Euphorie über Falcon Heavy, einen Sportwagen und Visionen

Gestern am späten Abend (deutscher Zeit) haben sich Millionen Menschen den Start einer Rakete von Cape Canaveral live angeschaut. Man hatte dabei das Gefühl, dass dabei Geschichte geschrieben wird. Diese ganze Aktion und natürlich die Live-Bilder haben mich schwer beeindruckt. Was ist am Jungfernflug der „Falcon Heavy“ so besonders?

Die „Falcon Heavy“

SpaceX ist ein privates Raumfahrtunternehmen, das 2001 von Elon Musk gegründet wurde. Elon Musk ist ein Selfmade-Milliardär, der mit 12 Jahren sein erstes selbst geschriebenes Computerspiel verkauft hat, später Paypal groß machte und am Ende in die junge Elektrowagenfirma Tesla einstieg, deren Chef er seit 2008 ist. Jedenfalls, SpaceX hat sich als Privatunternehmen in der Raumfahrt etablieren können, auch, weil die NASA selbst ihr SpaceShuttle-Programm eingestellt hat und die ISS trotzdem versorgt werden wollte.

Um die Flüge wirtschaftlicher zu gestalten, entwickelte SpaceX die Falcon, eine Rakete, die sich nach dem Start wiederverwenden lässt. Die Booster landen wieder, nachdem sie ihre Last in den Orbit geschossen haben. Und zwar aufrecht stehend auf einer Landeplattform.

Die Falcon Heavy ist nun die zweitstärkste Rakete überhaupt, sie kann wesentlich mehr Nutzlast tragen als alle anderen derzeit aktiven Raketen. Und gestern war ihr Jungfernflug, ihr erster Test. Es handelt sich um drei gekoppelte Falcons, und das ist neu, denn niemand hat erproben können, wie sich drei zusammengebundene Raketen verhalten, wie gut sie sich steuern lassen und ob die Separierung auch sauber wieder klappt. Deswegen gab Musk selbst an, dass die Rakete mit einer 50:50-Chance beim Start explodieren wird.

Musks großes Ziel ist, dass diese Rakete, oder ihr Nachfolger, in nicht allzu langer Zeit Menschen zum Mond oder Mars bringt. Dadurch, dass die Booster wiederverwertbar sind, kostet ein Start mit der Falcon Heavy nur ein Zehntel von dem, was andere Starts bei vergleichbar hoher Nutzlast kosten.

Elon Musk über die Chancen der Falcon Heavy
„Die Falcon Heavy wird nächsten Monat vom Startplatz der Apollo-11-Mission in Cape Canaveral starten. Sie hat den doppelten Schub der nächstkleineren Rakete. Es wird garantiert aufregend, auf die eine oder andere Art. Als Nutzlast dient mein kirschfarbener Tesla Roadster, in dem Space Oddity [von David Bowie] läuft. Kurs ist der Mars-Orbit. Wird für eine Millionen Jahre oder so im tiefen All unterwegs sein, wenn er nicht beim Start explodiert.“

Der Testflug und seine Besonderheiten

Auf die Explosion mussten wir dann gestern verzichten, aber Feuer gab es allemal beim Start. Nach 1,5 Minuten Flug koppelten sich die beiden äußeren Booster, die beide schon Weltraumveteranen sind, ab und landeten wenige Minuten später sicher und komplett synchron nebeneinander. Es war ein gänsehautförderndes Bild für die Götter, eine futuristische Vision! Weitere Infos zum Start der Falcon Heavy gibt es hier, ein Video kommt weiter unten.

Falcon Boosters landen synchron
Synchronlandung – Ist auch im Video weiter unten zu sehen

Leider ist der später abgekoppelte zentrale Booster offenbar ins Meer gestürzt, anstatt wie vorgesehen zu landen. Aber dieser kleine Fehlschlag ist in Anbetracht des gelungenen Starts und dieser wunderschönen Landung der beiden Seitenbooster nur ein Problem, das man in den Griff bekommen wird.

Die Falcon Heavy hatte einen Sportwagen an Bord. Als ich davon gelesen habe, dachte ich, ok, das Ding ist wohl dann in der Rakete festgezurrt und gut verpackt. Kann man machen. Niemand war überraschter als ich, als gestern dann live Bilder vom frei durch den Weltraum fliegenden Tesla gesendet wurden :D (Erinnert sich übrigens noch jemand an die Bierflasche im All?)

