitnehmen kann? Oder mit dem Soldaten: Mische ich mich ein und riskiere, selbst getötet zu werden?

Ich glaube, das ist es auch, was das Spiel bezweckt: Dem Spieler ein wenig die schlimme Lage von Zivilisten in umkämpften Gebieten vor Augen führen. Dass Moral und Anstand zwar gute Werte sind, aber sie manchmal – weniger aus Gier, sondern aus Überlebenswillen – abgelegt werden müssen.

Fazit nach 17 Ingame-Spieltagen

= 4 Echtzeit-Spielstunden

So, ich hab jetzt noch ein bisschen weitergespielt, um Screenshots zu machen. Die Lage im Haus wird immer hoffnungsloser. Ich wusste nicht, dass man Verletzungen nur mit Bandagen heilen kann, sonst verschlimmern sie sich.

This War of mine: Tagebucheintrag unserer Quotenfrau
Tagebucheintrag unserer Quotenfrau (RIP..)

Inzwischen ist mein heldenhafter Jungfrauenretter wegen seiner Wunde quasi tödlich verletzt und wird sehr bald sterben. Ich finde für ihn auch keine Bandagen mehr, nirgends. Die eine, die ich nachts ins Krankenhaus geschickt habe, um dort nach Bandagen zu suchen, wurde erschossen. Okay, ich bin auch selbst Schuld daran, ich habe dort in Kisten gewühlt, obwohl das Krankenhaus noch in Betrieb war. Dabei wurde sie dann getötet. Die Nacht ist dann sofort vorbei und das Spiel wird gespeichert – tot ist also tot.

Zwar erschien am Tag danach ein Zufluchtsuchender an der Tür, so dass wir jetzt wieder zu dritt sind – aber auch er ist bereits verletzt. Und der Dritte im Bunde, der sowieso die ganze Zeit schon sehr depressiv war, steht kurz vor dem Suizid.

Insgesamt ist das Spiel wirklich ziemlich bedrückend. Man sieht, wie sich die Gedanken nur noch auf das Wesentlichste konzentrieren: Nahrung und medizinische Versorgung, während alles andere, wie Müdigkeit und Traurigkeit, irgendwie erstmal in den Hintergrund rücken.

„Spaß“ macht das Spiel daher nicht wirklich, es fühlt sich insgesamt sehr hoffnungslos an – aber dadurch ist es wieder so gut getroffen. Als ich eben ausgemacht habe, hatte ich gar keine rechte Lust, gleich Division anzumachen..

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