Ligurien – Tagestour ins Hinterland

In Ligurien lohnt es sich unbedingt, das Landesinnere zu erkunden – wenn man, wie ich, dem Charme alter Bauwerke, schmaler Straßen und viel Natur erlegen ist :D Hier findet man, sozusagen aus dem Augenwinkel beim Vorbeifahren, immer wieder auch das eine oder andere historische Juwel – seien es alte Brücken, eine schön bemalte, halb verfallene Kapelle oder ganze Dorfkerne wie aus dem Bilderbuch :D

Sehr malerische Aussichten sind inklusive:

  • über Berge und Täler
  • zu niedlichen Bergdörfern
  • auf das Meer
  • auf Burgruinen

Eine Tour durch das Arroscia- und Pennavaire-Tal

Nachfolgend ist die Tour durch das Arroscia- und Pennavaire-Tal zu sehen, die wir selbst an unserem 3. Tag gefahren sind. Insgesamt sind es über 120 km, die wir dabei zurückgelegt haben. Für mich ist die Gegend nicht neu, aber dennoch haben wir einiges gesehen, was auch ich nicht kannte.

Tagestour durch das Arroscia- und Pennevaire-Tal
Tagestour durch das Arroscia- und Pennavaire-Tal (für gut aufgelöste Karte draufklicken!)

Dabei kann man wirklich immer neue schöne Bauwerke und Aussichten entdecken. Dazu muss man aber

  • mit offenen Augen durch die Gegend fahren
  • nicht von einem Punkt zum nächsten hetzen
  • bereit ist, auch mal abzubiegen oder auch ein Stück zurückzufahren, weil man was Interessantes aus dem Augenwinkel gesehen hat

Ich kann von mir auch nicht behaupten, auf der Strecke wirklich alles Interessante zu kennen oder vorstellen zu können. Wir waren den ganzen Nachmittag unterwegs und hätten durchaus noch mehr Stunden brauchen können, um weitere alte Kirchen oder Ortschaften unterwegs zu erkunden. Daher sind die als Sehenswürdigkeit gekennzeichneten Punkte nur als Fernziele und Anregungen zu verstehen: Unterwegs gibt es viele weitere lohnenswerte Orte!

Villanova d’Albenga – Zurück ins Mittelalter

Wir starten die Tour in Albenga am CONAD-Supermarkt, wo unseren Proviant für das Picknick unterwegs aufstocken können. Von hier aus fahren wir nur wenige Kilometer direkt nach Westen nach Villanova d’Albenga (» Touristeninformation (IT) (schöne Fotos!)).

Die Stadt, 1250 gegründet, hat einen der schönsten mittelalterlichen Kerne, die ich kenne. Die Stadtbefestigung ist fast komplett erhalten, und zwischen den Mauern drängen sich, wie in Ligurien so oft, alte Häuser chaotisch aneinander. Dazwischen große Blumen- und Palmenkübel, so dass sich zwischen das vorherrschende grau-beige der Steinhäuser viele grüne und bunte Farbtupfer mischen.

Borghetto d’Arroscia mit alter Brücke

Nach Villanova fahren wir ins Arroscia-Tal und folgen der Straße SP453 weiter nach Westen. Für den nächsten vorgesehenen Stop biegen wir hinter Ranzo von der Straße Richtung Borghetto d’Arroscia ab.

Kurz darauf fahren wir in einer Kurve an der Chiesa di San Pantaleo, einer alten Kapelle aus dem 11. Jahrhundert, vorbei. Man kann sie zwar leider nicht betreten, aber ihre bunte und gut erhaltene mittelalterliche und neuzeitliche Bemalung ist auch schon im Gewölbe des Vorbaus gut zu sehen.

Eine alte Kirche bei Borghetto d'Arroscia mit schöner Bemalung
Chiesa di San Pantaleo mit schöner Bemalung

Der kleine Ort Borghetto d’Arroscia liegt abseits der Straße und wirkt sehr verlassen. Er besteht hauptsächlich nur aus einer Straße mit alter Bebauung an den Seiten.

Dennoch lohnt sich der Abstecher, denn hinter dem Ortskern gibt es linkerhand eine sehr alte Brücke über den klaren Fluss Arroscia. Wir haben ein Stück weiter vor einem Forstunternehmen geparkt und sind wieder zur Brücke zurückgelaufen. Nicht nur diese freistehende, sehr filigrane und leider namenlose Bogenbrücke bietet sich als Fotomotiv an. Unterhalb der Brücke kann man sich wunderbar für ein Picknick auf den Felsen im Flussbett aufhalten, die Füße baden und ein wenig sonnen :D Die Brücke hält übrigens beim Drüberlaufen.

