Erebus und Terror: Drift (Joshua Tree, Ralph Edenhofer)

Dieses Buch erhielt von Lucyda 3 Sterne

Nach laaanger Zeit stelle ich heute auch mal wieder ein Buch vor, das ich kürzlich gelesen habe. Vielen Dank an Baradion, der mir das Buch per Amazon-Wunschliste geschenkt hat :D

Es handelt sich um den ersten Teil, Teil zwei ist mittlerweile auch erschienen. Und er ist auch dringend notwendig, weil die im Rückentext als Rahmenhandlung beschriebenen Ereignisse in gewisser Weise etwas irreführend sind.

Erebus und Terror: Drift (Joshua Tree, Ralph Edenhofer)
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Darum geht’s in Erebus und Terror: Drift

Autor: Cory Doctorow
Titel: Erebus und Terror: Drift
Erstveröffentlichung: 1. April 2020
ASIN: B0868PL4CP (Amazon-ID)
Seiten: 394

In nicht allzu ferner Zukunft kämpfen im Sonnensystem zwei Machtblöcke um Vorherrschaft: Die Vereinten Nationen und das Konsortium. Die Vereinten Nationen ist ein Zusammenschluss der Nationen auf der Erde, während das Konsortium seine Hauptbasis auf dem Mond hat und von einflussreichen und extrem finanzstarken Konzernen finanziert wird. Die Vereinten Nationen drohen deswegen das Wetteifern um Einfluss und Macht im Sonnensystem zu verlieren.

Mitten in diesen neuen Kalten Krieg platzt eine Sensation: Signale aus dem Epsilon Eridani-System in rund zehn Lichtjahren Entfernung werden aufgefangen. Diese Signale können keines natürlichen Ursprungs sein, sie müssen von einer fremden Zivilisation stammen.

Das Konsortium baut daher in kürzester Zeit ein Forschungsschiff, das zu diesem System reisen und den Ursprung des Signals erforschen soll. Das Problem: Das Schiff, getauft auf den Namen EREBUS, ist mehrere hundert Jahre unterwegs. Bisher hatte die Menschheit das Sonnensystem niemals verlassen. Die rund hundertköpfige Mannschaft wird während der Reise in Kryoschlaf versetzt.

Die Vereinten Nationen befürchten, dass das Konsortium durch ihren Vorstoß als einziger Vertreter der Menschheit ein Bündnis mit einer außerirdischen Macht schließen kann, während die UN in die Bedeutungslosigkeit versinkt. Wegen mangelnder Geldmittel rüstet die UN eilig ein ehemaliges Kriegsraumschiff für den interstellaren Flug um und schickt die FRANCIS DRAKE der EREBUS hinterher.

260 Jahre später erwachen auf beiden Schiffen außerplanmäßig einige Offiziere. Sie stellen fest, dass von der Erde seit Jahren keine Nachrichten mehr eintreffen. Die letzte Nachricht, die die Francis Drake, inoffiziell TERROR genannt, von der Erde erhalten hat, verheißt nichts Gutes: „Kommen Sie unter keinen Umständen zurück zur Erde“.

Und was nun? Auf beiden Schiffen weiß niemand, wie der Stand der Dinge auf der Erde ist. Ist zwischen der UN und dem Konsortium ein heißer Krieg ausgebrochen? Sind die beiden Schiffe jetzt offiziell Feinde? Zwischen EREBUS und TERROR herrscht Funkstille, beide Captains belauern sich, keiner traut dem anderen. Auf einmal droht mehrere Lichtjahre von der Erde entfernt zwischen den beiden Schiffen ein Krieg auszubrechen.

Hintergrund: Erebus und Terror waren zwei britische Forschungsschiffe, die zusammen während der Franklin-Expedition 1845-1848 auf der Suche nach einer Nordwest-Passage durch das Polarmeer verschollen sind. Später fand man Überreste und vor wenigen Jahren auch die Wracks der Schiffe. Es passt also schon, dass die Francis Drake inoffiziell Terror genannt wurde, schließlich sind hier zwei Schiffe auf sich gestellt auf einer Expedition im Weltall unterwegs.

