Auf den Spuren der Vergangenheit

Aus Anlass einer Reise nach Braunschweig (und Berlin) vor zwei Wochen gibt es heute mal ein klein wenig Familiengeschichte und Fotos im Zusammenhang mit einem „musealem Phänomen“.

Rückschau

Zur Zeit wohne ich bei Heidelberg, zuvor habe ich bei Dortmund mein Abitur nachgeholt. Wirklich aufgewachsen bin ich jedoch etwas südlich von Stuttgart – jedoch erst ab zwei Jahren. Geboren wurde ich in Siegen (NRW), von wo meine Mutter stammt. Hier lernte sie meinen Vater kennen, der aus einem winzigen Dorf namens Barmke in Niedersachsen direkt (westlich) der ehemaligen innerdeutschen Grenze kommt.
Man kommt also durchaus gut in Deutschland rum, wenn man Verwandte besuchen will :D (Ganz zu schweigen vom Onkel in Bremen und meiner Schwester, die seit einem Semester in Hamburg studiert).

Jedenfalls – in Barmke hatten meine Großeltern einen kleinen Bauernhof. Nicht wirklich kommerziell, aber sie versorgten sich damit selbst. Ein paar Schafe, ab und zu Schweine, Hühner, Bienen, Felder mit Kartoffeln und ich glaube Rüben, und einen großen Obst- und Gemüsegarten.

Das Konzept des Selbstversorgens finde ich absolut faszinierend und bewundernswert: heute, wo der eine Gammelfleischskandal den nächsten jagt und Bio-Obst und -Gemüse in aller Munde ist. Früher hat man das selbst angebaut, und fertig. Und ich kann nicht mal Marmelade kochen, ein Drama.

Wir besuchten Oma und Opa im Barmke recht oft und vor allem sehr gern. So ein Bauernhof auf dem Lande, da gibt es viel zu erleben. Ich war fast lieber dort als bei uns zu Hause :D
Es ist wirklich phänomenal, wie viele Erinnerungsfetzen ich an diese Zeit habe, auch an die kleinsten Kleinigkeiten.

Ein leerstehendes Haus

Leider starben Oma und Opa bereits sehr früh im Alter von um die 60, Oma Ende 1990, Opa nur wenige Monate später Ostern 1991. Das Haus ging an meine Tante in Braunschweig, und sie tat damit etwas absolut faszinierendes: so gut wie nichts. Es wurde weder verkauft noch vermietet noch abgerissen noch abgetragen, noch zog sonst jemand ein. Sie und ihr Mann ließen es auch nicht verfallen, sondern sie haben seit über 20 Jahren sozusagen das Wochenend-Hobby, ein bisschen dort herumzurenovieren.

Seit dem Tod meiner Großeltern war ich natürlich nicht mehr so oft dort – es liegt ja auch nicht gerade auf dem Weg :D Auch wenn mir das Haus wegen der schönen Kindheitserinnerungen unglaublich am Herzen liegt. Nach einigen Jahren Abstinenz fuhr ich 2004 mal hin. Und danach Anfang April 2013 :D

Weil meine Tante mit dem Renovieren nicht sooo schnell ist, ist das Innenleben des Hauses teilweise fast noch unverändert. Von der Retro-Tapete aus den 50ern oder 60ern über die Deutschlandkarte ohne die „DDR“ und einem Bauernkalender von 1990. Auch viele Möbel und Spielsachen von früher sind noch aufzufinden. Das ganze Haus hat im Grunde einen gewissen Museumscharakter. Ich habe von jeder Ecke Fotos gemacht, um die Erinnerung gut aufzubewahren :D So ein schönes Haus, so ein großes Grundstück, direkt am Dorfrand gelegen, mit toller Aussicht.

Und nun folgen einige Vergleichsfotos von früher und heute :D

Die Stube und der Bilderrahmen

Die „gute Stube“, ein kleiner Raum mit Ölofen in der Ecke. Nur der Ofen ist weg, sonst wurde am Raum nichts gemacht.

