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Bewegung ist gesund, aber Bewegung macht keinen Spaß. Ein Dilemma, dem sich heutzutage ganze Horden von Büroangestellten stellen müssen. Ein kurzer Bericht über den Willen und zugleich Unwillen zu mehr Bewegung und meine persönliche Lösung: Mit dem Fahrrad zur Arbeit!

Heute gibt es mal einen etwas persönlicheren Beitrag aus der Reihe „Alltags-First-World-Problems“. Erkennst du dich auch in der Beschreibung wieder? Oder gehörst du

  • zu denen, die ohne joggen und Fitness-Studio sowieso nicht leben können, oder
  • zu den anderen, die sich nicht für gesunden oder ungesunden Lebensstil interessieren?

Kein Bock auf Sport….

Gibt es noch mehr absolute Sportmuffel, die wirklich überhaupt kein Interesse daran haben, den „Body zu stählen“ und was für „die Fitness“ zu tun? Bei mir liegt es vor allem daran, dass ich Sport so langweilig finde. Bewegen um der Bewegung willen macht einfach nicht genug Spaß, man schwitzt sich zu Tode, und dann ist es auch noch anstrengend. Und der Zeitfaktor ganz zu schweigen! Klar, im Urlaub ist eine schöne Wanderung was ganz anderes. Mein Problem ist der regelmäßige Sport.

Wer hat schon Lust, nach der Arbeit noch stundenlang irgendwo herumzuhecheln, statt was Sinnvolles oder Spaßiges zu tun! Okaaaay, die vielen gut besuchten Fitness-Studios sprechen eine deutliche Sprache darüber, ob jemand Lust darauf hat oder nicht. Aber ich ganz eindeutig nicht. Lieber verzichte ich auf Schokolade und Hamburger, als regelmäßig Sport zu treiben.

… vs. die Stimme der Vernunft

Ja…. aber auf der anderen Seite flüstert da immer diese nervige und doch vernünftige Stimme: Mach was für deinen Körper! Beweg dich! Sitzen ist das neue Rauchen! Ich bin genau die Zielgruppe von Büromenschen, die sich den lieben langen Tag den Hintern platt sitzen. Die morgens 10 Meter zum Auto laufen, dann 10 Meter ins Büro, dann den lieben langen Tag vor dem Monitor verbringen und dann wieder zurück nach Hause… um wieder vor dem Monitor zu sitzen. Wieso hatte ich eigentlich früher kein so schlechtes Gewissen wegen dieses Lebensstils? Na, jedenfalls, heute habe ich es.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in der Gesundheitsbranche arbeite und mich deswegen ein wenig mit diesen ganzen Krankheiten auskenne, die durch zuviel Sitzen und zu wenig Bewegung entstehen können.

  • Rückenschmerzen!
  • Arthrose!
  • Herzerkrankungen!
  • Depressionen!
  • Bluthochdruck!
  • Venenprobleme!
  • Fettleibigkeit!
  • Knochenschäden!

Aaaah! Immer wieder liest man, dass der Mensch nunmal nicht für das andauernde Sitzen gedacht sei. Wieso kann man nicht einfach in bewegungloser Ruhe „Gedankensport“ am PC treiben! Immer dieser Stress, tu dies, tu das.

Troll face cries

Schritt 1 zur Besserung: Ein Alibi-Kauf!

Und so kaufte ich mir letztes Jahr *tadaaaaa* ein Fitnessband! Phase 1 des Selbstbetrugs: Gib etwas Geld aus, dann fühlst du dich schon besser. Ich hätte auch einen Home Trainer kaufen können, hätte auch nichts gebracht. Na jedenfalls, ein Fitnessband ist ein Teil, das man am Arm trägt und das die täglich gelaufenen Schritte zusammenzählt. 10.000 Schritte am Tag ist das Ziel, mit dem man dem sicheren Bewegungsmangel-bedingten Tode (oder schlimmer) angeblich wieder von der Schippe springen kann.

Kann ja nicht so schwer sein, immerhin steht die Kaffeemaschine im Büro bestimmt 15 Meter weit weg. Da kommt schon was zusammen den Tag über! Dachte ich. Dachte ich falsch. Nach ein paar Wochen legte ich das Fitness-Band frustriert wieder weg. Es hielt mir jeden Tag vor Augen, dass ich locker 7000 Schritte am Tag zu wenig laufe.

Kennst du dieses Problem auch? Keine Lust auf sportliche Betätigung, aber auch ein schlechtes Gewissen, weil du eben nicht sportlich-ästhetisch abends den Park entlang joggst?

