Wie mich die Entscheidung gegen Kinder von einer Last befreite

Ich bin 37 Jahre alt und habe keine Kinder – und ich möchte auch keine. Als ich das vor nicht allzu langer Zeit erstmals laut aussprach, fühlte sich das an wie ein Befreiungsschlag aus einer immer vor mir hergeschobenen Verpflichtung. Denn einen echten Kinderwunsch hatte ich nie. Aber die meiste Zeit meines Lebens hatte ich die Möglichkeit einer bewussten Entscheidung für oder gegen Kinder nicht einmal sehen können.

Heute gibt es mal einen ziemlich persönlichen Beitrag, in dem ich über den Prozess bis zu dieser Lebensentscheidung berichte. Zumindest einige Jahre lang war der Prozess ziemlich quälend, weil ich dachte, ich muss jetzt doch langsam Kinder kriegen, sonst bin ich zu alt, und dann wird es mir ewig leid tun.

Dabei wäre es einfacher gewesen, wenn ich mir schon viel früher diese einfache Frage gestellt hätte:

Möchtest du denn wirklich Kinder? Kannst du dich als Mutter sehen?

Ein „nein“ als Antwort ist immerhin genauso legitim wie ein „ja“. Aber diese Frage stand für mich eigentlich nie auf der Agenda. Denn…

Kinder? Ja natürlich, das gehört doch so!

Irgendwann Anfang der 90er. Mein kleiner Bruder und ich sitzen auf einem altmodischen Sofa in einem dusteren Zimmer mit zugezogenen, schweren Vorhängen, die kaum Licht einlassen. Die Luft ist auch schwer und riecht nach Alter und Krankheit. Uns gegenüber in einem altbackenen, plüschbezogenen Ohrensessel sitzt Tante Minna, sie ist die Schwester unseres Opas und uuuuuuralt. Wir waren auf dem Weg zwischen dem Spielen im Wald und dem örtlichen Tante Emma-Laden (um Süßigkeiten zu kaufen) bei ihr vorbeigekommen, obwohl sie uns kaum kannte (ich glaube, wir hofften auf irgendwelche Bonbons von ihr, die Oma-Generation ist schließlich so nett). Tante Minna hat einen kleinen Dackel zu ihren Füßen liegen. „Er ist mein einziger Freund, sonst kümmert sich niemand mehr um mich“, sagt sie.

Oh man, ist das schlimm, denkt mein ungefähr zwölfjähriges Ich. Alt und einsam sein, das ist ja schrecklich! Zum Glück werde ich später Kinder haben, die dann mit mir am Tisch sitzen und Würfelspiele spielen. Das ist vollkommen klar.

Das war schon immer vollkommen klar. Natürlich. Wir hatten eine tolle Kindheit und wenn es uns gut geht, dann geht es auch den Eltern gut, und ich will ja, dass ich später auch mal eine glückliche Mutter mit so tollen Kindern bin. Wer spielte im Kindergarten nicht „Vater, Mutter, Kind“ und konnte es gar nicht abwarten, selbst zu heiraten und Kinder zu bekommen?

Für mich stand niemals zur Debatte, ob ich Kinder möchte oder nicht. Das ist genausowenig eine sinnvolle Frage wie „Möchtest du eigentlich atmen?“. Natürlich möchte ich.

Warum nicht jetzt schon hinter sich bringen?

Sommer 2004, ich bin 22 und frisch verheiratet. Wir sitzen im Garten unseres alten, letztes Jahr gekauften Bauernhauses, genießen die Sonne und ein Glas Wein. „Hey, wie wäre es jetzt mit einem Kind?“ frage ich ihn. „Dann sind wir nicht so alt, wenn es unabhängig wird und wir können dann noch reisen und so.“ Er starrt mich entgeistert an. „Was, jetzt?“ – „Ja, warum nicht, ich habe doch gerade sowieso keine Arbeit, ist doch eine super Gelegenheit!“. Ich hatte nach der Ausbildung noch keinen Job bekommen. Er überlegt ein wenig herum. „Najaa, ich wollte noch ein wenig warten, fühle mich noch nicht bereit. Wir könnten noch so viel unternehmen. Vielleicht in fünf Jahren?“. Er ist übrigens 33 – und ich bin wegen der Abfuhr ein wenig beleidigt. „Du weißt ja, ich habe nicht ewig Zeit, irgendwann bin ich zu alt!“.

Dabei wollte ich gar nicht unbedingt ein Kind um des Kindes Willen. Irgendwann würde ich ja sowieso Kinder haben, und nach Hochzeit und Hauskauf ist doch der richtige Zeitpunkt und außerdem würde ich dann weiter im Mittelpunkt stehen. Hochzeit, Haus und Kind, so läuft das doch. Mein Gott, war ich dumm und naiv. Hätte er damals zugestimmt, hätte ich niemals das Abi nachgeholt und studiert, ich wäre ein völlig anderer Mensch geworden (der ich gar nicht sein wollte!).

Tatsächlich war diese Situation 2004 für viele Jahre das letzte Mal, dass ich über Kinder nachdachte. Lange vor Ablauf der fünf Jahre hatten wir uns getrennt, ich begann eine Fernbeziehung und fand eine Vollzeittätigkeit. 2009 fing ich wieder an, die Schulbank zu drücken, um das Abitur nachzuholen und ab 2011 folgte das Studium in Heidelberg. Und so gingen tatsächlich zehn lange Jahre ins Land, in denen ich an vieles dachte, nur nicht an Kinder.

Wären diese zehn Jahre zwischen 22 und 32 anders gelaufen, ohne diese „Hindernisse“ Fernbeziehung, Schule und Uni… dann hätte ich ganz sicher in dieser Zeit „aus Langeweile“ ein Kind bekommen. Aber so war es eben nicht.

Wann denn nun Kinder?

Mädelsabend Anfang 2014. Mädelsabende waren nie mein Ding, aber ich bin über Pierre in seinen Freundeskreis gerutscht und da gabs das nunmal. „Wollt ihr Kinder haben? Und wann?“ fragt Pierres damalige beste Freundin mit dem Weinglas in der Hand, wir waren schon ziemlich betrunken. Mmmmh, jaaa, ich denke schon, muss ja, aber wann? Bin ja auch schon 32, sooo viel Zeit ist nicht mehr dafür. Habe gerade meine Bachelor-Arbeit geschrieben und brauche noch zwei Jahre für den Master. „Mh, so in drei Jahren vielleicht“, sage ich. „Dann habe ich ein Jahr gearbeitet und kann dann mal aussetzen und Pierre ist dann hoffentlich auch fertig mit dem Studium“.

