Kino: Avengers 2, Fortsetzungen, CGI – alles doof!

Ich nehme heute Avengers 2 – Age of Ultron zum Anlass, um ein kleines bisschen ganz subjektiv zu meckern.

Ja – ich habe Avengers 1 überschwenglich lobend kommentiert. Ich fand, er hatte alles, was man für Unterhaltungskino braucht: Dumme Sprüche, Action, einen irgendwie interessanten Gegenspieler und ein Mindestmaß an Story – aber vor allem dumme Sprüche und Action :D

Und warum wettere ich jetzt gegen Avengers 2?

Age of Ultron!
Age of Ultron!

Marvel und Superhelden

Voraus möchte ich schicken, dass ich keine Ahnung von Comics habe, jedenfalls nicht von denen, die seit jeher die Kinosäle beflimmern. In Thor bin ich 2011 noch reingegangen mit der Hoffnung, dass es hier um den Thor aus der nordischen Mythologie geht. Von Marvel hatte ich nie gehört :D Und ja, ich mochte den Film dennoch.
Avengers 2 fand ich jetzt nicht unbedingt schlecht. Pierre und ich waren der Meinung, dass man aus dem Thema künstliche Intelligenz sehr viel mehr hätte rausholen können als nur einen kindischen Roboter mit versucht-lockeren Sprüchen. Die Verbindungen zu Terminators Skynet waren sehr offensichtlich (was nicht schlimm ist, man nimmt halt gerne von Legenden ^^), aber einfach nur schwach weitergeführt dann. Ich bin relativ unwillig in den Film gegangen, mit den gleichen Erwartungen, die ich seit einiger Zeit für andere Marvel-Filme auch habe, und die wurden nicht enttäuscht. Aber begeistert bin ich nicht mehr, eher nur gelangweilt und sehr genervt.

Ich habe das Gefühl, dass Marvel die Welt zur Zeit überschwemmt mit Superhelden. Ironman und Hulk geistern ja schon länger rum (hab sie alle erst nach 2012 gesehen), nun werden aber irgendwie so alle paar Monate Prequels, Sequels, was-auch-immer-quels zu allen möglichen Marvel-Helden rausgehauen, und die sind alle ungefähr ähnlich gut, basieren alle auf den gleichen Rezepten. Mehr (Ironman) oder weniger (Captain America) dumme Sprüche, komische Anzüge und viel Action.

Mir wird das zuviel. Sie schaufeln da viel Geld rein, machen dementsprechend für das Genre qualitätvolle Filme und schaufeln damit noch mehr Geld wieder raus. Kommt mir vor wie eine Grundschulrechenaufgabe: viel zu langweilig und offensichtlich. Da steckt keine Innovation drin, als Kinobesucher weiss man ganz genau, was einen erwartet, für 13 EUR 2,5 Stunden seichte Unterhaltung.

Offenbar zieht Konkurrent DC nun vermehrt nach, Batman und Superman sind ja eh schon länger unterwegs, aber nun hört man von der Justice Leage munkeln. Yay, noch mehr Superhelden!

Als wir letzte Woche Avengers 2 angeschaut haben, wurden folgende Filmtrailer gezeigt, bevor der Mainact loslegte:
– Batman vs. Superman
– Marvel’s Agent Carter
– Antman
– Star Wars 7

Noch ein weiterer -man oder Marvel und ich hätte dem Sitznachbarn auf den Schoß gekotzt. Ich kann keine Superhelden mehr sehen!

Das schöne und schlimme an diesem Hype ist, dass jeder die Filme irgendwie kennt. Okay, ich bin von Nerds umgeben, die kennen eh jeden Film und manche noch dazu die Comics. Aber ich habe das Gefühl, dass Superhelden auch unter den Normalsterblichen beliebt sind. Schön, es gibt immer was zu reden! „Kennst du schon den neuen Marvel?“ – „Klar, er ist super“ – „Ja, welcher Charakter wird wohl als nächstes eingeführt?“… Schön, ja, andererseits – wie traurig, wenn solche Filme abendfüllend ausdiskutiert werden können.

Kuh melken, solange sie Milch gibt

Ich habe einfach das Gefühl, dass es hier darum geht, den Trend zu nutzen, so lange er läuft. Dann haben wir in wenigen Jahren Guardians of the Galaxy 7, Captain America 5, Avengers 3 und Ironman 10 gleichzeitig im Kino, toll! Die Kuh so lange melken, wie sie Milch gibt. Ich habe aber keine Lust, die Kuh zu sein.
Meiner bescheidenen Meinung nach zeigt es Größe, wenn man nach sehr erfolgreichen Filmen KEINE seichte Fortsetzung mit wie-auch-immer-gearteter aufgeblähter Geschichte zu bringen. Und ja, damit schieße ich dezidiert auch in Richtung Star Wars (2015) und Der Hobbit (2012, 13, 14).