Ich kannte die Brücke noch von früher und hatte gehofft, dass ich jetzt durch mein Studium mehr über das Alter der Brücke sagen kann. Leider ist das nicht der Fall, aber ich konnte inzwischen immerhin ergoogeln, dass es sich um eine mittelalterliche Eselsbrücke handelt. Das erklärt die Stufen auf der Oberfläche, die für Wägen kaum passierbar wären.

Mittelalterliche Brücke in Borghetto d'Arrascio
Mittelalterliche Brücke in Borghetto d’Arrascio
Die filigrane Eselsbrücke bei Borghetto d'Arrascio
Die filigrane Eselsbrücke

Pieve di Teco – Vergangener Reichtum unter Arkaden

Noch ein paar Kilometer weiter westwärts liegt der etwas größere Ort Pieve di TecoInformationen zu Geschichte und Kultur). Im späten Mittelalter und in der Neuzeit war Pieve die Teco ein wichtiger Handelsort und ist so zu Reichtum gekommen. Den merkt man dem Städtchen noch an, auch wenn die ehemals reich verzierten Fassaden abblättern.

Pieve di Teco hat eine prägnante historische Hauptstraße, die von hohen bürgerlichen Häusern über zig Arkadenbögen gesäumt wird. Hier befinden sich auch heute noch sehr viele kleine Ladengeschäfte, wo es alles mögliche zu kaufen gibt: Über den täglichen Bedarf zu Kunsthandwerk bis hin zu Outdoor-Equipment. Auch die kleinen, engen Seitengässchen sind einen Blick wert – eigentlich brauche ich das ja kaum noch erwähnen ^^

Hier liegt auch, etwas abgelegen von der Hauptstraße, die Stiftskirche „San Giovanni Battista“ aus dem 18. Jahrhundert. Als schlichtes, gelb verputztes Bauwerk wirkt sie äußerlich eher unauffällig – der Eindruck täuscht aber. Betritt man die Kirche, kommt man in einen Innenraum, den man eher in italienischen Städten erwarten würde, nicht in einem kleinen, kaum 1500 Einwohner großen Örtchen. Mehrere Kuppeln sind ineinander verbaut und alles mit viel Marmor und Stuck reichlich barock verziert. Von innen wirkt die Kirche sehr viel eindrucksvoller als von außen.

Ponte Romano – Eine Brücke mitten im Wald

Nach Pieve die Teco wollten wir eigentlich direkt nach Zuccarello weiterfahren. Zuccarello liegt allerdings im benachbarten Pennavaire-Tal, so dass man erstmal über den dazwischen liegenden Bergrücken fahren muss. Dazu fahren wir wieder einige Kilometer bis hinter Borghetto d’Arroscia zurück und biegen schließlich nach links Richtung Aquila d’Arroscia ab. Nun geht es durch den Wald den Berg hoch.

Um Aquila bieten sich einige sehr schöne Ausblicke auf die Bergdörfer und das Tal. In Aquila d’Arroscia landen wir schließlich an einer T-Kreuzung, an der wir nur nach links oder rechts abbiegen können. Die richtige Wahl ist links, Richtung Caprauna (was hier glaube ich nicht ausgeschildert war :D).

Die Fahrt über den Berg gestaltet sich dann etwas langwierig, weil die Straße sehr eng und kurvig ist und es nicht viel zu sehen gibt. Völlig unverhofft stießen wir aber kurz vor Caprauna in einer Serpentine auf ein Hinweisschild „Ponte Romano“, römische Brücke. Da konnten wir natürlich nicht vorbeifahren. Praktischerweise kann man in der Wegbiegung auch gleich parken. Das Schild wies auf einen schmalen Pfad in den Wald und gab eine Entfernung von 10 Laufminuten an – was übertrieben war. Nach maximal 200 Metern ein Stück den Berg hinunter trafen wir auch gleich auf die – man darf es fast schon sagen – verwunschene alte Brücke der Römer.

Ponte Romano mitten im Wald in Ligurien
Ponte Romano
Alte Brücke ist stabiler als sie aussieht
Hält? Hält!