Was ich mir aber eigentlich dabei dachte: Oha, aber drei Jahre gehen ziemlich schnell rum. Sehe ich mich denn wirklich in drei Jahren mit einem Kind? Und wozu dann das Studium, wenn ich sowieso doch dann eher zu Hause bleibe oder vielleicht erstmal nur Teilzeit arbeite?

Ja, so langsam begann ich wieder, mir Gedanken zu machen. Aber einen echten Kinderwunsch, also den Wunsch, Kinder zu haben – den hatte ich nicht. Langsam war ich eher besorgt, weil sich eben dieser Kinderwunsch nicht einstellte. Ich beneidete die Leute, die sich wirklich darauf freuten, denn ich freute mich nicht, sondern wusste nur, dass ich irgendwann da durch muss – weil Tante Minna, und weil gehört ja dazu. Ein bisschen Vorfreude wäre da schon hilfreich gewesen!

Kinder? Sehe ich bei mir irgendwie nicht..

Auf einem Campingplatz auf Korsika im Jahre 2014. Pierre und ich verbringen hier zwei Nächte und beobachten abends von unserem Platz aus eine deutsche Familie mit zwei ungefähr knapp zehnjährigen Kindern. Die beiden Kinder, Bruder und Schwester, sind lebenslustig und aktiv, sie spielen irgendwo, während Mama das Hauszelt aufräumt und das Essen vorbereitet. Papa sitzt mit ein paar Flaschen Bier im Campingstuhl. Die Eltern reden nicht miteinander, man bemerkt, dass der Hauszeltsegen schief hängt. „Juuuuuuuliaaaaaan! Mariiiiieeeee!“ ruft dann Mama, als sie fertig geschnippelt und gekocht hat. Von irgendwoher kommen verdreckt die Kinder an, sie erinnern mich an mich und meinen Bruder früher (nur mit glücklicheren Eltern). „Julian, zieh dir eine Jacke an! Marie, leg das jetzt weg und komm hier her!“. Gelebte Idylle. Abends verzieht sich Papa in den Familienkombi zum Schlafen, die Kinder bleiben bei Mama.

Was ich daraus mitnahm: Ist das etwa auch meine Zukunft? Oh mein Gott. Dafür bin ich nicht bereit…. Werde ich das jemals sein? Das ganze Bild ist ein Alptraum… Urlaub ist zur Erholung da, um die Seele baumeln zu lassen und mal was anderes zu sehen, und nicht nur eine weitere Zeit, um die Kinder anders zu bespaßen.

Irgendwie kann ich mich und uns weder in drei Jahren, noch in fünf dort sehen. Diese beiden Bilder – ich jetzt mit meinem studentischen Lotterleben und den vielen Wünschen für danach, und ich als Mama – passen einfach überhaupt nicht zusammen. Vielleicht bin ich in acht Jahren bereit, wer weiß? Aber dann bin ich doch schon 40, ist das nicht zu spät?

Was soll ich also tun? Jetzt die Kinder bekommen, obwohl ich gar keinen Kinderwunsch habe und eigentlich nach dem Studium viele Reisen nachholen möchte? … Oder etwa … keine Kinder bekommen? Aber das geht doch nicht, Kinder gehören doch dazu? Was ist im Alter, ich einsam im Schaukelstuhl, niemand, der mich besucht?

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Für mich wurde das Thema zu einem wunden Punkt. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt: Die Uhr tickt, und wenn ich jetzt zu lange rummache, dann ist es zu spät, das würde mir doch ewig leid tun.. Aber es passte einfach nicht in mein/unser Leben. Ich konnte mir ganz und gar nicht vorstellen, eine gute Mutter zu werden und auf meine Freiheit und Unabhängigkeit zu verzichten.

„So viel Zeit hast du ja nicht mehr!“

Zu Besuch einem jungen Paar. Es ist Ende 2015 und die beiden haben vor wenigen Monaten ihr erstes Kind bekommen. Irgendwie bin ich mit Kindern und Babys total hilflos und weiß auch gar nicht recht, was ich damit nun anstellen soll. „Hier, nimm‘ mal, Debbie!“ sagt sie und reicht mir ihre winzige Tochter. Mit großen, blauen Augen schaut sie mich an und lächelt. Süß, ohne Frage. Und jetzt? Ein bisschen schaukeln – und vor allem lächeln, damit die stolze Mutter noch stolzer auf ihr Werk ist. Nun schaltet sich ihr Mann ein: „Ja, wann ist es denn bei euch soweit?“ Mit der Frage habe ich nicht gerechnet. Woher will er denn wissen, ob ich überhaupt Kinder möchte? „Erstmal Geld verdienen“, brummle ich also, während das Baby auf mein Oberteil sabbert. „Naja, so viel Zeit hast du ja nicht mehr, in deinem Alter“, erzählt er mir nun. Oh, danke für den Hinweis, das war mir ja gar nicht klar! „Jetzt nicht“, sage ich etwas rüde und es herrscht kurz betretenes Schweigen. Offenbar hatte sich das Gespräch anders entwickelt als erwartet.

Ich war stinksauer wegen der direkten Frage und der indirekten Beleidigung wegen meines Alters, und die Frage hatte mich total überrumpelt. Dass er ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass andere genau die gleichen Lebensplanungen haben wie er selbst, und die Frage, wann man diese Erwartung denn nun erfüllen will. Diese Unterstellung und die damit verbundene Erwartungshaltung schockierte mich. Und ich war sauer über den Hinweis auf mein Alter. Als ob ich das ohne ihn nicht wüsste. – Obwohl ich das Argument des Alters selbst schon viele Jahre zuvor als Druckmittel eingesetzt hatte.

Deswegen traf die Frage ja auch genau meinen wunden Punkt. Ich glaube, diese etwas dreiste Nachfrage war es nun aber, die mich dazu drängte, nun langsam mal zu einer Entscheidung zu kommen. Dann hätte ich beim nächsten Mal schon eine passende Antwort parat, ohne peinlich berührt herumzustottern.

Aber so schnell ist eine Lebensentscheidung nunmal nicht getroffen.. Ich hatte die K-Frage immer im Hinterkopf und versuchte, mir ein Leben mit Kindern vorzustellen, fragte mich aber auch, ob es eine Alternative wäre, keine Kinder zu bekommen.

Ist es okay, wenn Frauen keine Kinder wollen?

In den nächsten zwei Jahren las ich im Internet immer mal wieder Beiträge von Frauen, die sich bewusst gegen Kinder entschieden hatten (z.B. hier). Ich las, dass sie ähnlich wie ich nie das Bedürfnis hatten, ein Kind großzuziehen. Dass ihnen ihre Unabhängigkeit und das freie Erwachsenenleben wichtiger sind.

