Wieder einen Vectra zerstört – Opel-Blitzkauf!

Nachfolgend eine kurze Geschichte in mehreren Akten, die Dienstag zunächst so graziös endete wie ein Bauchplatscher im Schwimmbad. Es geht um Autos, Banken und Ämter. Leider hat mein wunderschöner Opel Vectra den Geist aufgegebenen und ein neues Auto musste her.

Vectra in den Alpen
Bild aus besseren Tagen: In den Alpen, September 2016

Erster Akt: Samstag

Beschwingt bestieg ich meinen geliebten, 19,5 Jahre alten Opel Vectra, den ich im Juni 2016 gekauft habe. Im Gepäck trug ich meine Drohne, mit dem Ansinnen, den Sonnenuntergang mit einem hübschen Flug über dem Heidelberger Ehrenfriedhof zu verbringen.

Indes, das Schicksal schlug zu. Gerade hatte ich mein Städtchen Schönau verlassen und fuhr beschwingt durch den Walde, als das Äquivalent eines Flugzeugabsturzes, nur am Boden, mein Auto dahinraffte. Der Motor ging aus, mitten in der Fahrt, und mir blinkten hektisch Warnleuchten in allen möglichen Farben entgegen. Es herrschte Stille im Auto, es waren nur noch die Räder auf dem Asphalt zu hören. Und das panische Kreischen im Passagierteil hinten ob der verstummten Turbinen .. – ach ne, das war in einem Film. Und die Servolenkung zuckte ein wenig, gab dann aber auch auf.

Zum Glück reichte der Schwung, um einen kleinen Parkplatz zu erreichen, an dem ich meinen Vectra abstellte und der wohl erstmal der letzte Ort war, den er mit eigener Kraft erreichte.

Machs gut, kleiner Vectra
Am Ort des Absturzes T_T Geschossen in der Voraussicht, dass es das letzte Foto meines Autos von unterwegs sein würde :/

ADAC angerufen, gewartet, Diagnose: Zahnriemen gerissen, Vectra huckepack genommen und vor der Werkstatt meines Vertrauens abgestellt. Ein lebloser, toter Vectra T_T Eine schreckliche Tragödie, habe das Auto doch wirklich geliebt!

Ein gerissener Zahnriemen sorgt dafür, dass im Motorblock alles mögliche Zeug rumfliegt, Ventile und Kolben und was weiss ich, und normal ist da drin dann alles hinüber. Wirtschaftlicher Totalschaden – ein Schicksal, das auch schon mein erster Vectra (T_T) erlitten hatte.

Offenbar bezahlen es meine Autos mit dem Leben, wenn ich sie sehr mag..

Erster Vectra
Vectra Nummer 1
Dritter Vectra
Vectra Nummer 3 an gleicher Stelle, 14 Jahre oder so später (faszinierend! In beiden Fotos passt das Auto farblich perfekt zum Hintergrund! Natürlich Vectra :D)

Zweiter Akt: Montag

Allerdings wollte ich erst noch die Diagnose des Auto-Arztes in der Werkstatt abwarten und fuhr am Montag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Und zwar mehr schlecht als recht: Ich wollte den zweiten Bus am Tag nehmen, um 6:52, um um 7:48 da zu sein. Mit dem Bus zur S-Bahn, mit der S-Bahn nach Heidelberg, dort mit der Straßenbahn weiter zur Arbeit.

Um 6:52 fuhren aber offensichtlich zwei Busse, einer für Schüler und einer für normale Menschen. Das wusste ich nicht und stieg gleich in den falschen Bus ein. Der ließ natürlich die S-Bahnhaltestelle links liegen und fuhr über die dumme Schule direkt nach Heidelberg. Das dauert natürlich viel länger als die S-Bahn, so dass ich am Ende *knirsch* 1,5 Stunden *fluch* unterwegs war für eine einfache Strecke. Mit Vectra dauert es 35-45 Minuten. Abends zurück ähnlich – Straßenbahn – S-Bahn – Bus, 1,5h.

