Zur katastrophalen Düngemittelexplosion in Ludwigshafen im Jahre 1921

Wer hat nicht die riesige Explosion im Hafen von Beirut vor zwei Tagen gesehen? Dramatisch und unvorstellbar. Dabei gab es hier bei uns vor fast 100 Jahren, nämlich am 21. September 1921, eine ähnliche Explosion. In Oppau, heute Stadtteil von Ludwigshafen bei Mannheim, explodierten in einem Stickstoffwerk der BASF, heute der größte Chemiekonzern der Welt, früher als Badische Anilin- und Sodafabrik bekannt, rund 400 Tonnen Ammoniumsulfatnitrat, ein Düngemittel.

Explosionskrater von Oppau 1921
Explosionskrater von Oppau, Quelle: Wikipedia (Public Domain)

567 Tote waren die Folge, dazu natürlich im weiten Umkreis zerstörte und beschädigte Gebäude. So zersplitterten auch im rund 70 km entfernten Frankfurt am Main noch Fensterscheiben. Über das Unglück könnt ihr beispielsweise im Wikipedia-Artikel mehr lesen.

Ich hab in ein paar Zeitungen aus dieser Zeit geschaut und einige Meldungen rausgeschrieben, die ihr euch unten durchlesen könnt.

In den Meldungen unten wird immer wieder die französische Besatzungsmacht erwähnt. Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Rheingebiet nicht nur entmilitarisiert, sondern auch unter französische Besatzung gestellt. Sie hielt in Rheinland-Pfalz bis 1930 an. Ludwigsburg und die Badische Anilin- und Sodafabrik befanden sich auf der französisch besetzten Seite, das auf der gegenüberliegende Rheinseite gelegene Mannheim jedoch schon nicht mehr.

Google Maps

Diese Karte ist aufgrund deiner Datenschutzeinstellungen gesperrt. Wenn du sie lädst, akzeptierst du die Datenschutzeinstellungen von Google Maps.
Mehr erfahren

Karte laden

Am Tag der Explosion erscheinen in den Abendausgaben der großen Zeitungen schon erste umfangreiche Berichte zur Katastrophe. So auch in der Berliner „Vossischen Zeitung“ vom 21. September 1921. Sie brachte auf dem Titelblatt und S. 2 mehrere Meldungen dazu. Ein paar davon könnt ihr unten nachlesen.

Das Oppauer Stickstoffwerk explodiert.

Die größte Industrie-Katastrophe des Kontinents. – 800 Tote und Verwundete. – Zerstörungswirkungen in 80 km. Umkreis.

Von der größten Explosionskatastrophe, die sich in Deutschland ereignet hat, sind heute früh die Badischen Anilin- und Sodawerke in Ludwigshafen betroffen worden. Das in der pfälzischen Ortschaft Oppau gelegene Werk ist in die Luft geflogen. Etwa 800 Arbeiter, die in dem Gebäude beschäftigt waren, sind nach den bisherigen Meldungen ums Leben gekommen. Über die Ursache der Explosion und ihre Wirkung gehen uns folgende Drahtmeldungen zu:

Ludwigshafen, 21. September.

Heute morgen kurz nach 7 Uhr 30 ereigneten sich im Oppauer Werk der Badischen Anilin- und Sodafabrik im Laboratorium 53 zwei schwere Explosionen. Das ganze Gebäude wurde durch den Luftdruck emporgehoben und stürzte in sich zusammen. In dem Gebäude waren etwa 800 Mitarbeiter beschäftigt, von denen keiner mit dem Leben davongekommen ist.

Durch den Luftdruck sind in der weiteren Umgebung von Mannheim bis Heidelberg zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert worden. In Mannheim, das vom Explosionsherd weit entfernt ist, sind bis jetzt 1 Toter, 36 Schwer- und 20 Leichtverletzte festgestellt worden. Sämtliche Lazarette un Mannheim und Ludwigshafen sind von Verwundeten überfüllt. Die Erregung in Mannheim und den Orten der Umgebung ist ungeheuer. Die Schulen wurden sofort geschlossen. Das ganze Geschäftsleben ist ins Stocken geraten.