Es handelt sich dabei um eine gedrungene Bogenbrücke mit ebener Laufoberfläche. Sie ist nur wenige Meter lang, und überspannt von Fels zu Fels den mehrere Meter darunter liegenden Fluss. Der „Ponte Romano“ ist bestens erhalten und steht wie eine 1 – und das seit beinahe 2000 Jahren! Zumindest, wenn die spärliche Information „Ponte Romano“ und die daraus geschlossene Datierung als römisch tatsächlich stimmt. Weitere Informationen dazu gibt es jedenfalls nicht vor Ort.

Die Steine der Brücke sind völlig vermoost und der Laufweg ganz und gar mit Pflanzen bewachsen. Von oben ist die Brücke kaum als von Menschenhand erbaut erkennbar :D

Ponte Romano von oben
Ponte Romano von oben

Eine malerische Brücke im Pennavaire-Tal

Bald nach der Brücke treffen wir glücklicherweise wieder auf eine größere Straße und fahren jetzt weiter Richtung Zuccarello.

Unterwegs kommen wir an mehreren kleinen Ortschaften mit spektakulären Burgruinen vorbei. Leider haben wir uns hier kaum Zeit genommen – hier könnte man also noch viel entdecken :D Jedenfalls ist dieser Wegabschnitt einiges interessanter als der Weg über den Berg durch die Wälder.

Schließlich rücken die Berge an den Talrändern enger zusammen und die steilen Abhänge werden gern von Kletterern zum Abseilen genutzt. Kurz vor einer scharfen Linkskurve, in der man auch am Rand parken kann, sieht man rechts unterhalb der Straße eine weitere beeindruckende alte Bogenbrücke.

Der pittoreske „Ponte San Pietro“, der, wie ich annehme, wieder spätmittelalterlich datiert, überbrückt den Pennavaire mit einem filigranen Bogen. Auf einer Seite der Brücke verläuft noch eine Mauer mit einer aufgesetzten Wasserführung. Offenbar hat da jemand später (?) noch eine Art Aquädukt draufgebaut – das noch immer Wasser führt.

Allerdings bezweifle ich, dass diese Wasserführung tatsächlich (heute noch) einen tieferen Sinn hat. Die Kanalwand hat nach Osten eine größere Bruchstelle, über die das Wasser mehrere Meter tief in den darunterliegenden Fluss fällt und dadurch eine Art künstlichen, aber nett anzuschauenden Wasserfall bildet :D

Ponte San Pietro mit Aquädukt
Ponte San Pietro mit Aquädukt
Ponte San Pietro von der anderen Seite
Ponte San Pietro von der anderen Seite, mit dem künstlichen Wasserfall <3

Dennoch ist diese Kombination aus Bogenbrücke und Aquädukt – das direkt hinter der Brücke ebenfalls selbst den Weg überbrückt, so dass man erst ÜBER einen Bogen und dann UNTER einem Bogen durch marschieren kann :D – ziemlich nett anzuschauen.

Zuccarello – Arkaden, Charme und eine Ruine

Ein paar Kilometer östlich dieser Brücke kommen wir in Martinetto wieder an eine T-Kreuzung, wo wir nach links abbiegen und schon kurz darauf bei Zuccarello angekommen sind.

Das in der Mitte des 12. Jahrhunderts gegründete Zuccarello hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Pieve di Teco: Beide Orte ziehen sich einer von Arkaden gesäumten Hauptstraße entlang, von der einige süße Seitengässchen abzweigen.

Daneben gibt es hier in der Stadt

  • eine schöne alte Bogenbrücke
  • die Kirche San Bartolomeo (nicht ganz so krass wie die in Pieve die Teco, aber auf jeden Fall einen Blick wert!)
  • eine Burgruine über der Stadt, die über einen Mauleselpfad von der Stadt aus erreichbar ist

Touristenerfahrungen

Touristen dürfen nicht in die Stadt einfahren, vor Zuccarello stehen aber kostenlose Parkplätze bereit. Überhaupt hat sich touristisch seit meinem letzten Besuch 2004 einiges getan. Die Gemeinde hat wohl viel Geld in die Hand genommen und damit

  • Bauwerke instand gesetzt
  • einen großen Bildschirm gekauft, über den man interaktiv Informationen zum Ort abrufen kann
  • einige Texttafeln in mehreren Sprachen aufgestellt

Das ist grundsätzlich eine tolle Maßnahme ^^

Lohnt sich die Burg von Zuccarello?