Und ich las auch die Anfeindungen, mit denen sie umgehen mussten. Sie seien egoistisch und karrieregeil und sowieso irgendwie „kaputt“, weil ihnen das „Muttergen“ fehle. Und außerdem grundsätzlich vorlaute Schlampen, weil sie nicht das tun, was von ihnen erwartet wird. Sie sollen gefälligst nicht die jungen Frauen verwirren. Wow…

Weiteren Input erhielt ich dann aus erster Hand. 2015 und 2016 schien alle Welt auf einmal Kinder zu bekommen, auch im näheren Kreis von Kollegen, Bekannten und auch in der Familie. Mein kleiner Bruder wurde stolzer Vater.

Und von all den jungen Eltern hörte ich dann die typischen Elterngeschichten von nächtlichem Geschrei, Kacke-Explosionen in der Windel, Elternzeit, Kampf um einen Kitaplatz und das „spontane Wegfahren“ mit Kinderwagen und quasi einem ganzen Urlaubsgepäck im Auto, damit für alle Eventualitäten vorgesorgt ist. „Aber“, erzählen die strahlenden Eltern, „Kinder sind trotzdem das Schönste auf der Welt!„. Ich glaube euch von ganzem Herzen, aber sorry, es hört sich nicht so an.

Ich las mich nun weiter ein, wollte noch mehr über das Mutterwerden erfahren. Was ich aber erfuhr, ließ mich gruseln: Dammrisse bei der Geburt, mögliche Inkontinenz und womöglich auch Gebärmuttervorfall danach. Postnatale Depressionen, Schreikinder, Überlastungen durch Schlafmangel und völlige Selbstaufgabe, um nur noch für das Kind da zu sein. Wer möchte das denn haben, fragte ich mich. Ich jedenfalls nicht, das klingt doch wie ein nicht endenden wollender Horrortrip!

Debbie im März 1982
Ich, vor ziemlich genau 37 Jahren – ich habe größten Respekt vor meinen (und allen anderen) Eltern

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Eine der größeren Debatten, die auch für mich eine Bedeutung hatte, war Regretting Motherhood – das Bereuen, Mutter geworden zu sein. Die israelische Soziologin Orna Donath hatte diese Diskussion 2015 mit ihrem Buch rechts angestoßen. Ich las das alles und dachte bei jedem einzelnen Bericht: Genau da wärst du auch. Klar, ich würde mein Kind über alles lieben, aber ich würde alles drumherum hassen. Das Hinterherräumen, die Babysprache, die ich dann sprechen würde, die Kindermusik, die wir dann hören würden, die Familienurlaube.

Und ich würde allem hinterhertrauern, was dann nicht mehr möglich wäre: den verpassten Reisen, dem Division-Marathon am Wochenende, dem stundenlangen Schreiben an meinem Blog, dem Baumeln in der Hängematte, dem langen Schlafen am Wochenende.

Auf jeden Fall wurde mir durch die Berichte anderer bewusst, dass es – trotz aller Hasskommentare – vollkommen in Ordnung ist, eben einfach keine Kinder zu wollen. Dass es Frauen eben nicht angeboren ist, die Mutterschaft als Sinn ihres Lebens aufzufassen, und dass es eine echte Entscheidungsmöglichkeit gibt.

Es ist zwar „gesellschaftlich nicht normal“, aber die Maßstäbe für mein Leben möchte ich selbst setzen. Pierre überließ die langen Gedanken und damit auch die Entscheidung übrigens komplett mir allein. Ich denke, wenn ich gerne Kinder gewollt hätte, dann wäre das für ihn in Ordnung, aber ansonsten spielte die Aussicht, Vater zu werden, für ihn ebenfalls überhaupt keine Rolle im Leben.

Gut, dass ich damals, 2004, nicht überschnell Mutter geworden bin, sondern soweit gekommen bin, mir erstmal bewusste Gedanken darüber zu machen, ob ich überhaupt Mutter werden möchte!

Kinderfrei statt kinderlos

Ja, es war wirklich an der Zeit. Pierre und ich setzten uns also Ende 2016 zusammen und redeten über die Entscheidung, die ich bzw. wir nun mit gutem Gewissen und noch besserem Gefühl treffen konnten: Kinder – das ist nichts für uns. Ich möchte keine Kinder, und Pierre auch nicht. Wir leben unser Leben weiter, aber ohne den Druck, evtl. bald ein Kind zu bekommen.

Eine tonnenschwere Last fiel mir von den Schultern. Mein ganzes Leben hatte ich das „Schicksal, Mutter zu werden“ vor mir, obwohl ich mich nie so richtig damit anfreunden konnte. Und jetzt war ich auf einmal ganz frei!

Ich musste nicht mehr 20 Jahre „vorreservieren“, in denen ich mich und meine Pläne und Wünsche zurückzustellen habe. Auf einmal schien es, als hätte sich mein Leben verlängert! Wir können reisen, wohin und wie wir wollen! Ich werde weiterhin in Vollzeit arbeiten können (wenn ich das möchte), um Geld für unsere Träume zu verdienen! Wir können uns vielleicht ein alternatives, winziges Bauernhaus mit Tieren kaufen! Oder ganz egal, wir können tun, was wir wollen! ICH BIN FREI!!

An dieser Stelle möchte ich ganz klar betonen, dass ich keine Kluft zwischen Eltern und Kinderfreien aufbauen will! Ich möchte hier nicht meine eigene Lebensweise propagieren und als die einzig Richtige darstellen. Sie ist aber für mich die Richtige, und deswegen ist es so wichtig, darüber nachzudenken, was man möchte!

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Ja, kinderfrei. „Kinderfrei statt kinderlos“ ist auch der Titel eines Buches von Verena Brunschweiger (du siehst es rechts verlinkt), einer Lehrerin. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber dafür den Aufschrei, den die Autorin provoziert hat. Sie schreibt, dass es auch gut für die Umwelt sei, auf Kinder zu verzichten. Das ist kein Aspekt, auf den ich bei der K-Frage Wert gelegt hätte (genauso wenig wie darauf, dass man gefälligst Kinder in die Welt setzen solle, um die Rente zu sichern) – denn Kinder sind eine persönliche Entscheidung. Wer Kinder möchte, soll sich den Wunsch erfüllen, und wer nicht, der eben nicht.