Besonders hart ist in Mannheim der Stadtteil Sandhofen in Mitleidenschaft gezogen worden, der dem Explosionsherd gegenüberliegt. In den Hauptgeschäftsstraßen liegen die Scherben der Schaufenster fußhoch. Die Verwundungen sind ausschließlich nur durch Splitterwirkung herbeigeführt. Der Telefonverkehr von Mannheim nach auswärts war bis ½ 11 Uhr vormittags gestört.

Über die Ursache der Explosion ist noch nichts zu erfahren. Die Unglücksstätte ist in undurchdringlichen Rauch gehüllt. Ein Vordringen, um einen Überblick zu gewinnen, ist noch gar nicht möglich. Sämtliche Feuerwehren, starke Polizeiaufgebote der Schutzmannschaft und Sicherheitswehr sind in der Nähe der Unglücksstelle und versuchen, mit Rauchmasken ausgerüstet, näherzukommen. Die Ausdehnung des Unglücks in Oppau ist furchtbar. Es fehlt vor allem an Transportmitteln für die Verwundeten.

Mannheim, 21. September.

Heute morgen gegen ½ 8 Uhr erfolgten kurz hintereinander zwei außerordentlich starke Explosionen, verbunden mit einer gewaltigen Erderschütterung, die weit in der Umgebung verspürt wurde, so in Mainz, Heidelberg, Schwetzingen, Cronstadt, Frankenthal, Ludwigshafen usw., wo überall Sachschaden angerichtet wurde. Auf der Ostseite der Häuser wurden zahlreiche Fensterscheiben durch den Luftdruck eingedrückt, Rolläden heruntergerissen, Fensterflügel gewaltsam geöffnet und leichteres Material, wie Schreibmaschinen, von den Tischen heruntergeschleudert. Die amtlichen Stellen geben auf Anfragen keine Antwort.

Auch wurde zeitweise wegen der drohenden Gefahr der Wiederholung der Explosionen das Telefon hier und in Ludwigshafen gesperrt.

Wie wir feststellen konnten, hat beim Schichtwechsel in der Badischen Anilinfabrik in Oppau, wo die besonders explosionsgefährlichen Stickstoffverbindungen hergestellt werden, eine Explosion stattgefunden. Der Sachschaden ist ungeheuer. Die Zahl der Toten und Verwundeten geht in die Hunderte, konnte aber bisher auch nicht annähernd festgestellt werden. Alle verfügbaren Transportmittel wurden an die Unglücksstelle beordert, um die Verwundeten zu bergen. Die Unglücksstelle ist abgesperrt. Die französische Besatzung in Ludwigshafen hat ihre Pferde nach Mundenheim abtransportiert und soll sich alarmbereit halten.

Nach einer Meldung handelt es sich um die Explosion des Gaskessels im Bau 48 des Oppauer Werkes, nach einer anderen Person um die von Spritkesseln der Oppauer Spritwerke.

Mannheim, 21. September.

Die Ursache der Explosion ist noch nicht ermittelt. Die Folgen sind entsetzlich. Drei Arbeiterzüge, die bei dem Schwichtwechsel gegen 8 Uhr zu verkehren hatten, wurden unter den Trümmern begraben.

An den Wohnhäusern in Oppau und Ludwigshafen ist keine Scheibe mehr ganz. Viele Wohnungen wurden zerstört und zahlreiche Treppenhäuser sind eingestürzt. Leute, die sich auf der Straße befanden, wurden durch herabfallende Trümmer verletzt, so dass in Ludwigshafen die Krankenhäuser überfüllt sind und zahlreiche Verwundete nach Mannheim geschafft werden müssen, so dass auch dort bereits ein Platzmangel in den Krankenhäusern eingetreten ist.

Sanitätsautos fahren ununterbrochen über die Rheinbrücke von Ludwigshafen nach Mannheim. Viele Schulkinder in Oppau wurden auf dem Weg zur Schule schwer verletzt. Ludwigshafen gleicht einem Kriegsschauplatz. Die Zahl der Toten konnte noch nicht ermittelt werden. Man spricht von 1000 Todesopfern.

