„Unheimliches Phänomen“ – Dämlicher Artikel incoming!

Dieser sonnige Sonntagmorgen wird mir versüß-bittert durch die Lektüre dieses seriösen, in der Kategorie „Wissenschaft“ veröffentlichten Artikels auf welt.de: Unheimliches Phänomen – „Schwarzer Mond“ verdunkelt Nacht zu Halloween.

Ein gutes Beispiel für „Ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll“. Wie armselig und traurig es ist, so einen Artikel veröffentlichen zu müssen, als ob es nichts Spannenderes gäbe, über das man berichten könnte. Oben drüber steht, dass es drei Minuten dauert, diesen Schmarrn zu lesen – man sollte das Magazin für den Diebstahl von Lebenszeit in Grund und Boden verklagen. Andererseits ist es schon fast bewundernswert, wie die Autorin aus dem monatlichen Neumond zusammen mit einer blöden Kalenderspielerei ein „unheimliches Phänomen“, ein „seltenes Naturschauspiel“ und eine „Verdunklung der westlichen Hemisphäre“ ableitet und dazu auch noch den deswegen befürchteten Weltuntergang unterbringt. Bravourös! Der Wahnsinn greift um sich, manchmal möchte man den Planeten Erde und seine Einwohner einfach verlassen und lieber auf einer einsamen Basis auf der dunklen Seite des Mondes leben.

Übertroffen wird dieser Artikel nur noch von der Flut an Meldungen über die Trennung irgendeines nichtsnutzigen, für mich bislang nichtexistenten deutschen D-Promipaares, die derzeit die Nachrichtenseiten im Internet überschwemmen.

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Naja, kommen wir mal zur Sache. Ich sah die Überschrift des Artikels und fragte mich „Wtf? Was soll das denn sein, etwa Neumond?“. In der Tat, es geht um den Neumond. Es ist ja nun so, dass der Mond um die Erde kreist und dafür knapp 30 Tage braucht. Befindet er sich auf der sonnenfernen Seite der Erde, sehen wir ihn großflächig von der Sonne angestrahlt und wir haben Vollmond. Bewegt er sich von uns aus gesehen auf die sonnennahe Seite, steht er gewissermaßen zwischen uns und der Sonne und wir sehen nur die Rückseite, die natürlich kein Sonnenlicht abbekommt. Dadurch ist der Mond im Grunde unsichtbar – das nennt man dann Neumond. Einfache Erklärung und nun wirklich keine neue Erkenntnis – und schon gar kein seltenes Naturphänomen.

Die „Sensation“ in diesem selten dämlichen Artikel ist nun, dass der Neumonad ZWEIMAL im Oktober zu sehen ist: Am 1. und am 31. Oktober. Klar – wenn der Mond knapp 30 Tage braucht, um einmal um die Erde zu kreisen, kann es schon passieren, dass er in einem 31 Tage dauernden Monat zweimal zu sehen ist. Das ist dann ein unheimliches Phänomen und könnte „nach einigen Verschwörungstheoretikern“ ein Hinweis auf die kommende Apokalypse sein.

Sowas kommt dabei raus, wenn irgendein Chefredakteur meint, dass mal wieder was „Wissenschaftliches“ gepostet werden muss und die Meldung „In diesem Oktober wird der Mond zweimal unsichtbar, weil der erste Neumond auf den 1.10. gefallen ist und seither 30 Tage vergangen sind“ ein wenig zu unspektakulär klingt. Möchte man dann lieber den Chefredakteur oder die Gesellschaft erschießen, die eine ständige Flut an Sensationsnachrichten erwartet?

Nun muss ich aber doch näher auf diesen Quotenfänger-Artikel eingehen (und helfe so sogar noch dabei, Klicks zu sammeln.. aaaah..).

Halloween wird in diesem Jahr besonders gruselig.

Vielleicht wegen der aggressiven Horror-Clowns, die derzeit ständig Leute erschrecken oder sogar angreifen?