Aber tatsächlich finde ich die Begriffe tatsächlich wichtig: Kinderfrei statt kinderlos. In der Gesellschaft gibt es zwei Arten von Erwachsenen: Eltern und Kinderlose. Kinderlos klingt wie arbeitslos: Man befindet sich in einem erbarmungswürdigen Zustand, in dem etwas fehlt. Kinderlose sind also nicht vollständig. Das suggeriert jungen Menschen, dass sie diesen Zustand irgendwann beenden müssen – genau, wie es mir über lange Jahre ging. Ich dachte ja auch immer, dass ich irgendwann noch Kinder bekommen muss, denn das ist ja schließlich normal.

Wer sich aber dafür entscheidet, ein Leben ohne Kinder zu führen, der braucht keine Kinder. Er ist demnach frei von Kindern und den Belastungen, die sie mit sich bringen. Diese Entscheidungsmöglichkeit transportiert der Begriff „kinderlos“ aber gar nicht. Er transportiert eher einen Vorwurf („Du erfüllst deine gesellschaftliche Pflicht nicht“) und eine Aufforderung („Bekomme Kinder, um vollwertig zu sein“).

Alt werden ohne Kinder – völlig okay!

Es ist 2018 und ich segle mit meinem Magier irgendwo in Azeroth herum und renne irgendwelchen World of Warcraft-Quests hinterher. Im Chat schreibe ich ein bisschen mit meinem alten WoW-Kumpel Ray. Er ist irgendwie düster drauf und sagt, dass er irgendwann alt und einsam sterben wird. Ich bin entrüstet: „Was? Nö, das wird lustig! Alt, ok, aber bis dahin gibt es tolle Prothesen und Zeug. Und einsam auch nicht, wir gehen in ein Zockeraltersheim mit Gleichgesinnten. Wenn du keinen Bock auf die hast, gehst halt zocken oder verschwindest in die neue VR-Welt. Is doch geil!“

Nein, ich glaube nicht, dass ich oder wir sehr einsam sein werden. Auch Altersheime haben ihren Schrecken als „Abstellkammer für Todgeweihte“ verloren, wenn man doch mit den Leuten auch zusammen durch virtuelle Welten streifen kann.

Dass ich zu einer „Tante Minna“ werde, wage ich daher zu bezweifeln. Unsere Großeltern und Urgroßeltern haben tatsächlich ein traurigeres Schicksal als wir – und auch als die früheren Generationen. Über Jahrtausende waren Großfamilien die Regel: Hier lebten viele Generationen zusammen in einem Haus. Hier wuchs man zusammen auf, und hier kümmerte man sich auch um die Alten. Einsame Senioren im Ohrensessel sind also eigentlich eine Anomalie in einer Zeit des Wandels, in der das Einfamilienhaus schick geworden war.

Auch meine Oma ist mit ihren 91 Jahren leider eine „Tante Minna“ geworden. Sie gehört zur letzten „Offline-Generation„, zu den Menschen, die zwar Satelliten-TV und Festnetz-Telefon kennen, aber das Internet und seine Möglichkeiten zu abstrakt finden. Nun sitzt sie allein in ihrer Wohnung und schaut TV-Shows und sagt traurig: „Nein, Besuch bekomme ich nicht mehr. Sie sind doch alle tot oder können nicht mehr gut gehen.“ Und ich denke mir: Mein Gott.. Oma, wenn du wüsstest, welche Möglichkeiten es gibt…. Du müsstest nicht allein sein! Aber es hilft alles nichts, bei diesem Thema blockt sie ab.

Naja – wie auch immer es in 40 Jahren aussieht, aber ich denke, dass halbwegs rüstige Senioren wie meine Oma sicher nicht einsam und allein vor ihrem Fernseher werden sitzen müssen. Ich glaube fest daran, dass wir uns dann frei in faszinierenden Welten bewegen können :D Da würde der Besuch der Kinder sowieso nur stören ^^

Kinderfreie sind egoistisch? – Ja, natürlich!

Immer wieder lese ich, dass kinderfreien Frauen Egoismus und Karrieregeilheit vorgeworfen wird. „Du musst Kinder bekommen, damit die Rente gesichert wird!“ – nein. Fertig, aus. Der Generationenvertrag funktioniert sowieso nicht mehr. Mittlerweile – und in Zukunft noch viel mehr – verrichten Maschinen, Algorithmen und künstliche Intelligenzen immer mehr Arbeit. Es sind also gar nicht mehr so viele Menschen nötig, um als Gesellschaft weiterhin das Produktivitätsniveau zu halten und das Einkommen für alle zu sichern.

Daher ist es Sache der Politik, die erwirtschafteten Mittel so zu verteilen, dass jeder davon leben kann. Nicht von Frauen, die immer und immer wieder dafür zur Verantwortung gezogen werden, „doch mal an die Rente zu denken“.

Oder gar die Idee der „Arterhaltung“ – unsere Art ist schuld daran, dass der Planet vor die Hunde geht und täglich zig andere Arten aussterben. Nein danke, dieses Argument lass‘ ich nicht zu.

Darüber hinaus wage ich es zu bezweifeln, dass sich alle Eltern aus Verantwortungsbewusstsein der Gesellschaft gegenüber für ein Kind entschieden haben. Ich denke, dass es für die meisten zum persönlichen Lebensentwurf gehörte, eine Familie zu gründen. Sie handeln also aus Egoismus: Weil sie es so wollen. Wer sich dafür entscheidet, ein Kind großziehen zu wollen, der soll es doch tun, auch wenn der Gesellschaft dann vielleicht Einkommenssteuer aus einem Vollzeitgehalt entgeht .. :P

Ansonsten verstehe ich das Egoismus-Argument auch gar nicht. Wem gegenüber ist es denn egoistisch, länger zu schlafen, oder an Sommerabenden spontan zu einem Burgcafé zu fahren und bei schönster Aussicht einen Wein zu genießen? Dem fiktiven Kind gegenüber, das deswegen nicht entstehen wird? Najaaa… Sollte nicht jeder im persönlichen Bereich egoistisch sein, und so leben, wie er gerne leben möchte, anstatt so, wie es irgendjemand gerne hätte? Rücksichtslos egoistisch ist es nur, wenn man auf Kosten anderer oder der Umwelt seine Interessen durchsetzt – aber das kann ich beim Thema Nachwuchs einfach nicht sehen.

Daher plädiere ich für individuellen Egoismus! Wer Freude daran hat, morgens länger in den Federn liegen zu bleiben und seinen freien Tag dann nach eigenen Interessen zu verbringen, der soll so leben. Wer seine Freude daraus zieht, sein Kind lächeln zu sehen und ihm bei seinen ersten Schritten durchs Leben zur Seite zu stehen – bitte sehr ^^ Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung in dieser Hinsicht. Es mag vielleicht leichter sein, ein Leben ohne Kinder zu führen – aber zumindest für mich war diese Entscheidung alles andere als leicht.

