Stephen King – Der Dunkle Turm

Dieses Buch erhielt von Lucyda 4 Sterne

Das Dunkle-Turm-Universum ist Stephen Kings wichtigstes Werk – so sagt er es selbst. In zahlreichen seiner Bücher nimmt er Bezug zu dieser Geschichte, um die sich bei ihm tatsächlich alles dreht. Ich habe um 2000 das erste Buch gelesen, aber, warum auch immer, niemals eine Rezension über „Der Dunkle Turm“ geschrieben. Das habe ich nun endlich nachgeholt. Nachfolgend gibt es eine Buchkritik zu der Buchreihe „Der Dunkle Turm“ von Stephen King.

Der Dunkle Turm Poster

» Hier geht’s zum Review über die Verfilmung: Der Dunkle Turm

Stephen King - Der Dunkle Turm

Der Dunkle Turm: Das gesamte Universum

Der Dunkle Turm: Reihenfolge der Bücher:

  1. Schwarz
  2. Drei
  3. Tot
  4. Glas
  5. Wolfsmond
  6. Susannah
  7. Der Turm
  8. Wind (….ich habe erst heute gesehen, dass es einen 8. Band gibt! Er soll Erinnerungen Rolands an seine Kindheit beinhalten)

Weitere Bücher, die explizit auf „Der Dunkle Turm“ Bezug nehmen oder umgekehrt:

.. und sicher noch weitere, die mir im Moment nicht einfallen :D King hat außerdem viele Kurzgeschichten geschrieben, die mit Sicherheit ebenfalls zum Teil mit „Der Dunkle Turm“ in Verbindung stehen. Hinzu kommt noch, dass King in vielen seiner Bücher andere Welten oder Wesen aus anderen Welten beschreibt (Es, Das Bild, In einer kleinen Stadt, Love,…). Diese Geschichten wären besser erklärbar, wenn man sie ebenfalls in das Dunkle Turm-Universum steckt.

Der Dunkle Turm: Handlung

Hier gibt es nur eine sehr schmale Einordnung, natürlich ohne Spoiler.

In einer Welt, „die sich weitergedreht hat“, ist der Revolvermann Roland Deschain, aufgrund seiner Herkunft auch bekannt als Roland von Gilead, besessen davon, den Dunklen Turm zu finden. „Weitergedreht“ heißt: Es scheint eine postapokalyptische und weitgehend entvölkerte Welt zu sein. In ihr befinden sich Relikte der Alten, einer früheren, hochtechnisierten Zivilisation. Auf die heutigen Menschen wirken sie allerdings eher wie magische Gegenstände. In der Welt, die Roland bewandert, gibt es viele durch Strahlung entartete Mutanten, Straßenräuber und arme Bauern, die sich das Essen vom Munde absparen. Recht und Ordnung kennt man nur noch aus alten Geschichten – die Revolvermänner schienen ehrenvolle Hüter des Gesetzes gewesen zu sein. Roland ist der letzte Revolvermann und wird von manchen Dorfältesten auch als solcher erkannt. Mit Tränen in den Augen freut man sich darüber, ihn zu sehen.

Jedenfalls – Roland weiß selbst nicht genau, was ihn so sehr zum Dunklen Turm treibt. Und er kann auch gar nicht genau sagen, was das ist – verschiedene „Balken“ (Energielinien) weisen zum Turm, der sich in der Mitte der Welt befinden soll und die Welt, sowie alle anderen Welten, zusammenhält. Fällt der Turm, stürzt die Welt ins Chaos. Eine böse Macht, der Scharlachrote König, und dessen Helfer, der Mann in Schwarz, wollen den Turm zerstören. Um zum Turm zu gelangen, ist Roland über Leichen gegangen und hat alle Menschen, die ihn liebten und die er liebte, hinter sich gelassen. So wandert er nun allein durch die Wüste, mit Kurs auf den Dunklen Turm.

Und dort begegnet ihm ein Junge, Jake, der aus einer völlig anderen Welt stammt. Später trifft Roland noch auf weitere Weggefährten – deswegen gibt es ja auch so viele Bücher, das will ich hier gar nicht alles genauer beschreiben :D In „Der Dunkle Turm“ geht es um die Reise durch die zerstörte Welt, die Roland erlebt, und um die Menschen, die er trifft. Nach und nach entdeckt der Leser immer mehr Details, die die Hintergrundgeschichte näher beleuchten.