Denn das Fest des Herbstes, der Kürbisse und Verkleidungen wird in diesem Jahr von einem seltenen Naturschauspiel begleitet: dem „Schwarzen Mond“.

ES IST KEIN VERDAMMTES NATURSCHAUSPIEL, WENN DIESE „SELTENHEIT“ SICH AUFGRUND DES DURCH MENSCHEN FESTGELEGTEN KALENDERS ERGIBT!!! AAAaaaaahaahahahahaaaaaaa!!

In der Nacht zum 31. Oktober verdunkelt er die westliche Hemisphäre.

Der Mond verdunkelt doch nichts! Er ist einfach nur nicht zu sehen! Er verdunkelt tatsächlich während einer Sonnenfinsternis, wenn der Schatten des Mondes auf die Erde fällt und es dadurch dunkel wird. Wenn ich abends im Bett meine Nachttischlampe ausschalte, dann verdunkelt doch die ausgeschaltete Nachttischlampe nicht den Raum, sondern er IST halt dunkel… Gott. Gott, bitte mach, dass es aufhört!

Das Himmelsphänomen ist sehr selten und hat Auswirkungen auf den Sternenhimmel.

Gemeint ist: Mond nicht zu sehen -> Sterne besser erkennbar, da weniger Licht am Himmel.
Suggeriert wird: OMG DIESES PHÄNOMEN IST SO SELTEN UND BESONDERS, DASS DADURCH DIE STERNENKONSTELLATIONEN DURCHEINANDER GERATEN UND PLANETEN VON IHREN BAHNEN FLIEGEN! WIR SIND VERLOREN!

Denn der Mond versinkt zu diesem Zeitpunkt in Dunkelheit.

An Dramatik nicht zu übertreffen. Bravo!

Bei jedem Neumond verschwindet der Himmelskörper zwischen der Erde und der Sonne – und erneuert sich augenscheinlich.

Soweit so gut.. Aber er erneuert sich augenscheinlich? Hä? Ja, ok? Wieso das? Ok, frühe Himmelsbeobachter konnten sich die Mondphasen – immer voller, ganz rund, immer abnehmender, weg – nur als Zyklus mit „Neugeburt“, also Neumond, erklären. Aber hier wirkt dieses Satzanhängsel mit der „augenscheinlichen Erneuerung“ einfach dumm und überflüssig..

Doch nicht jeder Neumond ist zugleich ein „Schwarzer Mond“.

So, nun folgt dann also die fundierte Erklärung, warum dieser „Schwarze Mond“ so besonders sei.

Aber erstmal kommt die Zwischenüberschrift: „Die Angst der Verschwörungstheoretiker vor dem Weltuntergang
Ernsthaft….?

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Definition zwar nicht eindeutig geklärt.

Oho, wissenschaftlich – klar, muss ja, der Artikel erscheint ja in der Rubrik „Wissenschaft“. An diesem ungeklärten Phönomen sitzen also Forscher dran, rätseln über die merkwürdigen Ursachen, blicken durch ihre Teleskope, schreiben eifrig Zahlenkolonnen auf, publizieren in Fachblättern, und unsere fleißge Artikelautorin hat sich durch diesen Wust an unverständlichen Traktaten gewühlt, gewissenhaft nachgeschlagen und präsentiert nun die Zusammenfassung ihrer Erkenntnisse. Wir sind gespannt!

Die am weitesten verbreitetste Definition besagt, dass es zu einem “Schwarzen Mond“ kommt, wenn es durchschnittlich alle 29,53 Tage einen Neumond gibt. Normalerweise gibt es pro Monat einen Vollmond und einen Neumond. Manchmal passt der Mondkalender jedoch nicht mit der gängigen Zählweise überein und dann gibt es entweder keinen oder mehrere. Im Oktober gab es den ersten Neumond am 1., der zweite folgt nun am 31.

Nein! Mein Gott! Sag bloß! Das rechtfertigt unbedingt die reißerische Überschrift des Artikels! Nein, nicht nur das, das rechtfertigt DIESEN GESAMTEN ARTIKEL!!