Doch ich bin sehr froh, nach all den Jahren an dem Punkt angekommen zu sein, diese Entscheidung überhaupt wahrnehmen zu können. Dass es so schwer sein würde und ich ab etwa 30 so lange Kämpfe mit mir selber ausfechten musste, hätte ich mir niemals träumen lassen können.

„Willst du Kinder?“ – „Klar will ich Kinder, das gehört doch so“ – „Aber willst du denn wirklich Kinder?“ Das sollte sich jeder fragen und seine eigene, ganz persönliche Antwort finden. Ich wünsche dir, liebe Leserin oder lieber Leser, viel Erfolg dabei!

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16 Comments

  1. Blubb

    Ein sehr schöner Bericht zum Thema, zum ersten Mal kann ich einen solchen Beitrag (fast)vollständig unterschreiben. Oft wird ja gesagt, dass man seine persönliche Freiheit nicht einschränken will, dass man die Verantwortung nicht tragen möchte, dass die Karriere wichtig(er) ist. Das trifft alles bei mir nicht zu. Ich arbeite zum Beispiel, um zu leben, nicht andersherum. Ich sehe mich einfach nicht als Mutter und nur genau deshalb möchte ich keine eigenen Kinder. Als ich das neulich sagte, erhielt ich als Antwort „na niemand wird sich erst mal als Mutter sehen „. Achso, na klar. Das gehört dazu ,Kinder zu bekommen und auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann , mach ich es einfach, ich werde es ja schon lieben. Das würde ich bestimmt auch, aber das ist ja keine Herangehensweise. Ich sage immer überspitzt „wenn sich jeder so viele Gedanken wie mein Mann und ich zum Thema gemacht hätten, dann dürfte es ja keine unglücklichen Kinder mehr geben“. Wie gesagt, es ist überspitzt und mir ist auch klar, dass man sehr viel mit Kind einfach nicht kommen sehen kann, man weiß vor dem ersten Kind nicht, welche Lebensaufgabe das tatsächlich ist, was das individuell mit einem selbst und der Beziehung macht und da läuft auch bestimmt nicht alles jeder Zeit rund und alle sind total happy. Aber bei manchen habe ich das Gefühl, dass außer „das gehört dazu und wir sind jetzt in dem Alter“ nicht mehr viele weitere Gedanken kommen. (Aber wir schauen 100 YouTube-Videos, bevor wir uns für eine Kamera entscheiden.) Das muss ja auch nicht sein, jeder ist frei in seiner Entscheidung, muss aber auch die Entscheidung anderer akzeptieren. Wie du so schön schreibst, es gibt hier kein richtig und kein falsch. Das musste ich mal loswerden:) Danke für deinen Artikel.

    1. Lucyda

      Hey Blubb,
      danke für deinen Kommentar! Ja, ich hörte auch schon, ich solle doch erstmal ein Kind bekommen, dann würde ich erst wissen, was ich verpasse. Und ob ich schon drüber nachgedacht hätte, was bei mir schief lief, dass ich keine Kinder möchte. Öh.. das ist, sorry, widersinnig.
      Von daher ist es doch völlig ok, ganz „grundlos“ keine Kinder zu haben. Ich verstehe nicht, warum andere nach Gründen dafür fragen, verbunden mit „du weißt ja gar nicht, was du verpasst!“

      Liebe Grüße
      Debbbie

  2. Tanja

    Ich bin aktuell 29 Jahre alt und habe mich nun vor kurzem gegen Kinder entschieden.

    Hatte jahrelang einen starken kinderwunsch, doch nun ist er erstmal weg. Ob er weg bleibt kann ich nicht sagen, aber ich fühle mich nicht mehr bereit dazu Mutter zu werden.

    An meinem Partner liegt es nicht, aber eher an meinem Leben.

    Ich finde jeder sollte selbst entscheiden können was er will, ohne daß die Gesellschaft eine Rechtfertigung haben möchte.

    Ich danke dir für deinen Beitrag, er hat mich sehr erleichtert.

    1. Lucyda

      Liebe Tanja,
      danke für deinen Kommentar :) Ich freue mich, dass dir mein Beitrag gefallen hat.
      Von starkem Kinderwunsch zur Entscheidung gegen Kinder, das überrascht mich allerdings schon ein wenig. Von mir kenne ich nur die Unsicherheit über den nicht allzu starken Kinderwunsch…
      Aber egal, ich drücke dir ganz fest alle Daumen, dass du mit deiner Entscheidung gut und ohne Druck leben kannst!
      Liebe Grüße
      Debbie

  3. Richi

    Hallo liebe Bloggerin,

    es ist völlig ok, keine Kinder haben zu wollen. Dafür muss Frau sich nicht rechtfertigen. Ich bin nur ein Jahr jünger als Du und hatte früher nicht wirklich den sogenannten Kinderwunsch. Dennoch habe mittlerweile ein Kleinkind und daher kann ich aus eigener Erfahrung schreiben, dass Kinder (insbesondere besondere Kinder) viel Arbeit machen. Im Gegenzug erhält man jedoch Glück, unbeschreiblich viel Liebe und Prioritäten ändern sich – dies kann Frau/Mann jedoch erst verstehen, wenn man ein eigenes Kind hat. Hast Du jemals darüber nachgedacht, dass es auch andere Gründe für Deine persönliche Kinderlosigkeit als die hier von Dir geschilderten gibt? Es scheint mir, dass Du in Deinem Leben noch nicht wirklich angekommen bist und meinst mit einem Kind würdest Du etwas verpassen. Du hast erst sehr spät angefangen zu studieren. Manchmal muss man „einfach in die Puschen kommen“. Ich war mit meinem Diplom (inkl. Auslandsaufenthalt und mehreren Praktika) fertig, als Du erst angefangen hast. Man muss zudem nicht studieren, um glücklich und erfolgreich zu sein. Vielleicht wäre Dein Leben einfach anders verlaufen, wenn Du den richtigen Mann gefunden hättest und Butter bei de Fische gemacht hättest. Ich hätte zumindest mit keinem Mann ein Haus gebaut/gekaut um Jahre später festzustellen, dass wir grundsätzlich nicht zusammen passen.