Multitasking auf dem Fahrrad

© moypapaboris/stock.adobe.com

Schritt 2: Alltag und Bewegung zusammenbringen

Also – was tun? Nach dem traurigen Versuch mit dem Fitnessband stellte ich mir die Frage, was mich am Sport am meisten stört. Klarer Fall:

  • Einzelsport ist langweilig, Menschen beim Mannschaftssport
  • der Zeitverlust („ich könnte was viel Interessanteres machen…“)
  • keine Motivation nach der Arbeit

Es dauerte tatsächlich über ein halbes Jahr, bis ich auf die logische Lösung kam. Wenn der Zeitverlust so stört, wieso nicht genau dann bewegen, wenn ich sowieso schon Zeitverlust habe? Als Pendler fahre ich jeden Tag mit dem Auto 25 km zur Arbeit und 25 km zurück. Vor allem in der Stadt ist dabei sowieso Stau. Und so oft schaute ich verträumt den Radfahrern hinterher, die an der Kolonne vorbeifuhren, sich dabei bewegten und auch nicht teuren Sprit in Abgase umwandeln.

Was läge also näher, als einfach aufs Fahrrad umzusatteln? Den Weg muss man ja schließlich so oder so zurücklegen.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit! – Zumindest teilweise

25 km ist mir natürlich zu weit. Man muss sich ja nicht über Gebühr geißeln. Ein Mittelweg ist angebracht!

Deswegen stell ich jetzt mein Auto morgens bei Kilometer 16 ab, steige aufs Fahrrad um und fahre die restlichen 9 km am Neckar entlang und durch Heidelberg zur Arbeit. Abends das Ganze umgekehrt. Nachts muss mein Fahrrad dann eben allein im „Fahrrad-Park & Ride“ bleiben. – Das klappt auch nicht perfekt, genau hier wurde mein schönes Fahrrad letztes Jahr zusammen mit ein paar anderen Fahrrädern geklaut.

Bis zum Klau bin ich aber auch schon einige Wochen mit dem Fahrrad gefahren. Während ich da morgens auch bei 13° noch gefroren habe, habe ich mir dieses Jahr (neues Bike, neues Glück) eine winddichte Jacke gegönnt, die nicht nur keinen Wind durchlässt, sondern mich auch den ersten Hagelschauer hat überstehen lassen.

Heidelberger Schloss im Nebel

Das Heidelberger Schloss um 7:15 – Zeit für Fotos!

Der Motivation auf die Sprünge helfen

Spaß macht das Fahrradfahren trotzdem nicht immer: Zu kalt, zu warm, zu anstrengend, zu viele Fußgänger unterwegs, Regen, bergauf, Gegenwind, Vogelkacke auf Sattel … Aber folgende Argumente helfen mir dabei, morgens trotzdem aufs Fahrrad zu wechseln:

  • das gute Gefühl, kein so fauler Sack mehr zu sein
  • Sonnenstrahlen und die frische Luft
  • 90 km pro Woche weniger mit dem Auto fahren, das sind im Monat immerhin 360 km – das macht sich im Geldbeutel bemerkbar!
  • am Stadtstau vorbeifahren und somit nichtmal so viel Zeit verlieren
  • das Wissen, dass das regelmäßige Fahrradfahren zur Arbeit Fitness-Studio-Besuche ersetzen kann

Das ist eine Win-Situation auf ganzer Linie. Durch den Stadtstau summiert sich der Zeitverlust pro Strecke auf vielleicht 10 Minuten. Und ich spare einen halben Tank pro Monat, Reifenverschleiß, etc pp. – Finanziellen Argumenten habe ich einfach nichts entgegenzusetzen!

Auch, wenn ich nun jeden Morgen etwas .. verbraucht auf der Arbeit ankomme. Der Hauptnachteil am Fahrradfahren: Fahrradfahren ist Sport. Man schwitzt. Deswegen ist das vermutlich weder was für Kundenberater noch für Modeverkäuferinnen, bei denen jedes Löckchen perfekt sitzen muss.

Bei mir passt es aber perfekt, und egal wie oft ich versuche, irgendwelche Ausreden zu finden -Ich finde keine :D Spart Geld, kostet nicht viel Zeit, ist gut für den „äh gestählten Body“! Mal sehen, wie es mit den Ausreden steht, wenn der Herbst sich nähert, zusammen mit Dauerregenwolken und Kälte…

Noch ein Leser da? Wow :D Ich freue mich über deine Meinung zum Thema! Schreib‘ mir doch einen Kommentar oder eine Mail :-)


3 Kommentare

chilivanilli · 31. Mai 2018 um 15:29

Ein Hoch auf das Fahrradfahren! :-)

Hm, ich gehöre zu den Menschen, die offensichtlich ohne ständige Sportorganisation überleben können _und_ Interesse an „hälsy“ Bewegung haben… Ich sollte mich jetzt wirklich ernsthaft mit den 18 km Radweg zur Arbeit auseinandersetzen… Oder wieder Pokémon fangen für mehr Schritte > <

    Ravana · 31. Mai 2018 um 17:04

    Hey Vanilli :-) Hat es mit dem See heute Morgen geklappt?
    Jaaa, Pokemon fangen, das hat kurze Zeit wirklich einige Schritte summiert :D
    Drücke dir die Daumen, dass du ein „hälsy“ (:D) Optimum hinbekommst, mit dem du dich gut fühlst!

      chilivanilli · 1. Juni 2018 um 17:46

      Nein, leider kein See, dafür extra Fahrrad :-) Danke! Ich bin guter Dinge! Schönes Wochenende!

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