Der Dunkle Turm: Rezension

Der Dunkle Turm ist eines dieser Werke mit epischer Tiefe. King legt dafür ein eigenes Vokabular an, das sich immer wiederholt, und das auch in Fleisch und Blut des Lesers übergeht. Es gibt die mysteriöse Zahl 19, es gibt „Ka“ als Schicksal, und ein „Ka-tet“ als vom Schicksal zusammengeführte Gemeinschaft. Es gibt Sprüche wie „Vergiss nicht das Gesicht deines Vaters“ und „Darauf setze ich Uhr und Urkunde“, die immer wieder vorkommen und den Leser mitnehmen in diese Welt. „Erflehe deine Verzeihung, Sai“ (Sai = Herr) und „Lange Tage und angenehme Nächte“ aus „Der Dunkle Turm“ sind Wendungen, die man auch im Alltagsleben anwenden kann :D

„Der Dunkle Turm“ ist keine Horror-Geschichte, sondern eher ein Western-Science-Fiction-Fantasy-Märchen mit Horror-Elementen. King lässt dabei immer wieder auftretende wichtige Symboliken wie Rosen, Schildkröten und natürlich Türme einfließen. Postapokalyptische Verzweiflung kommt genauso vor wie Schießereien in Westernstädten oder groteske Rätselspiele mit einer künstlichen Intelligenz.

Schreibstil

Typisch King: Oft ausufernd und in die Länge gezogen, aber auch einprägsam und in die Geschichte ziehend. Wenn man – vor allem in den späteren Büchern – manchmal gerne ganze Seiten überblättern will, weil wenig relevantes passiert, so schafft King es doch, viele Szenen ganzheitlich vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Wenn ich an die Bücher zurückdenke – die ersten vier habe ich mehrmals und immer wieder gelesen, die letzten drei nur einmal – scheint es mir, als hätte ich einen Film gesehen. So einprägsam sind die Bilder, die King beschreibt.

Stephen King arbeitet zudem gern mit „sprechendem“ Text, indem er Töne verschriftlicht, Wortspiele verwendet bzw. Wörter falsch schreibt, um auf vulgäre Sprache hinzuweisen. Beispiel „blasse Wichsah“, dazu weiter unten mehr ^^ Hinzu kommen harte Schnitte zwischen verschiedenen Kapiteln, teilweise mitten im Satz.

Hauptsächlich schreibt King als „allwissender“ Erzähler mit Fokus auf einem der Hauptcharaktere.

Zeiten und Welten…

„Schwarz“ beginnt ohne Vorgeplänkel und ohne Vorstellung von Charakteren oder der Welt – du siehst es unten im ersten Zitat. Der Leser befindet sich sofort bei Roland und in seiner Welt und muss zusehen, wie er damit zurecht kommt.

Rolands Vorgeschichte erfahren wir erst nach und nach, über viele Bücher verteilt. Das vierte Buch, „Glas“, ist zudem im Grunde ein einziger Rückblick in Rolands Jugend. Zu dieser Zeit war die Welt noch friedlicher und normaler, doch auch hier ist bereits zu bemerken, wie die Ordnung immer weiter zerbricht.

Der Fluss der Zeit kommt sowieso immer wieder durcheinander – denn es gibt viele Welten und viele Zeiten. Rolands zerstörte, weitergedrehte Welt lernen wir gleich am Anfang kennen. Doch wir erhaschen immer wieder auch ausführliche Blicke in unterschiedliche Zeitebenen unserer eigenen Welt in Form von New York. Und gelegentlich treten diese Welten miteinander in Kontakt, bedingen sich gegenseitig und sind durchlässig dafür, zwischen ihnen zu wechseln.

Kontroversen zum Film

In den Büchern wird Roland, der Revolvermann, sehr genau beschrieben. Die blauen Kanoniersaugen, das harsche Gesicht. Stephen King selbst sagte, dass er hier Clint Eastwood in seinen Western vor Augen hatte. Das passt perfekt. Ein mit Revolvern bewaffneter Einzelgänger, dessen Ziele undurchsichtig sind, der nicht viel redet und der viel erlebt hat. Nun wird die Rolle des Roland aber mit Idris Elba, einem Schwarzen, besetzt.

Buchvorlagen, Verfilmungen und Rassismus-Vorwürfe

Die Bücher haben niemals vermittelt, dass Roland ein Schwarzer sein könnte. Es klingt blöd, deswegen herumzuwettern, man hat gleich eine Rassismusdebatte am Hals. Das ist aber zu kurz gefasst, es geht hier nicht um Rassismus, oder dass man keine schwarze Hauptrolle im Kino sehen will.

Es geht darum, dass „Der Dunkle Turm“ wahnsinnig bekannt ist, dass sich zig Fans die Gehirne darüber zermartern, wie die vielen Welten zusammenhängen, was die Vorgeschichte ist, welche Easter Eggs es wo gibt. Das geht alles nicht eindeutig aus den Büchern hervor, deswegen wird spekuliert und interpretiert. Was aber eindeutig hervorgeht, ist die Beschreibung der Charaktere. Das ist fest – aber daran wird im Film gewackelt.

Es ist nun einmal so, dass sich Verfilmungen zwangsläufig immer Freiheiten herausnehmen (müssen), mit denen nicht jeder zufrieden ist. Fans der Bücher wünschen sich aber immer eine Verfilmung, die sich möglichst eng an die Vorlage hält. Wenn man nun schon in Dingen, die King im Buch genauestens beschrieben hat, abweicht, ist das enttäuschend. Vielleicht wäre es vergleichbar, wenn in der Herr der Ringe-Verfilmung auf einmal Aragorn eine Frau wäre.