Und noch besser: Der Tesla hat auch einen Fahrer. Einen Dummy im Astronautenanzug namens Starman, mit einer Hand am Steuer. Auf dem Armaturenbrett klebt dick ein Aufkleber „Don’t panic“ – eine Anspielung auf den berühmten Spruch aus Douglas Adams‘ berühmter Weltall-Odyssee „Per Anhalter durch die Galaxis„. Was könnte passender sein? Und so fliegt Starman nun für alle Ewigkeit durch das All. Was würden wohl Außerirdische denken, wenn sie ihn finden? Für den Fall, dass sie englisch können, hat Musk auf eine Platine des Autos den Satz prägen lassen: „Made on earth by humans“ (siehe Bild ganz unten).

Starman im Weltall
Astronaut Starman in seinem Space-Roadster, gute vier Minuten nach dem Start der Falcon Heavy

Die Rakete hatte auch einen Datenträger mit Isaac Asimovs Foundation-Trilogie. In der Buchreihe geht es darum, dass ein Mensch die auf sich selbst fokussierte Menschheit dazu bringt, die Erde zu verlassen und ein riesiges galaktisches Imperium zu gründen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.. :D

Hier gibt es ein Video mit dem Start, der Landung der beiden Falcon-Booster und natürlich vom Tesla im All:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=pCWH5OW9lDo

Der Kopf hinter allem: Elon Musk

Elon Musk, der 46jährige südafrikanisch-kanadisch-amerikanische Typ, der aus einfachen Verhältnissen kam und es zu einem Riesenhaufen Geld geschafft hat, scheint ein witziger Kerl zu sein. Seiner Wikipedia-Seite entnehmen wir, dass er als Junge gemobbt wurde und lieber mit visionären Gedanken zu Hause gesessen ist – mit beträchtlichem Erfolg, wie nun alle Welt weiß.

Er scheint eine Art Tony Stark / Iron Man zu sein: Extrem einflussreich, Kapitalist durch und durch, aber mit dem Herz am richtigen Fleck. So ist er letztes Jahr als Berater von Trump zurückgetreten, als der ankündigte, aus dem Pariser Abkommen zum Klimaschutz auszutreten.

Um die Aktion mit dem Tesla in der Rakete richtig einordnen zu können, sollten wir mal einen Blick auf Elon Musk werfen. Was ist das für ein Typ, und wieso macht er sowas?

Elon Musk als Baby Groot
Gestern vor dem Raketen-Launch auf Twitter: Baby Groot aus Guardians of the Galaxy 2 – von Elon Musk kommentiert

Elon Musk hat sich wohl eine Menge Nerd-Träumereien und seinen Humor bewahrt, wie auch die Spielerei mit dem „Don’t panic“-Spruch zeigt. Die beiden autonomen schwimmenden Landeplattformen im Meer, auf denen die Falcon-Raketen nach ihrem Flug wieder landen (sollen), benannte Musk nach einer Science-Fiction-Story von Iain Banks folgendermaßen:

  • Just read the Instructions
  • Of course I still love you

SpaceX ASDS in position prior to Falcon 9 Flight 17 carrying CRS-6 (17127808431)
Landing Droneship „Just read the Instructions“
Und er schert sich nicht um political Correctness in Sachen „Waffenhandel“: Ganz aktuell hat Elon Musk wegen einer Twitterwette eine Marketingaktion laufen und verkauft dabei … Spielzeugflammenwerfer.

Elon Musks Flammenwerfer
Die Flammenwerfer-Affäre: Von unten nach oben lesen ^^

Auf deutsch:

„Wenn die Zombie-Apokalypse kommt, werdet ihr froh sein, einen Flammenwerfer gekauft zu haben. Eignet sich gegen Horden von Untoten – wenn nicht, Geld zurück!

Tatsächlich ist ein Flammenwerfer eine richtig schlechte Idee. Kauft euch lieber keinen.

Außer ihr mögt Spaß

Das Gerücht, dass ich im Geheimen eine Zombie-Apokalypse vorbereite, um die Nachfrage nach Flammenwerfern zu erhöhen, ist komplett falsch

Man würde Millionen von Zombies für eine sogenannte „Apokalypse“ brauchen. Wo würde ich denn eine Fabrik herbekommen, groß genug, um so viele zu machen!?“

Als dann der Zoll ankündigt, dass er nichts ausliefern werde, was „Flammenwerfer“ heißt, antwortet Musk so: Dann nennen wir das Ding eben um in „Kein Flammenwerfer“. Oder „Temperatur-Erhöhungsgerät“.