Fortsetzungen

Star Wars und Der Hobbit sind beides solche Erfolgsgaranten wie Superhelden zur Zeit (nein, noch bessere). Die Menschheit WILL diese Fortsetzungen sehen. Man muss nur genug Geld in die Hand nehmen, um sie gut zu machen und dann wird das was.

Als ich das erste Mal las, dass Peter Jackson den Hobbit auf 3x 2.x Stunden aufblähen will, war mir schon klar, was bei dem Film bei rauskommt: Viel Tamtam und wenig Inhalt. Es geht mir nicht mal darum, wie gut man sich an die Buchvorlage gehalten hat, eher um völlig überzogene Kampfszenen, die sich gefühlte Stunden hinziehen und die Handlung nicht vorantreiben (siehe vor allem Hobbit Teil 3). Eines Tolkien-Films nicht wert..
Und Star Wars: Als großer Fan der alten Trilogie war ich schon von der neuen Trilogie nicht so begeistert. Man hätte es doch spätestens dann gut sein lassen können – aber nein, man kann hier noch Geld machen. Es wird „Star Wars“ draufstehen, womöglich ist sogar auch „Star Wars“ drin, aber die alte Trilogie ist einfach klassisch und legendär, ich glaube kaum, dass irgendeine spätere Verfilmung so einen Kultstatus erreichen kann.

Dieses Jahr kommt außerdem auch Jurassic Park 4 raus. Ich halte das nicht für so eine Gelddruckmaschine wie die oben erwähnten Filme, aber offenbar geht es hier um einen Abenteuerpark mit Dinosauriern, es geht etwas schief und auf einmal sind die Besucher die Gejagten – kennt man das nicht von irgendwoher? Muss das wirklich sein?
Auch Terminator 5 darf dieses Jahr terminieren. Ich bin großer Fan von Terminator 1 und 2 und fand auch nichtmal Teil 3 ein Jahrzehnt oder so später total misslungen (würdige Fortsetzung meiner Meinung nach, Ausnahme von der Regel ^^). Aber auch hier könnte man einfach aufhören, statt immer neu nachzulegen.

Was ich mit all dem sagen will: Ich finde es schade, dass so viele xte-Fortsetzungen kommen. Man setzt lieber auf etwas, was schon mal gezogen hat und kaut den gleichen Stoff wieder und wieder durch.
Ein paar schöne Gegenbeispiele wären Interstellar, Gravity und Noah, die in den letzten 12 Monaten gelaufen sind. Gut, die Noah-Story ist nicht unbedingt taufrisch, aber der Film war doch irgendwie erfrischend überraschend/überraschend erfrischend.

Computeranimierte Filme

Was mich immer mehr ärgert, sind die Computereffekte, die in Filmen genutzt werden. Das wurde die lezten Jahre schleichend immer mehr, und wenn man sich heutzutage einen Marvel-Film und einen Hobbit anschaut, weiss man kaum noch, ob das nun ein komplett animierter Film ist wie Nemo & Co oder ob da noch echte Menschen mitspielen.

Ja – auch Interstellar nutzt Special Effects (bekam sogar den Oscar dafür) und Gravity ist mehr Special Effect als sonst was, aber der feine Unterschied ist, dass hier der Computer genutzt wird, um Szenen besser realistisch darstellen zu können. Bei den ersten Star Trek-Filmen sieht man die Enterprise an Fäden durch einen dunklen Raum fliegen. Das machen heute Computer und es sieht realistischer aus – so wie man es sich eben wünscht, wenn es um Raumschiffe im All geht.

Zwerg in Fass vor grün. Quelle: https://www.herr-der-ringe-film.de/v3/de/news/tolkienfilme/news_90240.php
Zwerg in Fass vor grün. Quelle: https://www.herr-der-ringe-film.de/v3/de/news/tolkienfilme/news_90240.php

Beim Hobbit und Marvel-Filmen (ja, sorry, Marvel dient mir heute als Boxsack) möchte man am Liebsten seinen Game Controller anschließen und mit jump’n run-en, so aberwitzig sind die „Stunts“ und „Moves“. In Hobbit 1 gibt es eine Szene, die gefühlt eine halbe Stunde andauert, in der die Zwerge mit Fässern einen Bach runterrauschen und dabei von Orks gejagt werden (in der Buchvorlage gibt es hier keine Orks, die Zwerge sind einfach der elbischen Gefangenschaft entkommen, fertig). Da springt Legolas, der Elb, von Fass zu Fass, schlägt Saltos, schießt im Sprung gleichzeitig mehrere Pfeile ab (alles Treffer), man steht mit beiden Beinen auf zwei unterschiedlichen Fässern und die Zwerge kullern und springen in ihren blöden Fässern tolle Pirouetten. Das ist, wie jemand anderem beim Zocken eines Super-Mario-Spiels zuzuschauen.