    1. Lucyda

      Hallo Richi,
      danke für deinen Kommentar, der den anderen ziemlich weitgestreuten Kommentaren hier nochmal eine andere Sicht hinzufügt!
      Nein, ich habe tatsächlich nie darüber nachgedacht, welche Gründe es für meine „persönliche Kinderlosigkeit“ geben könnte (das klingt wie „mein persönliches Versäumnis“). Erstmal, ich fühle mich nicht kinderlos, sondern kinderfrei. Und wenn man sich nach einigem Abwägen bereits für ein rotes statt für ein blaues Auto entschieden hat, muss man sich nicht mit der Frage herumplagen, warum man das blaue nicht möchte.
      „Wenn das Kind erstmal da ist, dann kommen Glück, Liebe und neue Prioritäten von allein“. Das hört man öfter, es trifft allerdings nicht auf jeden zu, siehe Regretting Motherhood. Aber ehrlich gesagt klingt das für mich wenig überzeugend, eher so wie „Stirb erstmal, dann kommst du in den Himmel“. Ich möchte gar nicht sterben und ich finde es auch hier auf der Erde ganz gut. Ein Kind ist eine lebensverändernde Entscheidung, sogar noch deutlich lebensverändernder als ein Hauskauf oder eine Heirat, und man sollte nichts davon leichtfertig tun (dennoch gibt es jede Menge Scheidungskinder und verkaufte Häuser. Sind diese Leute für dich alles oberflächliche Menschen, die nicht wie du richtige Entscheidungen treffen können?). Die Aussage, dass man erst als Mutter/Vater weiß, wie schön es ist, Kinder zu haben, ist kein ausreichend verlässlicher Anreiz dafür, ein Kind zu bekommen.
      Du schreibst, du wärst im Leben angekommen, sowohl mit dem Studium als auch mit deinem Mann, und wenn ich es so gemacht hätte wie du, würde ich vielleicht auch Kinder wollen. Vermutlich, das habe ich ja auch geschrieben. Allerdings – warum überträgst du deinen Lebensentwurf auf andere? Ich musste hier gleich an den erwähnten jungen Vater denken, der durch seine Frage, wann ich denn Kinder bekommen würde (ich sei ja schon alt), davon ausging, dass ich natürlich wie er einmal Familie haben möchte. Bei dir schwingt genauso wie bei ihm ein kleiner Hauch von Arroganz mit, schließlich bist du ja schneller in die Puschen gekommen und bei dir ist mit Kind, Mann und früherem Diplom jetzt alles super, während ich mir überlegen sollte, warum es bei mir nicht so super ist wie bei dir. Sorry, das klingt etwas böse, ist aber nicht so gemeint! :-)
      Ich kann nur sagen, dass ich tatsächlich etwas neidisch bin auf alle, die schon mit 16, 18, 21 Jahren, wenn langsam wichtige Lebensentscheidungen getroffen werden müssen (etwa der zukünftige Bildungs/Berufsweg) genau wissen, was sie wollen. Und auch im Voraus zu wissen, dass der Mann, mit dem es gerade so gut läuft, derjenige ist, mit dem man alt werden wird. Wer diese Dinge sicher weiß, der hat es einfacher im Leben, es erspart einem viel Grübelei und Sorge. Wie man allerdings in so jungem Alter genau wissen soll, mit welchem Beruf man die nächsten 40 Jahre in der Welt glücklich wird und welcher Mann in Höhen und Tiefen der richtige Begleiter ist, ist mir ein Rätsel.
      Und am Ende bleibt mir nur zu sagen, dass ich froh darüber bin, unabhängiger zu sein. Ich habe eine Ausbildung gemacht und dann was ganz anderes studiert und dann in wieder völlig anderen Bereichen gearbeitet. Nein, ein Studium ist kein Muss, aber ich bin gottfroh, dass ich es getan habe. Wäre ich wie du, hätte ich vermutlich ein Kind. Ich möchte aber nicht auf die Erfahrungen verzichten, die ich gemacht habe und die mich vom Kinderkriegen abgehalten haben.
      Von daher: Jeder wie er mag! Aber bei dir sehe ich sehr deutlich dieses Unverständnis, das viele Eltern zeigen, wenn ich „Nein zu Kindern“ sage. Ich frage mich: Könntest du dich beleidigt fühlen, wenn dir jemand sagt: „Das was du hast, dein Glück, möchte ich nicht ich nicht. Und deine Erfahrung, dass das Glück schon kommt, wenn das Kind erstmal da ist, ist für mich nicht relevant“?
      Viele Grüße
      Debbie

  4. Motte

    Hallo aus Berlin,

    auch in meinem Falle stellte sich die K-Frage nie. Ich bin fast 50 und mußte oft Anfeindungen und vor allem Ausgrenzung begegnen, aufgrund der gewollten K-Freiheit.

    Auch lebe ich selbständig und habe keine Lust auf Menschen in meiner Wohnung, denen ich den Dreck wegräumen müßte, tagein, tagaus, jahre-jahrzehntelang.

    Hinzu kommt der Terror von TV, Unordnung, Stress, Unfrieden, Streits, Geschrei, möglichen Schulden, Lügen, Schlaflosigkeit, vielen Entbehrungen etc…, das dankt einem doch niemand.

    Daher lebe ich allein und sicher, Männer ohne eigene Wohnung kommen für mich nicht in Frage, auch um Männer mit Kindern mache ich einen weiten Bogen.

    Ich lebe hier in Prenzlauer Berg mit vielen Kleinkindern, ich kann die Bockanfälle oft beobachten, wenn die Großeltern die Enkel nehmen sollen. Es sind für mich Horrorszenen, die ich keinen einzigen Tag aushalten würde.
    Ich denke, dass mittlerweile viele junge Frauen solch ein Leben nicht mehr ertragen wollen und sich auch nicht mehr mit der Familiengründung beschäftigen.
    Das Gefängnis ist zu offensichtlich geworden, darüber sprechen tun aber weiterhin die wenigsten Menschen.

    In Unterschichten ist das Gebären noch weiter verbreitet und selbstverständlich, das Nachdenken über die Situation findet eher nicht statt, da aufgrund der fehlenden Bildung die Primärtriebe wie Einkaufen, Essen, TV erfüllt werden, während die Kleinkinder die Wohnung zubrüllen.
    Diese Schicht hat nun mal keine anderen Interessen.