Am Ende des Tages die erwartete Diagnose für mein Auto: Reparieren lohnt sich nicht.

Merke: Behandle deinen Zahnriemen stets mit Sorgfalt und lass ihm alle Pflege zugedeihen, die der Schöpfer deines Autos ihm angedacht hat!

Also spontan Urlaub eingereicht und abends den Automarkt im Internet begutachtet. Dienstag ist großer Autokauftag.

Dritter Akt: Dienstag

Punkt 9:02 schlugen Pierre und ich zu Fuß bei der Werkstatt auf, um uns das tote Auto vom Werkstattmeister erklären zu lassen. Er zeigte uns den traurig malträtierten Zahnriemen und erklärte nochmal, dass da wohl auch keine Notoperation mehr hilft. Jedenfalls nicht, wenn man nicht weit über 1000 € bezahlen möchte, ohne Garantie, dass nicht vielleicht weitere versteckte Schäden auftreten.

Auf diese Weise kaum weiter erleuchtet, bestiegen wir direkt anschließend den Bus, um uns in eine neue, motorisierte Zukunft fahren zu lassen.

1. Aufzug: Auto anschauen

1,5h später kamen wir an, ein Skandal, wie kann man so lange für so wenige Kilometer brauchen. 12 km Luftlinie, aber halt mit Stadt und Berge dazwischen. Hatte abends zuvor schon auf dem riesigen Online-Marktplatz nach Fahrzeugen Ausschau gehalten und habe mich für einen Gebrauchtwagenhändler entschieden, der viele Autos in meinem Preissegment (max. 3000 €) anbietet und zugleich fast nur positive Bewertungen bekommen hat. Meine Panik davor, beim Autokauf übers Ohr gehauen zu werden, ist nämlich ziemlich grenzenlos .. ^^

Ja, wir kamen da an, Auto fein, Probefahrt gemacht, auch fein, Mut zusammengekratzt und Auto gekauft: Opel Corsa 1,2l (80 PS), Baujahr 2005, Farbe Starsilber, Scheckheftgepflegt, 186k km, für 2.490 €.

Auto angeschaut, Auto gekauft!
Auto angeschaut, Auto gekauft!

Es war halb 12, und wenn wir uns beeilten, könnten wir es noch zur Zulassungsstelle 3 Orte weiter schaffen, die um 12 zu macht. Also Versicherung informiert, damit ich das Fahrzeug zulassen kann. Fehlte noch der Fahrzeugbrief, denn ..

Auto gekauft? Nein, noch nicht gekauft. Kaufen wollen. Bezahlung nämlich nur in bar.

2. Aufzug: Der Kampf mit der Bank

Wie Gott und die Umstände es eben wollen, ist es so, dass ich zwar ein feines, geldgedecktes Girokonto habe, aber mitnichten bei der Sparkasse Heidelberg, sondern bei der Sparkasse meines Heimatortes bei Stuttgart. Das Konto befähigt mich, Geld vom Geldautomaten abzuholen und Onlinegeschäfte zu tätigen, zu viel mehr aber auch nicht. Reicht ja auch. Nur nicht für diesen speziellen Fall, denn der Geldautomat spuckt maximal, ganz egal wo, 1000 € am Tag aus. Ist ja auch gut, sonst könnt ja jeder Kartendieb daher kommen und meine Millionen einfach so an einem Tag abheben.

Naja, in meinem Fall war das halt doof, weil ich extra Urlaub für diesen Mist genommen habe und nicht nochmal Urlaub nehmen will, um nochmal mit Bus & Zeug zum Händler zu tuckern, das hätte sich ja bis Weihnachten gezogen. Also ab an den Schalter, nachgefragt, was da so geht. Gar nix geht da so, erklärt mir die Dame. Pech gehabt, jeden Tag 1000 € am Geldautomat, vllt. noch ein bisschen extra mit der Kreditkarte.

Schalter verlassen und überlegt, ob es sich um Bankraub handelt, wenn man diese Bank nun überfällt und sich mit Waffengewalt den Betrag holt, der einem gehört. Ok, wenig hilfreich.. oder ob es nicht geht, in den Bereich einer anderen Sparkasse zu fahren, etwa Mannheim, und da nochmal 1000 € zu holen.