Ferner wird von der Unglücksstätte berichtet, dass drei Gaskessel brennen und die Gefahr besteht, dass auch diese explodieren werden. Die Explosion war so stark, dass Transmissionen von 10 Zentnern von Ludwigshafen nach Mannheim geschleudert wurden. In Oppau und Ludwigshafen wurden durch die Gewalt der Explosion auch zahlreiche Dächer abgedeckt. In einzelnen Straßen Ludwigshafens liegen die Glasscheiben fußhoch.

Frankfurt a. M., 21. September.

Auch hier hat das Oppauer Explosionsunglück erheblichen Sachschaden angerichtet, vielfach flogen große Erkerscheiben durch den starken Luftdruck hinaus. Nach einer Meldung der „Frankfurter Zeitung“ aus Ludwigshafen war die Erschütterung so groß, dass in Oppau und im Umkreise von zwei bis drei Stunden keine Fensterscheibe mehr ganz ist. Das Dorf Oppau ist fast vollständig zerstört; die Verwüstung ist grauenhaft. Hunderte von Toten und Verwundeten liegen umher. Tausende von Menschen flüchteten nach der Stadt. […]

Mannheim, 21. September.

[…]

Bereits vor 8 Uhr machten sich die Auswirkungen des Unglücks an der Rheinbrücke nach Ludwigshafen bemerkbar. Die Straßenbahnen stauten sich und mussten durch Menschenkraft vorgeschoben werden, damit Gefährte die Brücke passieren konnten. […]

Als man weiter kam in der Richtung der Anilinfabrik, begegnete man bereits den ersten Leichtverwundeten. Sie hatten zum Teil blutüberstömte Gesichter und waren noch nicht verbunden. Dann kamen die ersten notdürftig verbundenen Verletzten. Teilweise wurden sie gestützt und geführt. Am Eingang zur Ludwigshafener Anilinfabrik bot sich ein grauenvolles Bild. In Zügen waren die Verwundeten von Oppau bereits nach dort geschafft worden. Auch Tote trug man in Bahren fort. Die von Oppau zurückgekehrten, dem Unglück Entronnenen waren auch, wenn sie nicht verwundet waren, mit einer Schmutzschicht bedeckt. Sie waren im Arbeitsanzug, so wie sie sich von der Unglücksstätte flüchten konnten.

[…] Angehörige drängten sich an den Eingängen und versuchten, von Zurückkehrenden Aufschluss über den Verbleib ihrer Familienmitglieder zu erhalten. Es spielten sich herzzerreißende Szenen ab.

Es war das Gerücht verbreitet, dass weitere Explosionen zu befürchten seien. Trotzdem eilten hilfsbereite Ärzte, Aufräumungsmannschaften, Feuerwehrleute, Polizeimannschaften usw. mit den leeren Hilfszügen der Unglücksstätte entgegen. Durch Mitteilung der Direktion ist inzwischen bekanntgegeben worden, dass weitere Explosionen nicht zu befürchten seien.

Auch in Mannheim waren in den ersten Stunden in vielen Betrieben die Menschen ins Freie beordert worden, so auch die Beamtinnen des Telefonamtes, was eine Unterbrechung des Telefonverkehrs in Mannheim zur Folge hatte, und die Schulen und viele Geschäfte. Desgleichen sind viele große Werke geschlossen worden. Ganze Familien hatten in Hast ihre Wohnungen, die an vielen Stellen beschädigt worden sind, verlassen, und hielten sich im Freien auf. […]

Vossische Zeitung (Berlin), Abendausgabe des 21. September 1921, S. 1f, Quelle

Der Rosenheimer Anzeiger in Bayern bringt erst am Tag nach dem Unglück verschiedenen Meldungen zur Düngemittelexplosion. Auch hier wieder ein Auszug. Vieles davon haben wir schon gelesen, aber es ist auch zu sehen, wie unsicher die Erkenntnislage ist. Es gibt keine Klarheiten über Opferzahlen und darüber, was überhaupt genau passiert ist.