Und zum Abschluss dieser kurzen Vorstellung: Letzten Oktober postete Elon Musk auf Instagram ein Video von sich, wie er am Lagerfeuer mit Whiskey in der Hand zu Johnny Cash’s Ring of Fire singt. Auf Twitter schrieb er dazu, dass er auf dem Dach des Tesla-Gebäudes gecampt hat, weil die Fahrt ins Hotel nach Reno zu lange gedauert hätte.

Ja, ich bin Fan von Elon Musk – wobei mir klar ist, dass auch er, wie alle anderen in seiner Position, umstrittene Seiten hat.

Triumph der Träume

Diese Welt ist so voll von Macht, Gier, Machtgier, voller politischer Winkelzüge und faulen Kompromissen, voll von Gremien mit alten, weißen Männern, so fern von Visionen, die noch mehr Macht oder mehr Geld im Blick haben .. oder mit einem Wort: so unfassbar ernst.

Den Sportwagen ins All zu schießen, eine Astronautenpuppe ans Steuer zu setzen und ihr lauter klassische Nerdanspielungen mitzugeben ist meiner Meinung nach eine Art Befreiung von all dem. Ein Roadster fliegt durchs All? Sowas kann es doch nur in Filmen geben, nicht in der gerade beschriebenen Welt! Dieses nachstehende unwirkliche Bild ist aber Tatsache – jeder konnte den Start verfolgen.

Starman Tesla vor der Erde
Starman und sein Tesla – aus einem Live-Video! Kein Photoshop

Natürlich ist die ganze Aktion auch eine super Marketingstrategie, sowohl für Tesla, als auch für SpaceX, und ganz besonders für Elon Musk. Ich möchte niemals abstreiten, dass er da nicht auch gewisse finanzielle Anreize gesehen hat. Vielleicht hat sogar ein Gremium (-.-) analysiert und entschieden, was in der öffentlichen Meinung am besten ankäme und es wäre demnach eine bewusste Manipulation, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Aber das ist völlig egal, denn ich sehe auch eine völlig irrsinnige und für jeden anderen Konzern vermutlich nicht realisierbare, unnütze Aktion: Ein Sportwagen im All, mit einem Dummy-Astronauten vor dem Lenkrad und der Aufschrift „Don’t panic“ auf dem Armaturenbrett (und David Bowie aus dem Radio nicht zu vergessen). Eine Aktion, die zeigt: Ich kann es, und darum tu ich es.

Visionen statt Gewinnmaximierung

Ja, man könnte auch sagen, da hat irgendein exzentrischer Milliardär eben ein paar Dollar mehr auf den Tisch gelegt, um statt einen Betonklotz als Test-Nutzlast seinen eigenen Sportwagen auf die Falcon Heavy zu montieren. Das Geld hätte man auch super anders investieren können. Zum Beispiel in dubiose Bankgeschäfte, in irgendwelche Finanzblasen oder Panama-Konten, oder aber in nützliche Messgeräte, die auf ihrem langen Flug durch das All Daten zurücksenden.

Aber wo gibt es schon einen Unternehmer, der sagt: Ich investiere hunderte Millionen Dollar in die Entwicklung und den Bau einer neuartigen Rakete, deren Start 90 Millionen Dollar kostet – und es kann auch schiefgehen. In diesem Video, das Elon Musks Reaktionen während des Raketenstarts zeigt, sieht man, wie er selbst davon überrascht ist, dass die Falcon Heavy abhebt: „Holy flying fuck, that thing took off!“.

Normalerweise steht, außer bei staatlichen Organisationen, immer der Gewinn im Vordergrund. Ist die Chance auf einen Fehlschlag zu groß, dann sagt der Risikoberater „lass es“ – und es bleibt bei alten, aber bewährten Mustern. Damit kommt man aber nicht weiter, und Gewinnmaximierung ist auch nicht das, wofür SpaceX steht:

SpaceX was founded under the belief that a future where humanity is out exploring the stars is fundamentally more exciting than one where we are not. Today SpaceX is actively developing the technologies to make this possible, with the ultimate goal of enabling human life on Mars.