Schon der Ausdruck „es kommt zu einem „Schwarzen Mond“ suggeriert, dass dieser „Schwarze Mond“ irgendwie erkennbar sein muss oder irgendeine Auswirkung hat. Weder noch, die Erklärung sagt nur, dass ein zweiter Neumond im Monat „Schwarzer Mond“ genannt wird, ohne dass das ohne Kalender nachzuvollziehen sei.

Auch andere Definitionen sind im Umlauf. Etwa, dass es nur alle 19 Jahre zu einem „Schwarzen Mond“ kommt, wenn es im Februar keinen Vollmond gibt. Oder dass der Begriff generell die erste Phase des Mondzyklus beschreibt, wenn der Mond sich auf derselben ekliptikalen Länge der Sonne befindet.

Ein Fall für Galileo Mystery! Investigativer Journalismus ist gefragt, man muss dem Rätsel auf die Spur kommen, warum dieser „Schwarze Mond“ gerade mit Halloween zusammenfällt – vielleicht gab es womöglich im Februar gar keinen Neumond? Deswegen ist unser aktueller Mond ganz besonders „schwarz“ und unheimlich. Er schämt sich nämlich, weil er alle 19 Jahre im Februar verschläft.

Nett übrigens auch die Taktik mit der ekliptikalen Länge, die sicher weder die Autorin verstanden hat, noch der Leser des Artikels. Ich weiss, was die Ekliptik ist, habe aber keinen blassen Schimmer davon, was die Dame mit der Formulierung genau ausdrücken will.

Verschwörungstheoretiker bringen das Naturschauspiel mit der Apokalypse in Verbindung. Dabei berufen sie sich auf verschiedene Bibelstellen im Lukas-Evangelium, in denen es heißt, es würden Zeichen an Mond, Sonne und Sternen sichtbar werden.

Der Lukas im Evangelium hat ganz sicher damit Fälle wie diesen eingeschlossen, wenn wir sowohl am 1. als auch am 31. Oktober Neumond haben.

Lukas blickte denn hinauf zum dunklen Nachthimmel, spähte nach dem Monde und fand ihn nicht. Und er sprach sodann: „Geez! Nach Julius Caesar – R.I.P. – haben wir heute den 31. Oktober. WTF, auch am 1. Oktober war der Mond weg. OMG, die Welt wird den Bach runtergehen, soviel ist sicher.“ Dies notierte er auf einem Wachstäfelchen und seither ward sein Wort überliefert, auf dass die Menschen gewarnt seien vor der Bestrafung für ihre Sünden durch Gott, unseren Herrn.
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Auch ein Gegenphänomen für den „Schwarzen Mond“ existiert: der „Blaue Mond“. Von ihm wird gesprochen, wenn zwei Vollmonde im selben Monat vorkommen.

Na dann. Tatsächlich blöd wirds, wenn der Mond sich an drei aufeinanderfolgenden Tagen von schwarz nach blau verfärbt, anschließend rosa Herzchen entwickelt und dann ein Schachbrettmuster bildet. Ist außerdem schon mal jemandem aufgefallen, dass das Wort „APOKALYPSE“ erscheint, wenn man beim Wort „MOND“ ein paar Buchstaben auswechselt und ein paar ergänzt? Und es kann übrigens auch kein Zufall sein, dass Wasser ausgerechnet bei 100° kocht und bei 0° gefriert..! Solche geraden Zahlen können doch nicht einfach so in der Natur vorkommen!

[Nachtrag: Grad fertig mit dem Posting hier, da seh ich auch noch diesen Artikel auf dem Portal der Osnabrücker Zeitung: Gruselfaktor zu Halloween: Schwarzer Mond am Nachthimmel, der im Grunde identisch ist. „In der Halloween-Nacht vom 31.Oktober zum 1.November 2016 geht es auch am Himmel schaurig zu: Denn am Himmel steht ausgerechnet in der Gruselnacht der Schwarze Mond (Black Moon). Verschwörungstheoretiker warnen vor dem Weltuntergang.“ -.-]

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