Das Massenunglück von Ludwigshafen

Hunderte von Personen getötet. – Ludwigshafen gleicht einem Kriegsschauplatz. Tote auch in Mannheim

Mannheim, 22. Sept. (Drahtb[ericht].) Die 9 Gasometer des zerstörten Werkes sind vollständig verschwunden. Jeder einzelne enthielt 50.000 Kubikmeter Gas. In allen Ludwigshafener Schulen sind Notlazarette eingerichtet. Die Zahl der Toten ist nach den letzten Ermittlungen auf ungefähr 800 gestiegen. Die Ortsgruppen Mannheim und Darmstadt der Technischen Nothilfe haben sofort nach dem Unglück ihre Hilfe angeboten. Die französische Besatzungsbehörde hat aber den Einsatz dieser Organisationen abgelehnt. Nach dem Bericht von Augenzeugen haben in einem Teil des Oppauer Werkes die Toten buchstäblich in Haufen gelegen. Die ganze Luft ist von Ammoniakdünsten angefüllt. Es muss mit Gasmasken gearbeitet werden. Unter den Opfern sind sehr viele Kinder.

Mannheim, 21. Sept. Augenzeugen erzählten, dass sie zuerst ein blitzartiges Aufleuchten und dann eine schwarze riesige Rauchwolke in die Höhe steigen sahen, der eine furchtbare Detonation folgte. In Ludwigshafen soll es grauenhaft aussehen. Die Opfer liegen noch unter den Trümmern. Eine große Anzahl Häuser ist zerstört, andere sind vollständig abgedeckt und stehen schief. Hunderte von Leichtverletzten befinden sich in den Straßen Mannheims. Viele Frauen sich in Verzweiflung ihre Männer. Ganze Eisenbahnzüge wurden aus den Geleisen gehoben. In diesen Zügen sollen Dutzende von Leichen und Verwundete liegen. Auch in Mannheim bietet sich ein trauriger Anblick, Fensterscheiben und zahlreiche Schaufenster sind zertrümmert und liegen auf den Straßen, Fensterläden und Rahmen hängen von den Häusern herunter. Auch das Schloss und das Nationaltheater sollen schwer beschädigt sein.

Mannheim, 21. Sept. In Mannheim machte die Katastrophe im ersten Augenblick den Eindruck eines Erdbebens. Kurz nach ½ 8 Uhr erfolgte der erste Schlag, etwa 2 Sekunden, der zweite Schlag, der bei weitem stärker war. Der Luftdruck war so ungeheuer, dass der Erdboden in Bewegung geriet und mit wellenartigem Ruck in die Höhe gehoben wurde. Die Bewohner von Mannheim glaubten im ersten Augenblick, dass alles durch ein Erdbeben in Trümmer gelegt wurden. Die Straßen waren in Staubwolken gehüllt. Die volle Wucht des Luftdrucks traf auch das Schloss, das in breiter Front der Stadt vorgelagert ist und so größeren Schaden abgehalten hat, den sonst einzelne Stadtteile erlitten hätten. Umso schwerer und größer sind die Beschädigungen, die das Schloss selbst erlitten hat.

[…]

Wie man weiter erfährt, hat das Oppauer Werk zur verhängnisvollen Zeit 820 Arbeiter beschäftigt, über deren Schicksal noch nichts bekannt ist. In Worms wurde ebenfalls großer Schaden angerichtet. In einer Schule wurden die Fensterscheiben vollständig zerstört.

Mannheim, 21. Sept. Die Arbeiter, die gerade im Zuge in die Fabrik einfuhren, erlitten alle mehr oder minder schwere Verwundungen. Was in der Fabrik selbst sich ereignete, lässt sich in Schilderungen nicht wiedergeben. Die Arbeiter stürzten blutüberströmt aus dem Oppauer Werk. Manche sind mit leichten Glas- oder Steinsplitterverletzungen davongekommen; andere haben Arme, Beine und Augen eingebüßt. Oppau selbst ist vollständig zerstört. Die Häuser sind abgedeckt und halb zum Einsturz gebracht. Hunderte von Frauen und Kindern belagern das Oppauer Werk und warten auf Männer und Väter, die zur Zeit des Unglückes in der Fabrik beschäftigt waren.