Retro-Tapete in der Stube (natürlich nicht Retro, sondern Original :D)
Retro-Tapete in der Stube (natürlich nicht Retro, sondern Original :D)
Fotorahmen in der Stube
Fotorahmen in der Stube

Hier hängt dieser Bilderrahmen und der Wonneproppen bin ich (außer dem Zwerg auf dem Klo, das ist mein Cousin, er promoviert derzeit in Maschinenbau soweit ich weiß). Finde die Einzelheiten von früher auf den Bildern von heute:

Küche und Esszimmer
Küche und Esszimmer
Schaukelpferd, natürlich selbst gebaut von Opa
Schaukelpferd, natürlich selbst gebaut von Opa

Küche und zugleich Esszimmer

Hier haben Generationen von Kindern mit Bauklötzchen gespielt, es gab lecker Ente und ich wusste das erste Mal frischen Spargel zu schätzen. Die Küche ist übrigens auch oben schon zu sehen.
Auf dem Bild ist mein Bruder (vorne), meine Cousine (hinten links), meine Oma leider ohne Kopf und ich mit leckerem Kamm zu sehen.

Oma und drei ihrer Enkel
Oma und drei ihrer Enkel
Die Küche heute
Die Küche heute

Im Hof

Im Hof zwischen Stall und Haus. Wer liebt alle Katzen? :D

Katze und ich
Katze und ich

An ziemlich genau dieser Stelle habe ich nun ein dekoratives Stillleben mit Äpfeln fotografiert.

Stillleben mit Äpfeln
Stillleben mit Äpfeln

Im Hintergrund geht es zum Schweinestall und zur Winterunterkunft der Schafe. Habe es geliebt, dem Schwein Reste vom Mittagessen zu bringen. Oder in den Hühnerstall zu gehen und Eier einzusammeln.

Das Tor zum Garten

… immer noch Original und kein bisschen vermodert! So viele Ecken und Winkel auf dem Grundstück und so viel Platz – man konnte ganz hervorragend verstecken spielen :D
Wobei, ich glaube das Foto von 1994 zeigt meine Cousine wohl eher beim Fangen.

Cousine fix unterwegs
Cousine fix unterwegs
Nicht ganz so grün, aber sonst unverändert
Nicht ganz so grün, aber sonst unverändert

Nochmal am Gartentor

Und nochmal fast die gleiche Ecke. Dort, wo meine Cousine steht und grinst (ebenfalls ’94), saßen früher oft Oma und Mama auf einer Bank und schälten Erbsen oder putzten Johannisbeeren oä, während die Kinder irgendwo Unsinn machten oder im Sandkasten spielten (der sich da befand, von wo aus ich das aktuelle Foto machte).

Cousine grinst (1994)
Cousine grinst (1994)
Grinsecousine ist weg, der Rest aber noch da
Grinsecousine ist weg, der Rest aber noch da

4711-FläschchenDieses Haus zu besuchen war ein bisschen wie durch die Zeit zu reisen und geradewegs wieder in der Kindheit zu landen. Normalerweise ändern sich Häuser mit der Zeit, werden renoviert und modernisiert, Möbel werden ersetzt, alte Spielsachen oder Gebrauchsgegenstände weggeworfen. Hier (bisher) nicht :D Ich habe mir ein Souvenir mitgenommen: eine Flasche Kölnisch Wasser, von der ich sicher bin, dass sie bereits zu Omas Zeiten auf einer Kommode stand.

Ahja, auch eins meiner Bilder aus der Galerie wurde in Barmke gemacht: Ich an Omas Klavier. Das Klavier ist leider nicht mehr da.

Ravana Anno 1984
1984 oder so: Mit 2 oder 3 Jahren an Omas Klavier.

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2 Comments

  1. Masamune

    Es ist gut das du nicht weißt wie man Marmelade macht.
    Selbstgemachte Marmelade schmeckt unvergleichlich, die fertigen Gläser aus dem Markt sind nix dagegen.
    Der Nachteil: Es macht süchtig.

    1. Ravana

      Diesen Nachteil nimmt man zu gern in Kauf :-(
      Immerhin bekam ich von Tantchen jede Menge selbstgemachte Marmelade und noch mehr selbstgemachten Honig sowie eine Flasche selbstgemachten Johannisbeerwein mit auf den Heimweg. Honig und 1,5 Gläser Marmelade leben noch :D

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