Warum macht Peter Jackson sowas? Ich zumindest langweile mich dabei zu Tode. Soll es beeindrucken? Tut es nicht – mit Computern kann man alles machen. Soll es Kinder bespaßen, die rumfliegende Leute lustig finden? Wieso kam dann Herr der Ringe dann ohne sowas aus? Oder soll es einfach nur den Film verlängern, um die drei Teile irgendwie zu rechtfertigen?

Huuuiiiii, ein Zwerg im Fass! Quelle: https://www.herr-der-ringe-film.de/v3/de/hobbit/galerie_1/darsteller_2/helden_1/bombur_1/bilder.php
Huuuiiiii, ein Zwerg im Fass! Quelle: https://www.herr-der-ringe-film.de/v3/de/hobbit/galerie_1/darsteller_2/helden_1/bombur_1/bilder.php

In Hobbit 2 genauso: Die Zwerge purzeln durch den einsamen Berg, verfolgt vom Drachen, fallen Abgründe runter und plumpsen dabei immer perfekt in vorbeiziehende Erzloren. Sie hüpfen und springen, wie es Super Mario nicht besser könnte. Am Ende Level geschafft, Drache weg.

Iron Hulk
Iron Hulk. Quelle: https://www.vulture.com/2015/01/iron-man-fighting-hulk-avengers-age-of-ultron-trailer.html

Bei Avengers ist das nicht anders, in Age of Ultron verprügeln sich Iron Man und Hulk eine halbe Ewigkeit in bester Streetfighter-Manier in irgendeiner bemitleidenswerten Stadt und legen sie dabei in Schutt und Asche. Sie reißen ein Hochhaus ein, hauen Krater in den Boden, hüpfen an Häusern und Brücken entlang. Sieht alles super aus, keine Frage. Aber was genau schaut man sich hier oder bei Hobbit an? Sehen wir hier Stuntmen bei der Arbeit, die echt komplizierte Choreographien vollführen? Nein, tatsächlich würde ich mich wundern, wenn überhaupt einer der Schauspieler bei solchen Szenen anwesend ist. Da ist einfach nichts echt: die bombastische Hintergrundlandschaft wird eingeblendet, die Bewegungen der Schauspieler auf CGI-Figuren übertragen (erst die können dann herumturnen, als gäbe es keinen Morgen mehr) und am Ende klatscht man die Gesichtszüge eines Zwergs drauf. Bei Ironman und dem Hulk ist ja nichtmal das nötig.

Solche Szenen sind meiner bescheidenen Meinung nach kein Film, sondern eine Demonstration dessen, was heutzutage mit 3D-Technik alles möglich ist. Toll! Vermutlich braucht man für einen solchen Film kaum noch die Turnhalle zu verlassen. Man baut ein paar grüne Kisten auf, lässt Leute in grünen Anzügen drüberlaufen und macht den Rest am PC.

Terrence Hill und Bud Spencer haben auch nie echte Ohrfeigen verteilt oder echte Flaschen, Türen und Spiegel zertrümmert. Aber immerhin haben sich hier tatsächlich Leute bewegt, sie mussten ihre Choreographie einstudieren und es SIND Sachen kaputt gegangen. Bei heutigen CGI-Szenen weiss man nicht, wieviel Requisite existiert, wo überhaupt eine Kamera aufgezeichnet hat und wo einfach ganze Abschnitte nur durchgerendert wurden.

Meiner Meinung nach darf man tricksen, aber ein Film sollte durch CGI glaubwürdiger werden, nicht unglaubwürdiger mit noch mehr aberwitzigen und völlig unrealistischen Actionszenen.

Bei Avengers 2 wurden im späteren Verlauf des Films Tausende „T-800-Kopien“ zertreten, intelligente Roboter aus Metall. Sarah Connor aus Terminator 1 würde sich im Grabe umdrehen, sie hatte mit EINEM davon einen ganzen Film lang ganz andere Probleme ^^ Nein, bei Avengers zerfliegen Roboter en masse durch animierte Roundhouse-Kicks und Faustschläge in Fetzen. Jeder Tritt ein zerscherbter Roboter.. ^^ Sieht schön aus, aber …. ach, lassen wir das.

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