Also wieder an den Schalter, diesmal stand da ein netter italienischer Herr, der Luigi. Dem habe ich meinen Fall dargelegt. „Ja, da ginge was,“ erläuterte mir Luigi. Und die nächste halbe Stunde setzte er alle Hebel in Bewegung, um mir mein Geld zu besorgen. „Ja, man könnte Ihre Bank anrufen und die anweisen, uns das Geld zu überweisen, das dauert 2-3h, dann zahlen wir es Ihnen aus.“ Machen Sie, machen Sie! Pronto per favore! :D

Auch Banken kennen Helden: Luigi aus Leimen

Luigi telefonierte mit meiner Bank. Die stellte ihn durch zu der provinziellen Filiale in meinem Heimatdorf, wo ich im Alter von 13 Jahren mein Konto eröffnete. Dort hatte man noch nie von sowas gehört. Luigi reichte mir das Telefon weiter, ich wies mich aus. Die gute Dame am anderen Ende wusste nicht so recht, was ich von ihr wollte, fragte, auf welches Konto sie es überweisen solle. Ratlos reichte ich das Telefon wieder an Luigi. Der erklärte nochmal, um was es geht. Geld her, aber zack zack! Die Dame brauchte eine IBAN für die Überweisung. Es gibt aber keine IBAN, weil es sich nicht um eine normale Überweisung auf ein normales Konto handelte. Luigi telefonierte mit seiner eigenen Verwaltung und fragte nach. Dann rief er wieder bei der Dame an. Die sagte, sie fragt ebenfalls nach und ruft zurück. Ich kam mir vor wie ein Großkunde, der 3 Mio in kleinen Scheinen einzahlen will :D

Nach zig mal hin und her lief die Sache schließlich. Ich ließ Luigi, dem tapferen, freundlichen Luigi, meine Handynummer da, damit er anruft, wenn die Kohle da ist.

Zwischenzeitlich war Pierre zurück zum Händler gegangen, um den über den unglücklichen Ablauf mit dem Geld zu unterrichten. Kein Problem, er hatte Verständnis und erzählte gleich eine ähnliche Anekdote, als ihm ein Kunde statt 33.000 € 330.000 € überwies und er das Geld einfach nicht zurücküberweisen konnte. Nunja, wo die Story nun ähnlich war, hab ich nicht verstanden, aber hat mich gefreut, dass er Verständnis hatte.

Intermezzo im Railway Diner

Während das Geld also ganz langsam durch die Leitungen kroch, fuhren Pierre und ich wieder zurück nach Heidelberg, ca 15 Minuten mit der Straßenbahn. Dort suchten wir einen Diner in einem ausrangierten Eisenbahnwaggon auf und futterten verflixt gute Burger: Ich hatte „Chicken of the Sea„: Lachsburger mit Rucola-Salat, Preisel- und Erdbeeren! Klingt komisch, war aber geil. Schade, dass ich kein Foto vom Essen gemacht habe, wie es mittlerweile in Teen- und Twenagerkreisen üblich ist.

Derweil suchte ich per Handy (Techniklob!) nach weiteren Zulassungsstellen. In Heidelberg gibt es auch zwei, die sogar noch offen hatten. Da wollten wir nach dem glücklichen Ausgang des kleinen Banküberfalls vorbeifahren, um das Auto zuzulassen, um das Auto zu holen, um wieder ordentlich zur Arbeit fahren zu können.

Zwischenzeitlich kam auch der Anruf von Luigi, dass das Geld da wäre.

3. Aufzug: Tragödie auf dem Amt

Also wieder zurück nach Süden ins Autohändlerkaff und dort zur Bank. Luigi zahlte mir jede Menge grüne Scheine aus, die ich auf den 100m Fußweg zum Autohändler verkrampft an mich drückte. Merkwürdiges Volk war da unterwegs.