Von einem Zeugen wird noch folgende Schilderung gegeben: Ich war im Begriffe beim Schichtwechsel die Fabrik zu verlassen, als die Explosion erfolgte, durch die ich mit anderen Kameraden zu Boden geschleudert wurde. Die Luft verdunkelte sich durch den aufgewirbelten Staub zur Nacht, sodass wir uns durch Kriechen auf dem Boden retten mussten. Als es wieder hell wurde, sahen wir, dass der ganze Bau brannte und dass alle übrigen Bauten in einen Trümmerhaufen verwandelt waren.

Oppau ist vollständig zerstört. Das Werk selbst liegt völlig in Trümmern; nur die Schornsteine stehen noch. Die Gebäude sind nur noch Mauern. Viele Arbeiter wurden durch den Luftdruck getötet; teils durch den Einsturz der Gebäude schwer verletzt. Die Verwundungen sind fürchterlicher Natur. Der Luftdruck war so stark, dass der Boden bebte und die Arbeiter teilweise mehrere Meter weit geschleudert wurden. Auch das städt. Wasserwerk hat durch den Luftdruck schwer gelitten.

Rosenheimer Anzeiger am 22. September 1921, S. 2, Quelle

Auch am Folgetag, also am 23. September, gibt es im Rosenheimer Anzeiger wieder einige gesammelte Meldungen. Teilweise beziehen sie sich auf Meldungen aus anderen Zeitungen, etwa aus Berlin. Unten nur eine einzige Meldung aus der Ausgabe, mehr könnt ihr direkt in der Zeitung lesen :D

Die Katastrophe in Oppau

Mannheim, 22. Sept. Wie unser Berichterstatter meldet, bildet das Dorf Oppau, das 6500 Einwohner zähl, ein Bild schrecklicher Verwüstung. Mehrere Personen wurden getötet, eine große Anzahl Menschen verletzt. Durch die Straßen Oppaus bewegen sich ununterbrochen Lastautomobile mit Rettungsmannschaften. Im weiten Umkreis um die Unglücksstelle sind zertrümmerte Maschinenteile verteilt, Grabsteine wurden aus dem Friedhof [heraus?]geschleudert und die Leichenhalle zerstört.

Gendamerie aus der Pfalz, französische Besatzungstruppen und Polizei sperren die Unglücksstelle ab. Nach anderen Meldungen soll die Explosion im Kesselhaus 92 ausgebrochen sein. Im Oppauer Werk waren zur Zeit der Explosion etwa 6000 Arbeiter beschäftigt. Die Ursache der Explosion ist noch nicht definitiv festgestellt. Aus Mannheim wurden gestern Abend ein Toter, sowie 35 Schwer- und 200 Leichtverletzte amtlich gemeldet. Das Nationaltheater sagte für gestern Abend die Vorstellung ab, ebenso alle übrigen Vergnügungsstätten. Die Frühgottesdienste in den katholischen Kirchen mussten zum Teil ausfallen, da auch Kirchen beider Konfessionen beschädigt wurden.

Ein ununterbrochener Zug von Krankenwagen und mit Stroh belegten Lastwagen zur Aufnahme der Verwundeten ging über die Brücke. Die Franzosen üben eine scharfe Kontrolle aus und haben die ganze Unglückstelle in weitem Umfang abgesperrt. In der Nähe derselben liegen noch überall gräßlich zugerichtete Leichenteile, verstümmelte Köpfe und Gliedmaßen. Aus dem Zeughaus von Mannheim wurden Hunderte von Särgen nach Ludwigshafen abgerollt.

Rosenheimer Anzeiger am 23. September 1921, S. 1, Quelle
Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.