Erebus und Terror: Drift – Rezension

Auch wenn das Signal von Epsilon Eridani der eigentliche Grund der Reise war, behandelt das Buch ganz andere Konflikte. Ich gebe es zu, mich hatte das mit dem abgefangenen Signal am meisten interessiert. Vor der Lektüre hatte ich dem Buch Fragen gestellt, wie: Was werden die Schiffe dort vorfinden? Was war das für ein Signal? Was für eine Beziehung werden die Menschen zu den Außerirdischen aufbauen? Erstkontakt-Geschichten finde ich sehr spannend :D

Diese Fragen bleiben im Buch allerdings unbeantwortet. Es kommen außerdem weitere sehr drängende Fragen hinzu, auf deren Antwort wir wohl im zweiten Teil warten müssen.

Trotzdem hat sich „Drift“ gut gelesen. Die eigentliche Geschichte dreht sich um die beiden riesigen Raumschiffe, die im Abstand von 18 Lichtminuten voneinander durch den leeren Raum fliegen, sieben Lichtjahre von der Erde entfernt. Es ist eine Geschichte über menschliche Paranoia in einem kalten Krieg. Die Kräfteverhältnisse sind etwa ausgewogen: Die TERROR ist zwar besser bewaffnet, aber sie liegt im mehr als doppelten Sonne-Erde-Abstand hinter der EREBUS zurück, und die EREBUS ist technisch viel besser ausgerüstet.

Für den Leser ist klar: Die beiden Schiffe sollten sich einfach zusammen tun, denn dann könnten sie ihre Mission besser erfüllen. Doch Stolz und die falsche Treue zu 260 Jahre alten Missionsdirektiven lässt den Konflikt aus dem Heimatsystem fortbestehen. Die Befehlshaber belauern sich, niemand möchte als erster kommunizieren, da man sowieso nur Lügen erwartet, und man stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, das andere Schiff einfach abzuschießen, bevor das genau die gleiche Idee hat.

So menschlich diese Fragen auch sind – handelt es sich ja schließlich um das uralte „Wir oder sie“-Narrativ -, so unmöglich sind sie aber auch. Schließlich gibt es nicht nur einen unwahrscheinlich großen räumlichen Abstand zur Erde, sondern auch einen zeitlichen: 260 Jahre sind eine lange Zeit. Ist es wirklich nicht möglich, sich dann zusammenzuraufen? Oder muss wirklich in der Leere des Raums ein unnötiger Krieg ausbrechen?

Das Buch ist aus der Sicht zweier Offiziere geschrieben: Marigua James auf der TERROR und Sarit Mendoza auf der EREBUS. Entsprechend wechselt der Schauplatz immer zwischen den beiden Schiffen. Die beiden Hauptpersonen versuchen, auf ihre Vorgesetzten einzuwirken, um Kontakt und eine Zusammenarbeit mit dem jeweils anderen Schiff zu erwirken. Sie bleiben als Figuren relativ blass, daran ändert auch nichts, dass das Autorenteam für beide Personen eine Beziehung in petto hat. Sex ist meiner Meinung nach in Geschichten nicht das einzige Allheilmittel, um Charakteren Leben einzuhauchen.

Dass beide Schiffe von schießwütigen Kommandeuren befehligt werden, fand ich erst sehr unrealistisch. Wenn man Kriegstreiber auf eine Mission schickt, ist schließlich die Chance hoch, dass man einen Krieg und keine Erkenntnisse bekommt. Dafür gibt es aber im Verlauf des Buches auch eine Erklärung, die ich dir hier natürlich aber vorenthalte :D Trotz dieser Erklärung handeln manche Personen meiner Meinung nach nicht ganz nachvollziehbar und sogar mit kindischem Starrsinn.

Vor allem in der zweiten Hälfte entwickelt sich „Drift“ sehr spannend. Die Ereignisse überstürzen sich und die Autoren setzen sie gut in Szene.

Erebus und Terror: Drift – Wertung

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Kalter Krieg im Weltraum! Warum nicht. Das Buch liest sich ganz gut und bietet für die Wir-greifen-an-bevor-sie-es-tun-Geschichte mal einen anderen Hintergrund. Dass es darin allerdings kaum Informationen über das Epsilon-Eridani-Signal gibt, verzeihe ich nicht so ganz. Ansich ist die Episode aber gut abgeschlossen.

Bewertungskategorie Lesespaß

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