Autopapiere bekommen, wieder in die Straßenbahn und ab nach Heidelberg, um das Auto zuzulassen. Das wäre optimal gewesen, dann könnte ich am nächsten Tag wieder mit dem Auto zur Arbeit und der Mist mit den Öffentlichen hätte sich erledigt. Aber natürlich kam es nicht so. Alles hat geklappt, alles – zig ewig lange Fahrten hin und her, Auto finden, Bargeld auftreiben, Auto kaufen und sogar noch rechtzeitig aufs Amt zum Anmelden. So eine Art lange Abenteuerreise wie in „Der Hobbit“..

Auf dem Amt zog ich brav meine Nummer – Pierre musste unterdessen zur Uni – und wartete brav, bis ich aufgerufen wurde. Da teilte man mir erst mit, dass mein Auto noch zugelassen wäre, „da, sehen Sie? Da ist kein Haken bei ‚abgemeldet‘. “ – Wuuuuuuuuuus? ….. „Ah nein, hier steht es doch. Normal müsste da ein Haken sein, so geht das doch nicht! Alles gut. Haha!“ — Puuuuuuh. „Oh, Sie kommen aus Schönau? Sorry, dann sind Sie hier falsch, wir melden hier nur Autos aus dem Heidelberger Stadtgebiet an. Der restliche Landkreis muss nach Wiesloch, Weinheim oder Sinsheim. Die haben heute nachmittag aber zu.“ … Wuuuuuuuuus? Aber ist doch auch HD-Kennzeichen… „Ja, aber trotzdem.“ ..

ALLES hat geklappt. Nur kann ich mein HD-Auto nicht bei einer Zulassungsstelle in HD zulassen, sondern muss nach außerhalb, jeweils locker eine halbe Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von HD weg. … -.- Und natürlich nicht nachmittags geöffnet. Bürokratie, wie man sie kennt und liebt!

Habe aufgegeben, nichts zu machen. Unfassbar.

Schnell auf der Arbeit nachgefragt, ob ich noch einen Urlaubstag versenken darf (ja, freu!), am Handy einen Termin bei der beknackten Zulassungsstelle am hintersten Arsch der Welt vereinbart und nach Hause gefahren – eine Stunde lang.

Vorhang zu

Vierter Akt: Mittwoch

Begeistert startete ich morgens um 9:30 meine Reise zur Zulassungsstelle. Termin um 11:30 – mit dem Bus zur nächsten S-Bahn-Haltestelle, mit der S-Bahn nach Heidelberg zum Hauptbahnhof, mit dem RegioExpress weiter nach Wiesloch und da mit Schusters Rappen weiter zur Zulassungsstelle. Dann wieder mit 2 Bussen zum Händlerkaff und dann hoffentlich nie wieder so ein Mist.

Ja, aber so weit kam es erstmal gar nicht. In Heidelberg pflanzte ich mich in den RegioExpress und freute mich, denn ich mag ja Züge <3 Dann die Durchsage des Lokführers: „Wegen technischen Problemen 10-15 Minuten Verspätung“. Geil! Macht nix, Züge sind auch toll, wenn sie nicht fahren. 20 Minuten später: Keine rollenden Räder, keine Durchsage. 30 Min später: Nichts. Da wird man dann doch ungeduldig. Bin ausgestiegen und zur nächsten S-Bahn gegangen. Derweil fuhr mein Regio dann los, natürlich. Ich mag Züge, aber Züge mich wohl nicht.

Naja, mit der S-Bahn gings dann auch. An der Zulassungsstelle nach nur 20 Minuten warten (trotz Termin) zähneknirschend 70 € gegen zwei schicke neue Nummernschilder getauscht und wieder losgezogen. Zwei Busfahrten später konnte ich endlich mein neues Auto abholen und nach Hause fahren.

Mein Gott, ein Drama.

Ein Opel Corsa
Und da ist er nun. Hi kleiner Corsa!

Und heute morgen: Ins Auto gestiegen, losgefahren, nach 35 Minuten stressfrei auf der Arbeit gewesen.

Die Moral von der Geschicht: Autos sind toll.

Armer, armer, armer, armer, armer Vectra T_T

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