SpaceX-Unternehmenswebseite

 

Übersetzung: SpaceX wurde unter der Annahme gegründet, dass eine Zukunft, in der die Menschheit aufbricht, um die Sterne zu erforschen, sehr viel aufregender ist als eine, in der wir das nicht tun. SpaceX entwickelt heute Technologien, um das möglich zu machen, mit dem Ziel, menschliches Leben auf dem Mars zu ermöglichen.

Das erinnert mich schmerzlich deutlich an den schon oben erwähnten Foundation-Zyklus von Asimov, und natürlich auch an einen meiner absoluten Lieblingsfilme, Interstellar.

Interstellar Poster
„Mankind was born on earth, it was never meant to die here“

Darum begeistert mich die ganze Falcon Heavy-Geschichte so sehr

Es scheint Elon Musk hier nicht um Vernunft oder Effizienz zu gehen, denn dann hätte er eine günstigere oder nützlichere Last transportiert (und – wir erinnern uns: Es war nicht klar, ob der Start überhaupt klappt). Durch alles, was ich bisher über Musk gelesen habe, sehe ich hier, dass er ein Zeichen setzen wollte: Er hat in unserer materialistischen Welt noch nicht die klassischen Science-Fiction-Träume vergessen und setzt sein Geld darauf, diesen Zielen näherzukommen.

Natürlich liegt die Besiedlung von Mond oder Mars in weiter Ferne, aber wenn man nicht den ersten Schritt tut, dann erreicht man auch keine Ziele. Und das ist es, was mir „Starman“ in seinem Sportwagen mit der Aufschrift „Don’t panic“ sagt: Elon Musk glaubt an Visionen, und wenn sonst keiner Schritte in diese Richtung geht, dann macht er es eben selbst.

Andere suchen das Haar in der Suppe

Eigentlich habe ich mit Visionen, Träumen und ersten Schritten schon so schöne Schlussworte für diesen Falcon Heavy-Beitrag gefunden. Aber nun muss ich irgendwie auch noch auf einen anderen Aspekt eingehen. Es scheint, als würde dieser erste Testflug der Falcon Heavy vor allem euphorische Reaktionen hervorrufen, aber es gibt auch einige kritische Stimmen:

  1. dieses ganze Weltraumzeug sei Geldverschwendung, man könnte das Geld stattdessen auch in humanitäre Hilfe investieren
  2. der fliegende Tesla ist aufgeblasenes, „typisch amerikanisches“ dummes Getue und wissenschaftliche Instrumente an Bord wären viel besser

Statement zu: „Weltraumprogramme sind sinnlose Geldverschwendung“

Natürlich könnte Elon Musk auch Unmengen Geld spenden, um Müllsammelmaschinen für den Ozean oder Brunnen in Afrika zu bauen… Das wäre auch gut, aber das ist nur der Kampf gegen ein Symptom, keine Heilung der Krankheit. Vielleicht spricht sogar die Moral gegen SpaceX‘ Weltraumflüge: „Milliarden Menschen hungern und die verbrennen buchstäblich Geld!“.

Aber: SpaceX ist ein privates Unternehmen und das kann tun, was es will. Elon Musk hat sich entschieden, in den nächsten großen Schritt der Menschheit zu investieren, und nicht in das Aufräumen alter Probleme. Er verbessert nicht die tatsächliche Situation, setzt aber Meilensteine für die Zukunft… Und das ist genauso wichtig. Langfristig wird die Menschheit und der gesamte Planet Erde von Habitaten auf dem Mars, riesigen orbitalen Sonnenkollektoren oder Endlagerstätten im All profitieren.

Demnach wäre es sogar Geldverschwendung, immer nur in aktuelle, drängende Probleme zu investieren, statt Lösungen für die Zukunft zu suchen.

Statement zu: „Der Tesla ist unnütz und reine Selbstdarstellung“

Hierzu habe ich oben schon meine Meinung angedeutet. Nun nehme ich aber noch genauer Bezug auf diesen kritischen Beitrag „Was soll das mit diesem dämlichen Elektroauto im Weltall?„. Hier schreibt der Autor Florian Freistetter:

Es ist klar, warum Elon Musk das getan hat. Es handelt sich dabei um wirklich großartige PR für sich und seine Firmen. […] Der Roadster fliegt durch die Gegend und macht nichts. Wäre es so schwer gewesen, ein wissenschaftliches Instrument mit an Bord zu nehmen? Wäre der Start der Falcon Heavy nicht vielleicht noch beeindruckender gewesen, wenn am Ende neue Erkenntnisse für die Wissenschaft dabei entstanden wären? […] Missionen zum Mars passieren nicht so oft; sie sind schwierig, kompliziert und teuer. Aber wichtig und interessant. Warum nicht ein paar Instrumente mit auf den Weg nehmen und neben der PR auch ein wenig Wissenschaft betrieben? Warum nicht vielleicht sogar Schülerinnen und Schüler einladen, ein paar kleine Messinstrumente zu bauen. Jungen Studenten die Möglichkeit geben, Experimente im Weltall durchzuführen? Oder Ländern die Teilnahme an der Raumforschung zu ermöglichen, die sich einen Raketenstart nicht leisten können?

Diese Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. Meiner Meinung nach ist aber beides wichtig: Der Tesla im All genauso wie Messinstrumente von Schülern. Das eine verkörpert die Vision, das andere ermöglicht weitere Erkenntnisse oder wäre zumindest eine nette Geste.

Tesla baut Autos, die ausschließlich elektrisch und umweltfreundlich betrieben werden. Das ist ebenfalls eine gute Sache, und auf dem Automobilmarkt gibt es einen harten Konkurrenzkampf. Damit Tesla existieren kann, muss die Firma Gewinne erwirtschaften – und derzeit scheint es durchaus Probleme zu geben. Es ist daher völlig legitim, den großartigen Start der Falcon Heavy auch dazu zu nutzen, Tesla zu promoten.

Außerdem: Je mehr Institutionen an einem Projekt beteiligt sind, desto mehr kann schiefgehen – zu viele Köche verderben den Brei. Wer weiß, ob sich der Start der Falcon Heavy nicht noch weiter verzögert hätte, wenn man auf die Hardware aus Ländern ohne Raumprogramm oder von Uni-Arbeitsgruppen warten müsste.

Oder wenn der Start doch schiefgegangen wäre: Ich sehe das Bild trauriger Schüler und die Headline „SpaceX zerstört die Träume dieser jungen Forscher durch ungetestete Rakete“.

Solange SpaceX nur das transportiert, was die Firma selbst zu verantworten hat, kann das nicht passieren. Elon Musk gab zu, dass er schon genau das Bild vor Augen hatte, wie alles explodiert und ein einzelner Teslareifen vom Startplatz davonspringt, während das Tesla-Logo vom Sportwagen durch die Luft segelt.

Warum auch hier noch gendern?

Im gerade zitierten kritischen Beitrag bringt der Autor nun auch noch die Gender-Debatte mit ein:

Immerhin hat man ja nicht nur einfach ein Auto ins All geschickt. Sondern auch noch einen Dummy-Fahrer (natürlich ein “Starman” und keine “Starwomen” [sic]) hineingesetzt, […]

Als ich das las, dachte ich, das darf doch nicht wahr sein! Das wirkt auf mich jetzt nur noch engstirnig. Warum muss man diese Debatte auch noch mit ins All transportieren?

Während ich den Raketenstart verfolgte, freute ich mich über die großartige Leistung von SpaceX, und wie toll es ist, dass Elon Musk damit den nächsten Schritt für die Menschheit vorbereitet. Nicht eine Sekunde dachte ich daran, mich über die Namensgebung des Dummy-Astronauten aufzuregen. Dieser kleine Einschub, der kritisiert, dass ein Mann und keine Frau mitfliegt, symbolisiert für mich all diese dummen kleinen selbstbezogenen Probleme der Menschheit, vor denen Leute wie Elon Musk auf den Mars fliehen wollen.

Wir sehen ausschließlich einen Raumanzug und es geht doch gar nicht darum, ob da ein Mann oder eine Frau drin sitzt, ein Weißer, ein Schwarzer oder sonst jemand – es ist ein Mensch! Es geht hier um die Menschheit, die ins All fliegt, und nicht um Quoten! – Hergestellt auf der Erde von Menschen.

Printed on the circuit board of a car in deep space

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Zumal die Bezeichnung Starman auf einem Song von David Bowie beruht, der den Flug ins All thematisiert – das ist nunmal recht passend für die Falcon Heavy. Wenn man jemandem Vorwürfe machen müsste, dann David Bowie, dafür, dass er so offensichtlich einen Starman bevorzugt. Diese Dimension ist im jetzigen Stadium einfach nur unnötige Miesmacherei.

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