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Tropendämmerung im Wohnzimmer? Oder doch lieber frühlingshaftes Kirschblütenflair? Oder ein türkises Polarlicht-Ambiente im Schlafzimmer? Das sind nur drei Beispiele dafür, welche Beleuchtungseffekte eine (bunte) Smart Home-Beleuchtung zu Hause schaffen kann. Farbton und Helligkeit des Lichts können in ein und derselben Umgebung völlig unterschiedliche Stimmungen herbeizaubern. Hier möchte ich dir einen ersten Eindruck vom „Leben im Licht“ vermitteln :D

Kreis aus Hue-Birnen

Mit Blender erstellt: Bunter Kreis aus E27-Birnen

Seit Mitte Februar leuchtet bei uns in der Wohnung das „Philips Hue Starter Set White & Color Ambiance E27“, später kam noch die Sprachsteuerung dazu. Das Set beinhaltet drei smarte Glühbirnen, die jede das gesamte RGB-Farbspektrum von 16 Millionen Farben darstellen können, die Steuerungseinheit „Bridge“ und einen Dimmschalter. Weitere Starter Sets beinhalten stattdessen auch nur weiße oder weiß-gelbe Lichtvarianten. Ohne zu spoilern kann ich dir jetzt schon sagen, dass das bunte Licht aber viel mehr Spaß macht!

Kann man aus einer ganz normalen Wohnung ein Smart Home machen? Ich dachte immer, dass die Voraussetzungen dafür „unter den Putz“ gelegt werden müssen: Server im Keller, Netzwerkabel von Raum zu Raum und in den Wänden, Sensoren und Steuerungseinheiten in jeder Ecke. Aber für den Anfang ist das gar nicht nötig. Mit einer Smart Home-Beleuchtung und deinem Smartphone kannst du immerhin schon mal das Licht komplett steuern.

Philips Hue ist wohl die bekannteste Marke für Smart Home-Beleuchtungen. Hue, englisch für „Farbton“, steht für das bunte Lichtspektrum, das dieses System darstellen kann.

Hue - Die Farbtöne

Der Farbkreis mit allen möglichen Farbtönen (Hue) (Die Markierung zeigt die in Hue derzeit eingestellte Lampenfarbe)

Voraussetzungen und Steuerung

Hinter einer Smart Home-Beleuchtung steckt ein ausgeklügeltes System an Technik – und trotzdem kann jeder ganz einfach seine völlig unsmarte Wohnhöhle in eine wohlige Lichtgrotte verwandeln! Du brauchst keine speziellen Lampenfassungen oder sonstige Vorraussetzungen „unter dem Putz“ – denn die Hue-Glühbirnen sind mit WLAN ausgestattet! Ja, heutzutage sind auch Birnen online.

Damit du in den Genuss von bunten WLAN-Birnen von Philips kommen kannst, brauchst du nur dies:

  • einen Internetrouter
  • einen freien CAT5-Steckplatz (ganz normales LAN-Kabel) am Router
  • ein WLAN-Heimnetzwerk
  • ein Smartphone

Du brauchst: Birne und Brücke

In den Starter Sets von Philips Hue sind alle weiteren Komponenten bereits enthalten, die du für eine erste Installation brauchst: Nämlich zumindest eine Birne und eine Hue-Bridge. Als normale Schraubbirnen gibt es von Hue zwei Fassungen: E27 und E14. Beide sind Standard: E27 für ganz normale große Birnen, E14 für kleinere Birnen (häufig zB. in Lampen mit mehreren Birnen).

» Weitere Infos zu den verwendeten Fassungen

Die Bridge, also Brücke, ist die Verbindungseinheit (also Brücke :D) zwischen smarten Birnen und den Geräten für die Lichtsteuerung. Über die Bridge verbindest du neue Lampen und kannst Smartphones als Steuergeräte in dein gut beleuchtetes Smart Home integrieren. Die Bridge schließt du per LAN-Kabel an deinen Router an und Strom braucht sie natürlich auch.

Philips Hue Bridge

Die Bridge verrichtet treu ihren Dienst

Ohne Bridge funktionieren die Birnen logischerweise auch nicht wirklich – sie bekommen ja keine Befehle. Sobald du eine smarte Birne in eine Fassung schraubst und sie Strom bekommt, fängt sie an zu blinken. Das bedeutet, dass sie nach einer Bridge sucht, mit der sie kommunizieren kann. Diesen Wunsch erfüllt man doch gern! Die Bridge hat einen großen runden Knopf. Drücken wir den, bekommen bridgelose Geräte in Reichweite gesagt: Das hier ist die Bridge, die du suchst! Und mit dieser manuellen Bestätigung, dass die beiden Geräte zusammengehören, ist die Verbindung auch schon hergestellt.