Was ich nicht so toll dabei fand, war, dass zwar das Castello, also die Burg, von der Stadt aus gut beschildert ist und man den Weg problemlos hochgehen kann. Aber wenn man oben ist, steht man vor verschlossenem schmiedeeisernen Tor. Man kann die Burg nur von außen besichtigen.

Grundsätzlich befürworte ich es definitiv, alte Bausubstanzen zu erhalten und zu schützen. Schade ist dann aber, wenn sie dadurch gar nicht mehr besichtigt werden können. Und besonders ärgerlich ist es, wenn die Besucher

  1. mit mehreren Schildern direkt zur Burg verwiesen werden
  2. dort hochklettern
  3. erst dann sehen, dass es dort gar nichts zu sehen gibt!
Ravana beim Aufstieg zum Castello von Zucarello
Aufstieg zur Burg
Castello von Zuccarello
Castello von Zuccarello
Aussicht von Zuccarello (Bild aus 2001)
In Zuccarello (Bild aus 2001)

2004 gingen wir noch ohne Wegweiser hoch zur Burg, die damals völlig verwachsen war. Sie war komplett offen und zugänglich, was für uns schön war. Aber ich dachte schon damals, dass die alten Mauern ernsthaft Schaden nehmen, wenn da nicht bald was passiert. Es führten Treppen ins nicht vorhandene Obergeschoss, und man konnte die Treppen einfach so hochgehen. Ein Bogen, der hoch oben zwei Gebäude verbindet, sah so filigran aus, dass er gleich abstürzen könnte. Heute ist er (zum Glück) gesichert.

Im Turm konnte man 2004 noch Putzreste mit bunter Bemalung an der Wand bewundern. Daher hat sich damals ein Ausflug zur Burg definitiv gelohnt, weil man eine Ruine im ungesicherten Verfallszustand betreten konnte und durch die erhaltenen Bemalungsreste irgendwie direkt in die Vergangenheit befördert wurde.

Bemalungsreste im Burgturm von Zuccarello (2004)
Bemalungsreste im Burgturm (2004)

Heute lohnt es sich nicht, zur Burg zu laufen. Dort stehen keine Infotafeln, der Wildwuchs wurde entfernt und der Zutritt ist versperrt. Allerdings kann es sein, dass die Burg noch besser erschlossen wird. Vielleicht gibt es ja bald Infotafeln und eine Möglichkeit, die Burg zu betreten.

Ansonsten lohnt sich der Aufstieg allenfalls, um einen schönen Blick über die Stadt und das Tal entlang zu erhalten.

Trotzdem – Zuccarello ist auf jeden Fall einen Zwischenstopp wert!

Fazit zur Tour

Im ligurischen Landesinnern gibt es viel zu entdecken. Es gibt wenige Touristen, das macht das ganze aber auch so charmant, da man vieles anschauen und ohne Probleme betreten kann. Man sieht wirklich viel Ursprüngliches :D In Italien legt man abseits typischer Touristenattraktionen nicht soooo viel Wert auf die Erhaltung historischer Denkmäler. Das ist schade für die Denkmäler, die so immer mehr verfallen. Auch in Pieve di Teco ist der Verfall in Form von abblätterndem Putz oder verblassenden bunten Farben überall zu spüren.

Doch andererseits macht gerade dieser Verfall manche Orte so authentisch. Für den Massentourismus könnte man alles ausschlachten und diese niedlichen kleinen Brücken einzäunen, sichern und mit Eintrittsgeldern belegen. Man könnte die Häuser neu streichen und verblassende Malereien wieder zum Strahlen bringen. Ich bin hier wirklich hin und hergerissen:

  • Lieber den ursprünglichen Zustand sehen und erleben, mit der Möglichkeit, dass alles verfällt und vergeht?
  • Oder lieber Rekonstruktionen und gesicherte Bausubstanzen, gefördert mit Eintrittsgeldern, die alles erhalten?

Schöner für uns ist ersteres.. – Langfristig besser wäre wohl zweiteres. Ich bin jedenfalls froh, dass im Moment vieles noch „einfach so“ zu bewundern ist und hoffe, dass Ligurien vom Massentourismus verschont wird!

Jedenfalls, wie oben schon gesagt: Wer völlig planlos, aber mit offenen Augen in der Gegend herumfährt, wird viel Schönes sehen und sich irgendwann wundern, wie die Zeit so schnell vergehen konnte! Meine vorgestellten Stopps sind also nur empfehlenswerte Eckpunkte für eine Tour.

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