Die Susannah-Dynamik

Das sind alles mimimimi-Gründe, ich weiß :D Es gibt auch einen handfesten Grund, warum Roland kein Schwarzer sein sollte. Es ist nicht wirklich gespoilert, wenn ich kurz auf Susannah verweise, auf die Roland im zweiten Buch „Drei“ trifft. Susannah ist eine Schwarze, die ihr Leben lang von Weißen diskriminiert wurde. Deswegen sieht sie sich auch von ihren beiden weißen Mitreisenden Roland und Eddie diskriminiert und bezeichnet sie immer wieder als „blasse Wichsah“, die ihr an die Wäsche wollen. Es ist einfach eine Dynamik da, die darauf basiert, dass Susannah schwarz ist und Roland und Eddie nicht. Nun ist aber Roland selbst schwarz.

So weit dringt der aktuelle Film gar nicht vor, und falls die Verfilmung fortgesetzt wird, dann wird sich dafür eine Lösung finden, das ist mir schon klar. Dennoch – diese schwarze-Frau-blasse-Wichsah-Dynamik zieht sich durch das halbe Buch „Drei“ und ist einfach eine Schlüsselhandlung, die man gerne so auch verfilmt gesehen hätte. Das wird nun so nicht passieren.

Ich freu mich insgesamt trotzdem auf den Film. Auch wenn ich von der Besetzung des Roland von Gilead nicht so begeistert bin, denk ich, dass – wenn man ihm einige Freiheiten erlaubt – der Film trotzdem gut wird. Mir wäre es trotzdem lieber, wenn die Besetzung von Roland (Idris Elba) und dem Mann in Schwarz (Matthew McConnaughey) getauscht wären.

Der Dunkle Turm: Wertung

Bewertung: 4 von 5 Sternen plus
Es ist nicht einfach, sieben Bücher in einer Wertung zusammenzufassen. Mir gefallen die ersten vier Bücher sehr gut, während in den drei späteren Büchern der Schreibstil und auch die Geschichte oft zu abgedreht ist bzw. King sich seitenlang irgendwo verliert. Am Ende würde ich eher maximal drei Sterne vergeben, während die ersten Bücher unbedingt fünf Sterne verdienen.

Da man sich ja festlegen muss, gibt es insgesamt – mit Hinweis auf die Schwierigkeit der Wertung! – vier Sterne und ein Plus. King hat mit „Der Dunkle Turm“ ein Stück Literaturgeschichte geschaffen, die nicht nur sein eigenes Gesamtwerk nachhaltig geprägt hat, sondern auch prägend für ganz andere Geschichten war. Die Vermischung verschiedener Genres ist einfach wahnsinnig attraktiv, das Konzept der verschiedenen Welten spannend und verwirrend zugleich und bei den unterschiedlichen Charakteren ist für jeden was dabei ^^

Der Dunkle Turm: Zitate

Ein paar markante Zitate aus dem Buch, die den Schreibstil ganz gut einfangen.

Der erste Satz des ersten Buchs

„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.“

Der Revolvermann verbringt die Nacht in einem verlassenen Haus in der Wüste.

„Sheb war in die alten Lieder vernarrt gewesen, hatte sie einst in einem Saloon namens Traveller’s Rest gespielt, und nun summte der Revolvermann eines davon unmelodisch vor sich hin:

Love o love o careless love
See what careless love has done.

Der Revolvermann lachte verwirrt. Ich bin der Letzte jener grünen, warm getönten Welt. Doch trotz aller Sehnsucht nach dem Vergessen empfand er kein Selbstmitleid. Die Welt hatte sich gnadenlos weiterbewegt, aber seine Beine waren noch immer kräftig, und der Mann in Schwarz war in die Nähe gerückt. Der Revolvermann nickte ein.“

Schwarz, S. 124.

Roland und seine Gefährten treffen in einem Dorf ein und versuchen die Bewohner dazu zu bringen, sie gastfreundlich aufzunehmen.

„‚Wir kommen von weit her‘, sagte er [Eddie], ‚und haben noch einen weiten Weg vor uns. Unsere Zeit hier wird kurz sein, aber wir werden tun, was wir können, hört mich an, ich bitte euch.‘
‚Sagt weiter, Fremder!‘, rief jemand. ‚Ihr sprecht gut!‘
Ehrlich?, dachte Eddie. Das ist mir neu, mein Freund.
Einige Rufe wie Aye und Wenn’s beliebt.
‚Die Heiler in meiner Baronie haben eine Redensart‘, erzählte Eddie ihnen. ‚Vor allem niemandem schaden.‘ Er war sich nicht sicher, ob das ein Anwaltsmotto oder ein Arztmotto war, aber er hatte es in ziemlich vielen Filmen und Fernsehserien gehört, und es klang echt gut. ‚Wir wollen hier keinen Schaden anrichten, sollt ihr wissen, aber niemand hat jemals eine Kugel oder auch nur einen Splitter unter dem Fingernagel eines Kindes herausgezogen, ohne etwas Blut zu vergießen.'“

Wolfsmond, S. 280.

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