Smartphone und smart Lampe :D

Auf die gleiche Weise verbindest du auch dein Smartphone mit der Bridge. Es gibt zahlreiche Apps, mit denen sich die Hue-Lampen steuern lassen, aber ich nutze nur die offizielle App mit dem kreativen Namen Philips Hue (zum Download im Google Playstore). Ohne Smartphone könntest du nicht das volle Potential der smarten Beleuchtung ausschöpfen, denn erst in der App fängt die Konfiguration wirklich an.

Du legst Räume an (Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, …) und weist ihnen die zugehörigen Birnen zu. Diesen kannst du auch Namen geben, um sie besser zuordnen zu können („Wo war Lampe 1 nochmal?“). Über die App kannst du dann das komplette Farbspektrum, das deine Birnen hergeben, und auch die Helligkeit jeder einzelnen Birne einstellen. Das ganze funktioniert in Echtzeit, du musst also nichts bestätigen. Es macht Spaß, aus dem Schlafzimmer heraus durch schnelle Kreisbewegungen auf dem Farbkreis Pierre zu nerven und ihm ein Regenbogengewitter ins Wohnzimmer zu schicken :D

Außerdem kannst du auch „Szenen“ einstellen, also deine Lieblingsfarben, um sie per Widget schnell aufrufen zu können.

Wenn du einen Philips Hue-Account anlegst, kannst du deine Lampen übrigens auch von unterwegs steuern. Nicht schlecht als Einbruchsicherung und „Ich bin zu Hause“-Simulator :D

Zimmer in Philips Hue

Die festgelegten Zimmer in der Hue-App und ihre derzeitige Leuchtfarben

Viele weitere Wege, das Licht anzumachen

Die volle Kontrolle der Lampen via Smartphone ist in der Theorie toll. Aber in der Praxis hast du nicht wirklich Lust, erstmal dein Smartphone zu entsperren, die App zu öffnen und die richtige Lampe zu steuern, wenn du doch eigentlich nur schnell mal Licht haben willst. Vielleicht sind Lichtschalter doch nicht so doof :D

Es müssen also praktischere Lösungen her. Und die gibt es! Schließlich ist die Zukunft heute :D

Du hast diese weiteren Möglichkeiten zur Steuerung deiner Smart Home-Beleuchtung:

  • Sprachassistent
  • Routinen
  • Dimmschalter
  • Bewegungsmelder

Die App brauchst du in der Regel trotzdem, um zu konfigurieren, was zu konfigurieren ist.

Hey Google, mach das Licht blau! – Sprachassistenten

Die Lichtsteuerung per Sprachbefehl ist natürlich sehr elegant. „Es werde Licht“ ist schließlich auch einer der ersten Sätze in der Bibel. Gott sprach die Worte, um die ewige Finsternis zu vertreiben und Sterne entstehen zu lassen. Also sehr elegant, wenn wir das auch tun können :D

Die Smart Home-Assistenten Google und Alexa sowie außerdem Cortana und Siri können sich mit der Bridge verbinden. Wenn du die Räume und Lampen richtig konfiguriert hast, steuerst du das Licht einfach direkt, und zwar in jedem Raum:

  • Lampen ein und ausschalten: Mach das Licht im Schlafzimmer an!
  • Farbe einer bestimmten Lampe ändern: Stell das Licht im Wohnzimmer auf rot!
  • Helligkeit ändern: Setze die Helligkeit von Lampe Heinz auf 40%!
Google - Alles klar!

Google Home Mini steuert auch die Smart Home-Beleuchtung

Mit Routinen die Beleuchtung organisieren

Routinen sind recht praktisch dafür, die Beleuchtung zu automatisieren und immer wiederkehrende Beleuchtungen anzulegen.

Ein paar Beispiele aus der Praxis:

  • Montag bis Freitag soll im Schlafzimmer „die Sonne aufgehen“ (genau wie mit einem Lichtwecker): Um 5:30 schaltet sich das Licht auf niedrigster Stufe ein und wird bis 6 Uhr immer heller.
  • Morgens um 6:10 soll im Wohnzimmer das Licht angehen, und sich um 6:45 automatisch wieder ausschalten
  • Bei Sonnenuntergang soll das Licht im Wohnzimmer innerhalb von zehn Minuten langsam hell werden
  • Im Schlafzimmer soll werktags um 22:50 ein zartrosa Licht erstrahlen, damit ich mir das Einschalten spare, wenn ich aus dem Wohnzimmer komme. Um 22:20 wechselt das Licht ins Gelbe und wird bis 22:40 immer dunkler, bis es schließlich ausgeht
  • Wenn ich nach Sonnenuntergang nach Hause komme (= mein Handy logt sich ins WLAN ein), sollen alle Lichter angehen

Für die Routinen lohnt es sich, den Alltag zu durchdenken und zu überlegen, wann sich wo eine automatische Beleuchtung anbietet.