    1. Lucyda

      Hey Motte,
      knallhart und ehrlich ausgedrückt ;-)
      Den letzten Absatz würd ich allerdings so nicht stehen lassen. Bzw. mehr Kinder mögen ein Symptom von Armut und/oder Bildungsschwäche sein, aber bei „Unterschicht“, „Primärtrieben“ und „keine anderen Interessen“ hab ich doch schon etwas doof geschaut. Wäre mir etwas heftig ausgedrückt und zu verallgemeinernd.. Aber gut, darum geht es hier ja nicht.
      Viele Grüße
      Debbie

  5. Celciur Cheese

    Hallo Debbie,

    ich finde Deinen Bericht sehr interessant und schön erzählt bzw. niedergeschrieben. Allerdings sehe ich es so, dass nicht NUR Frauen unter diesem Druck stehen. Wie Du erwähnt hast ist es ein gesellschaftlicher Druck unter dem wir aufwachsen und leben, dazu gehören auch Männer.
    Auch ich befasse mich mit der Kinderfrage und bin mit meinen 40 Jahren bis heute auf keinen eindeutigen grünen Zweig gekommen, was diese Entscheidung angeht.
    Zuerstmal solltest Du wissen, dass ich mir die elterliche Verantwortung zu gleichen Teilen aufgeteilt vorstelle, aber vor allem wünschenswert für jedes Elternpaar finde. Damit wird der von Dir befürchtete und beschriebene Albtraum zumindest nicht nur von einem Elternteil getragen, sofern natürlich die Chemie stimmt, wie z.B. bei Dir und Pierre.
    Aber ich finde die Entscheidung ein kinderfreies Leben zu führen völlig in Ordnung. Jedoch finde ich allgemein das Thema um Nachwuchs sehr komplex. Dazu gehört auch meine Weltanschauung, in welcher ich unsere Spezies in der heutigen Zeit als zu große Belastung unseres Planeten einstufe, was in der Entwicklung der letzten 200 Jahre diesbezüglich eher negative Auswirkungen hatte, wenn man die Ressourcenverschwendung betrachtet, welche an unser Konsumverhalten samt Erwartung geknüpft ist usw… (Oha…das war ein ziemlich langer Satz. :D)
    Ich könnte das Thema noch weiter ausführen, aber das würde den Rahmen sprengen, auch wenn es aus meiner Sichtweise ebenfalls eine Rolle spielt.
    Durch Deinen Bericht bin ich noch nachdenklicher geworden, denn auch ich als Mann habe seit meiner Jugend einen Kinderwunsch, jedoch habe ich mich bisher nie damit befasst, ob dieser auch tatsächlich MEIN Wunsch ist oder nur der Wunsch der Gesellschaft, welcher ich doch möglichst gerecht werden sollte.
    Das schränkt das „freie“ Denken schon ein, wenn man sich selbst nicht davon befreit. Ich finde Deinen Bericht wichtig und hoffe, dass dieser mehr Beachtung findet, denn das kann helfen unsere gesellschaftlichen „Fesseln“ weiter zu lockern. Dabei belasse ich es mal…

    Schöne Grüße aus Rheinhessen
    Cel

    1. Lucyda

      Hey Cel,
      vielen Dank für deinen Kommentar und für die andere Perspektive dazu :D Ich hab das ganze keinesfalls so gemeint, dass Männer sich diese Gedanken nicht machen – ich hab hier einfach komplett egoistisch meine Sicht geschildert :-) Vielleicht spielt auch mit rein, dass die Männer, die ich besser kenne, sich nicht so viele Gedanken gemacht haben und eher alles auf sich zukommen lassen. Aber das sind auch nur eine Handvoll Leute. Dass sich aber (gefühlt?) offenbar mehr Frauen intesiver mit der K-Frage beschäftigen, liegt sicher auch daran, dass das Thema bei uns viel früher endgültig geklärt und abgeschlossen sein muss als bei euch. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass gerade auch Mütter ziemlich hartnäckig nach Enkeln verlangen können, und gerade spätestens, wenn mann sich seit ein paar Jahren in einer äußerlich stabilen Beziehung befindet, kommen bestimmt auch Nachfragen..

      Von daher freut es mich sehr, durch dich auch einen anderen Einblick zu bekommen. Ich nehme an, dass du den Beitrag über Google gefunden hast und dass du also sogar irgendwas in der Richtung gegoogelt hast. Das spricht schon für gesteigertes Interesse an dem Thema :D
      Deine Ansicht zur Belastung des Planeten durch den Menschen und seine Lebensweise teile ich ebenfalls voll und ganz! Für mich ist das aber nur Bekräftigung und kein Hauptgrund dafür, keine Kinder haben zu wollen. Tatsächlich frage ich mich aber immer wieder, wie es wohl meinem Neffen und meiner Nichte so in 30-50 Jahren gehen wird. Schon heute herrscht gefühlt und oft zitiert (Klima-)Notstand und für mich persönlich ist mein Lebensstil mit Schuldgefühlen verbunden. Wie wird das wohl werden? Und wie wird das Leben dann aussehen? Möchte man seine zukünftigen geliebten Kinder diesen Problemen aussetzen? Aber ja, du hast Recht, hier kann man auch zu weit abschweifen.

      Nochmal danke für deinen ausführlichen Kommentar, und ich wünsche dir viele gute Gedanken, die dich zu einer eigenen Entscheidung führen :-)

      Liebe Grüße aus dem Odenwald
      Debbie

  6. Biana

    Ein sehr schöner Bericht.
    Tatsächlich ist es in unserer heutigen Gesellschaft nicht einfach klar und deutlich zu sagen „ich möchte keine Kinder“. Man wird als unnormal angesehen, wie du so schön beschrieben hast.
    Für mich standen Kinder auch nicht auf dem Plan. Ich hatte nie was gegen Kinder, ganz im Gegenteil, aber bei mir kam auch dieser Kinderwunsch nicht auf. Hatte ein sehr erfülltes und glückliches Leben mit meinem Mann.
    Bis ich dann ungeplant schwanger wurde. Eine Abtreibung stand für mich nicht in Frage, da ich das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren konnte und die Schwangerschaft schon fortgeschrittener war.
    Also kam meine Tochter zur Welt. Wobei ich sagen muss, dass ich sowohl Schwangerschaft als auch Geburt als schön empfunden habe, wenn man das so sagen darf.
    Doch keiner kann einen auf alles andere was folgt richtig vorbereiten, egal wieviel man liest oder hört. Ich hatte schwer mit dem Baby Blues zu kämpfen. Das Achterbahnspiel der Hormone, die schlaflosen Nächte, ein schreiendes, nicht zu beruhigendes Baby, mal wegen Koliken, mal wegen den Zähnen, mal wegen Erkältung, usw.
    Ich habe mich dermaßen überfordert gefühlt und alles andere als glücklich. Mir kamen und kommen regelmäßig die Tränen wenn ich an mein Leben zuvor denke und wie es jetzt ist.
    Und jetzt kommen die tollen gesellschaftlichen Normen ins Spiel: du hast auf jeden Fall glücklich zu sein. Wieso sollte man nicht glücklich sein, du hast ein Baby, ein Mann…? Alles was man sich wünschen kann. Also spielt man das Spiel mit. Denn wehe man sagt „ich bin unglücklich und wünsche mir mein altes Leben zurück“. Rabenmutter! Verantwortungslos! Egoistisch!
    Habe auch sehr viel über die Debatte „regretting motherhood“ gelesen. Ich konnte mich sehr gut in diese Frauen hinein versetzen denn so fühle ich mich auch. Sie bereuen nicht ihre Kinder, genauso wenig wie ich meine Tochter bereue, aber die Rolle die man aufgezwungen bekommt, ob man will oder nicht. In unserer Gesellschaft gibt es leider ein „Mutterbild“ und wenn man dem nicht entspricht ist man sozusagen unten durch. Leider!
    Und solange sich das nicht ändert ist es besser keine Kinder zu bekommen wenn man nicht den Wunsch dazu verspürt, sonst könnte man womöglich sein ganzes restliches Leben todunglücklich sein.
    Deswegen besser kinderfrei glücklich, als Kinder haben und unglücklich. Denn ein Kind verändert dein komplettes Leben. Und nicht nur kurzzeitig, sondern für immer. Es verändert dich als Person, deine Beziehung, deine Stellung in der Gesellschaft.
    Es ist völlig in Ordnung wer diese Entscheidung für Kinder bewusst trifft. Aber genauso in Ordnung ist es wer sich bewusst dagegen entscheidet.
    Denn wer muss mit den Konsequenzen leben? Die anderen? Nein! Das bist immer du.

