Dienstag, 10.08.2010
Ankunft in Berlin
Mittags fuhr der Zug in Berlin ein, interessiert und völlig ergriffen davon, dass ich mich an einer derartig
historischen Stätte befand, starrte ich aus dem Fenster. Ich erhaschte einen ersten Blick auf die Kaiser-
Wilhelm-Gedächtniskirche und schließlich auf den Reichstag.
Wir verließen den beeindruckenden gläsernen Berliner Hauptbahnhof, in dem die Züge sehr faszinierend über-
und untereinander auf verschiedenen Ebenen ein- und ausfahren und man von ganz oben nach ganz unten schauen
kann in Richtung Reichstagsgebäude.
Dafür, dass wir uns mitten in einer Millionenstadt befanden, fielen die vielen Freiflächen sehr ins Auge -
zwischen dem freistehenden Hauptbahnhof und dem Reichstag befand sich nur die Spree und irgendwelche Regierungsgebäude,
die Ende der 90er Jahre gebaut worden sind. Ansonsten alles frei, dank der gewaltsamen britischen und amerikanischen
Umbauarbeiten bei Tage und bei Nacht vor 70 Jahren.
Dann kamen wir auf der großen Wiese vor dem Reichstagsgebäude an, auf der sich auch eine Menge Besucher
tümmelten. Für mich ein ziemlich krasses Gefühl - ICH vor dem Gebäude, das ich schon von so vielen Fotos - vor
allem alten von vor oder während dem Krieg - kannte. Von hier hatte Scheidemann 1918 die demokratische Republik
ausgerufen, hier stand früher die Siegessäule und der Platz war mit Springbrunnen hergerichtet. Ich konnte mir
auch nur schwer vorstellen, dass dieses große und sehr ehrwürdig wirkende Gebäude im Februar 1933 lichterloh
in Flammen gestanden hatte.
Natürlich hatte ich auch nicht versäumt, mein "Berlin 1945"-Buch mitzunehmen und somit vor Ort das Aussehen
des Reichtagsgebäudes heutzutage mit dem während des Krieges vergleichen zu können. Ich befand mich total
im Rausch der Geschichte ^^ Ich mitten in Berlin, im Kopf aber Bilder aus anderen Zeiten. Es fiel mir schwer,
all diese Bilder miteinander in Einklang zu bringen - ich liebe Geschichte ^^
Naja. Ich denke ich übertreibe schon wieder. Jedenfalls saßen wir eine Weile vor dem Reichstag und planten
unser weiteres Vorgehen. Nach einem kurzen Abstecher zum Brandenburger Tor wollten wir unser Gepäck im Hotel
in der Bundesallee nicht weit vom Kurfürstendamm abliefern und danach nach Berlin-Marzahn fahren, wo es die
Gärten der Welt
zu besichtigen gibt - einen riesigen Park mit verschiedenen Themengärten. Zwar wenig historisch, aber sehr entspannend.
Also auf zum Brandenburger Tor - weit ist es ja nicht vom Reichstagsgebäude aus ^^ Dort stehen
Info-Tafeln mit Bildern des Tores zu unterschiedlichsten Zeiten - während der Einweihung, später gegen Ende
des Krieges und danach während der Berliner Teilung.
Faszinierend finde ich, dass das Brandenburger Tor tatsächlich einmal ein Tor war, also ein Stadttor, und keine
Art von Triumphbogen oder so, obwohl es genau danach aussieht ^^ Bzw. an der Stelle des heutigen Brandenburger
Tors befand sich früher einmal das alte Brandenburger Tor, das ein Stadttor war. So, jetzt passt es.
Um kurz noch ein wenig Hintergrund hinterherzuliefern: die preußischen Herrscher legten Berlin als eine
Residenzstadt an.
Die ursprüngliche frühe Besiedlung befand sich auf der Spreeinsel (früher hieß diese Siedlung Cölln) und
Berlin im Norden der Spree. Diese Örtchen wurden dann irgendwann zu Berlin vereinigt. Auf der Spreeinsel
wurde das spätere Berliner Stadtschloss angelegt - erste Bauten davon gab es schon im 15. Jahrhundert oder
vorher, die dann im Laufe der Zeit immer mehr erweitert wurden. Jedenfalls lebten hier die preußischen Herrscher,
wenn sie sich in Berlin befanden.
Herrscher brauchten zu allen Zeiten auch Jagdreviere - jagen war ein großes Hobby vieler Blaublütler ^^ Das
Jagdrevier der Preußen bei Berlin war der Tiergarten, der extra dafür im 16. Jahrhundert angelegt worden war.
Und damit man auch gemütlich und auf direktem Wege vom Schloss aus dorthin kam, legte man dazu einen passenden
Reitweg an, der im 17. Jahrhundert unter Friedrich Wilhelm verbreitert - und mit Tausenden von Linden als
Allee verschönert worden war - und fertig war die heutige Prachtstraße "Unter den Linden".
Eine ähnliche Geschichte hat der Kurfürstendamm hinter sich, heute eine Hauptverkehrsstraße in Berlin:
Kurfürst Joachim II. wünschte 1542 einen Reitweg zwischen dem Berliner Stadtschloss und seinem Jagdschloss
Grunewald im 11km Luftlinie entfernten Westen von Berlin.
Das Berliner Stadtschloss übrigens wurde 1950 gesprengt, nachdem es während dem Krieg bereits ausgebrannt war.
An dieser Stelle wurde später durch die DDR-Regierung der Palast der Republik gebaut, welcher 2007 ebenfalls
wieder abgetragen wurde. 2010 soll Baubeginn für das neue Berliner Stadtschloss sein.
Wie kann man nur ein solch geschichtsträchtiges Schloss sprengen, Ruine oder nicht :/
In die "Gärten der Welt"
Wieder zurück zu unserem Berlin-Trip: die "Gärten der Welt" stellten sich als sehr lohnenswerte Investion
(Eintritt 3,00€) heraus. Unbedingt empfehlenswert für jeden, der schön angelegte Gärten mag ^^ Man kann hier
einfach auf Wiesen liegen oder sich eben die schönen Themengärten ansehen. Es gibt verschiedene Anlagen:
Chinesischer Garten, Japanischer Garten, Rennaissance-Garten, Arabischer Garten, Balinesischer Garten,
Koreanischer Garten und noch was, was wir uns aber nicht mehr angesehen haben, da wir todmüde waren und der
Garten um 20:00 zumachte ^^ Auch ein Heckenlabyrinth gibts, und wenn man den Weg bis in die Mitte findet, kann man
auf einen kleinen Turm klettern und bekommt eine Übersicht über den Standpunkt.
Die Themengebiete sind wirklich sehr schön angelegt und stellen tolle Fotomotive dar oder einfach eine Umgebung,
in der man die Seele baumeln lassen kann.
Ich glaub, ich war schon lange nicht mehr so müde und kaputt - jedenfalls haben wir in der Nacht im Hotel
sehr gut geschlafen :D
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Das altehrwürdige Reichstagsgebäude | Zoom

Reichstag von der Tiergarten-Seite aus | Zoom

Brandenburger Tor vom Pariser Platz aus, also früher Ostberlin | Zoom

Gärten der Welt: Teerestaurant im Chinesischen Garten | Zoom

Gärten der Welt: See im Chinesischen Garten | Zoom

Gärten der Welt: Im Treibhaus des Balinesischen Gartens | Zoom
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