Szenen und Lichtrezepte

Die in der Hue-App festgelegten Szenen und Lichtrezepte

Dimmschalter

In meinem Starter Set war auch ein Dimmschalter dabei. Das ist im Grunde eine Fernbedienung, die du auch per Magnet an metallischen Oberflächen befestigen kannst. Über die Hue-App lässt sich der Schalter mit sechs „Programmierungen“ belegen: Gewünschte Farben und Helligkeiten von gewünschten Birnen. Ein Programm wäre z.B. blaues Licht im Wohnzimmer, rotes Licht im Esszimmer. Wählst du das Programm aus, wird das direkt so umgesetzt.

Mit dem Ein-Schalter schaltest du alle Programme durch, mit dem Aus-Schalter machst du logischerweise das Licht aus. Als Dimmschalter kannst du damit das Licht natürlich auch heller und dunkler einstellen.

Bewegungsmelder

Interessant wäre auch ein Bewegungsmelder. Dazu muss ich nichts erklären: Der Sensor überwacht einen gewissen Bereich, und sobald sich dort etwas tut, tut der Sensor auch irgendwas. Vermutlich schaltet er das Licht auf einen vordefinierten Wert ein :D Wir haben keinen Bewegungsmelder, deswegen kann ich dazu nichts weiter sagen. Wäre aber durchaus ganz praktisch, z.B. für einen dunklen Flur.

Philips Hue-Birnen

Diese E27-Birnen sind echt richtig gut geworden (Blender) :D

Kosten für die smarte Hue-Beleuchtung

Die Philips Hue-Lichtlösung ist nicht gerade günstig: Eine einzige Birne kostet zwischen 50 und 60 €. Aber das sollte nicht verwundern – es steckt viel Technik drin, die Birnen sind stromsparend und langlebig.

Trotzdem lohnt es sich, zu einem Bundle zu greifen, das mehrere Birnen und Steuerungselemente umfasst. Dazu gibt es auch immer wieder Sonderaktionen, so dass man doch ein paar Euro sparen kann. Mein großes Starter Set mit drei Birnen, Bridge und Dimmschalter habe ich im Rahmen einer 50 € Cashback-Aktion gekauft und bekam dadurch im Nachhinein einen satten Rabatt.

Als kostengünstige Alternative kann man auch smarte Lampen (Modellreihe TRADFRI) von IKEA verwenden. Die sind mit Philips Hue kompatibel, aber deutlich günstiger.

Smart Home-Beleuchtung – Lohnt sich das?

Im Sommer macht sich die Lichtfülle nicht so bemerkbar – da haben wir sowieso keinen Lichtmangel. Im Winter dafür umso mehr! Wer morgens im Dunkeln aus dem Haus geht und abends im Dunkeln heimkommt, der weiß einen Tageslichtsimulator zu Hause wirklich zu schätzen.

Wahrscheinlich bist du genau wie ich (bisher) immer das gleiche Licht in deinen Wohnräumen gewohnt – „Licht halt“. Erst mit den unterschiedlichen „Lichtrezepten“ der Hue-App habe ich gemerkt, wie sehr das passende Licht die Stimmung beeinflussen kann.

Das Lichtrezept mit dem Namen „Energie tanken“ verbreitet beispielsweise ein sehr helles, weißes Licht, das schon fast ins Bläuliche geht. Die Assoziation mit Energie ist schon ziemlich passend, es ist ein aufmunterndes, aktivierendes Licht.

Und umgekehrt kann eine bestimmte Lichtfarbe den Filmabend oder die mit-Decke-auf-die-Couch-Zeit sehr gut unterstützen. Ob man es sich gemütlich machen möchte oder lieber entspannt liest, oder ob man irgendwas bastelt oder sich auf einen schwierigen Text konzentriert – das Licht hilft dabei.

Alleine das morgendliche Aufwachen fällt zumindest mir viel leichter, wenn es nicht stockduster ist, sondern mich ein freundliches Licht umfängt. Dazu brauchst du freilich kein teures System wie Philips Hue, ein Lichtwecker für 20 € reicht völlig aus.

Also – hier kommt das Fazit! Ich möchte die Smart Home-Beleuchtung insbesondere im Winter nicht mehr missen. Aber man kann herumreden wie man will – die konzentrationsfördernde, sonnenlichtsimulierende Kaminfeuerbeleuchtung bekommt 100% auf der Komfort-Skala und 0% auf der Notwendigkeitsskala.

Zusammenfassung
Review-Datum
Beschriebenes Produkt
Smart Home-Beleuchtung mit Philips Hue White & Color Ambiance
Bewertung
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