    1. Ravana

      Hallo Biana,
      wow, danke für deinen Kommentar! Ich bewundere deinen Mut und deine Kraft – du schaffst es nicht nur, dir selbst einzugestehen, dass du als Mutter nicht glücklich bist, sondern du schreibst es sogar nieder und fixierst es damit schriftlich. Ich würde vielleicht schon beim ersten Punkt scheitern – ich würde mir vielleicht doch irgendwie einreden, dass alles gut ist, dann hat man es leichter…
      Durch deinen Kommentar wird mir klar, dass Frauen wie du ständig nach außen hin eine Rolle spielen müssen, um nicht zusätzlich zur unglücklichen Situation auch noch negative Kommentare zu bekommen, obwohl sie eigentlich Zuspruch bräuchten :-( Es ist krass, unter welchem Druck Frauen stehen, unbedingt Mutter zu werden/sein und in dieser Rolle voll und ganz aufzugehen! Daher ein ganz großes Dankeschön dafür, dass du deine Geschichte hier aufgeschrieben hast. (Ich bin so froh, dass ich nie, ob gedrängt-gewollt oder ungewollt, schwanger geworden bin! Lieber posaune ich hinaus, keine Kinder haben zu wollen, als eines zu haben und dann noch eine Maske tragen zu müssen.)

      Ich drücke dir die Daumen, dass die guten Seiten deiner Mutterschaft dennoch überwiegen und du nicht dein restliches Leben unglücklich bist!!

      Liebe Grüße
      Debbie

  7. Blacky

    Sehr befreiend dieses „Kinderfrei“,
    Oft hat man den Eindruck dass man bemitleidet wird wenn man sagt man hat keine Kinder! Ich hätte welche haben wollen- gewünscht? Tja auch das hast du sooo toll beschrieben- man hat Kinder- weil es eben an der Reihe wäre, weil doch alle das dann so machen…weil man selbst eine tolle Kindheit hatte,… aber sich aktiv dafür entschieden bzw gewünscht? heute kann ich das nicht mal mehr über meine schwer ertragenen ivfs sagen! In kurzem Abstand und völligem Hormonrausch wird man von einem Drachen geritten- kommt man kaum zum Atmen- und gar schon nicht zu freien Entscheidungen-
    Ich empfinde es derzeit als freies atmen kinderfrei zu sein(wie Balsam dieses kinderfrei-Wort!) – jetzt erst überlege ich richtig was ich will, wozu alles, wieviel Zeit ich dazu und nach ivfs noch habe…wieviel Kraft und Mut ich für jedwede Entscheidung aufbringen kann!
    Danke für den Artikel!

    1. Ravana

      Hallo Blacky,
      danke für deinen Kommentar und deine „Geschichte“! Puh, ich glaube, wenn man sich – aus welchen Gründen auch immer – erstmal für IVF entschieden hat, dann wird es richtig hart. Hoffnung, banges Warten, ob es beim x. Versuch endlich geklappt hat, große Enttäuschung, vielleicht noch „Scham über das eigene Versagen“. Unerfüllter Kinderwunsch, besonders mit IVF als letzter Chance, muss schrecklich sein. Ich nehme an, dass die Gedanken immer schlimmere Kreise drehen – von „ein Baby wäre schon schön“ über „Ich hätte jetzt wirklich gern ein Baby, warum klappt es nicht?“ bis hin zu „Bei mir hilft nichtmal IVF, dabei will ich doch einfach nur ein Kind, wie jeder anderer auch, mein Leben ist so sinnlos ohne“.
      Umso mehr freut es mich, dass du diese Gedanken offenbar durchbrechen konntest und zum Schluss gekommen bist, dass du keine Kinder brauchst, um ein erfülltes Leben zu führen! :-)
      Ganz liebe Grüße,
      Debbie

  8. FInd ich voll ok. Es ist dein / euer Leben und ihr bestimmt, wie es aussehen soll. Ich hasse diese gesellschaftlichen Erwartungen. Heiraten, Haus, Kind… Leck mich am Arsch. :D

    Ich hab zwar schon immer Kinder gewollt, aber das muss ja niemand sonst. Also… ein paar Menschen schon noch, weil wir ansonsten ein Problemchen hätten. Allein kann ich das nicht. Aber… nicht jeder.Du weißt schon… Also: Voll ok. :)

    1. Ravana

      Hallo Anna!
      Du bist die erste Mama, die sich zu diesem Beitrag meldet :-) Ich habe bisher dazu viel von Frauen gehört, die selbst keine Kinder haben/wollen. Bei Mamas war ich mir nicht so sicher, ob der Beitrag sie nicht provoziert.. Denn ich hab in der Vergangenheit eher die Erfahrung gemacht, dass es da irgendwie nicht so gut ankommt, offiziell zu sagen, dass das mit den Kindern nix für mich ist. Von daher freut es mich total, von dir ein „das ist voll ok“ zu lesen :D
      Und hey, ich bin eeeecht froh, dass es eben auch Leute gibt, die unbedingt Kinder möchten – dann ist es doch gut aufgeteilt: Wer Kinder will, der bekommt idealerweise welche, wer nicht – der halt nicht ^^

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